Berge, Wälder, mildes Klima und ein See, der Herzen höher schlagen lässt: Millionen Menschen zieht es an den Gardasee, weil sich Italien hier von einer wunderschönen Seite zeigt. Mancher, der vielleicht davon träumen mag, nicht nur eine gewisse Zeit im Hotel zu verbringen, hätte nun eine Möglichkeit der Extraklasse: Wie wär es statt mit Urlaub direkt mit einem Umzug in ein mittelalterliches Schloss mit Blick auf den Gardasee?

Die jetzigen Bewohner nämlich planen ihren Auszug: Der Liechtensteiner Prinz Alexander und seine Ehefrau Astrid Kohl verkaufen das bei Affi gelegene Schloss Sant‘Andrea. Was vielleicht ein wenig störend sein könnte, ist der Preis. Der Wert der historischen Anlage wird auf 30 bis 40 Millionen Euro geschätzt.

Mehr Artikel über Europas Adel

Luxus pur im Schloss Sant‘Andrea am Gardasee – ein Detail verblüfft besonders

Das Anwesen, das von dem renommierten italienischen Architektenstudio Renzo Mongiardino & Pinto renoviert wurde, ist eine Freude fürs Auge: Stolz und wehrhaft erhebt es sich auf dem Berg Monte Moscal und umfasst rund 29 Hektar Land mit Weinbergen, Olivenhainen und weitläufigen Parkanlagen. Zur Anlage gehören mehrere Gebäude, darunter eine prächtige Hauptvilla mit etwa 2000 Quadratmetern Wohnfläche, so ist bei Whisper Auctions, einer Schweizer Auktionsplattform für exklusive „Off-Market-Immobilien“, zu erfahren.

Reichlich Platz ist in den alten Gemäuern, man kann sich also bei Bedarf auch gut aus dem Weg gehen. Und falls der Partner schnarcht oder Verwandte im Anmarsch sind: In den sieben Schlafzimmern mit jeweils eigenem Badezimmer sollte man genügend Ausweichmöglichkeiten finden. Hinzu kommen natürlich Salons über Salons, alle großzügig gestaltet. Und weil man in diesem Rahmen auch Feste feiert, zu denen sich vielleicht prominente Sänger einfinden, steht ein Konzertsaal bereit. Wer es besinnlich mag: Eine romanische Schlosskirche aus dem 12. Jahrhundert gehört ebenfalls zum Ensemble.

Und damit nicht genug: Vorhanden ist zudem ein üppiger Weinkeller, ein Fitnessraum, ein Swimmingpool, Stallungen, ein Hubschrauberlandeplatz und dann natürlich die weitläufigen Rasenflächen mit unvergleichlichem Blick auf den Gardasee. Was aber stutzen lässt: Das Anwesen verfügt über ein Detail, das aus dem Rahmen von Glanz und Glamour fällt. In den Fels unterhalb der Anlage ist der ehemalige NATO-Bunker „West Star“ integriert, einst zentrales Kommando der Alliierten im Kalten Krieg. Zwar wenig romantisch, aber in unruhigen Zeiten mag es vielleicht den Nerv nach Sicherheit treffen.

Auch interessant

„Zu groß“: Prinz Alexander trennt sich schweren Herzens vom Schloss

Warum nur will die royale Familie nun all dem Luxus den Rücken kehren? Das habe mit veränderten Lebensumständen zu tun, so erklärt Prinz Alexander gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere del Veneto“. Tochter Theodora studiere im Ausland, er selbst und seine Frau seien beruflich viel unterwegs. Astrid von Liechtenstein leitet die private Bankengruppe LGT und ist CEO des Luxusmöbelproduzenten Crown Designs. Die Zeit, die man am Gardasee verbringen könne, sei gering. Daher habe sich das Paar schweren Herzens entschlossen, sich vom Traumschloss zu trennen. „Wir haben hier wunderbare Erinnerungen, aber heute sind wir kaum noch vor Ort. Das Anwesen ist für uns zu groß geworden“, erklärte der Prinz.

Der Verkauf erfolge ohne Zeitdruck. Vermarktet wird die Immobilie von der Schweizer Immobilienagentur Whisper Auctions, die auf ihrer Website beeindruckende Innen- und Außenaufnahmen des Anwesens zeigt. Offizielle Angaben zum Kaufpreis gibt es nicht, doch Insider schätzen ihn auf rund 30 Millionen Euro. Der Markt für Schlösser, historische Villen und Anwesen ist eine Nische; nur wenige Makler sind auf solche exklusiven Transaktionen spezialisiert.

Wedding of Marie Caroline of Liechtenstein and Leopoldo Maduro Vollmer Photo: Albert Nieboer / Netherlands OUT / Point de Vue OUT
Der Liechtensteiner Prinz Alexander (hier rechts außen bei der Hochzeit von Liechtensteins Prinzessin Marie Caroline) verkauft sein Schloss am Gardasee.© picture alliance / Royal Press Europe | Albert Nieboer

Gardasee-Traum: Liechtensteins Royals kauften Villa vor 30 Jahren

So ein Schloss verkauft sich natürlich nicht nur über den gegenwärtigen Luxus, sondern auch über seine Vergangenheit. Die Geschichte des Schlosses reicht weit zurück: Erste Siedlungsspuren lassen sich bis in die Römerzeit zurückverfolgen, während der heutige Gebäudekomplex im 11. Jahrhundert entstand. Über viele Jahrhunderte war er Sitz verschiedener religiöser Gemeinschaften, darunter Benediktinermönche. Eine Kirche auf dem Anwesen wurde 1503 eingeweiht.

Ursprünglich handelte es sich um eine mittelalterliche Befestigungsanlage, die Teil eines Netzes von Burgen und Wachtposten war, zu denen auch das nahegelegene Schloss Incaffi gehörte. Die Anlage diente sowohl der Verteidigung als auch der Machtsicherung lokaler Feudalherren, so ist nachzulesen. Im Laufe der Jahrhunderte verlor die Burg jedoch ihre militärische Bedeutung und wurde schrittweise zu einem herrschaftlichen Wohnsitz umgebaut. Während der Renaissance und der frühen Neuzeit traten die Wehranlagen in den Hintergrund, Wohngebäude, Gärten und landwirtschaftliche Flächen entstanden. So entwickelte sich die Burg zu einer Villa mit Gutshof, die heute gern als Villa Sant‘Andrea bezeichnet wird.

Auch interessant

Adelsleute waren die, die das Anwesen bewohnten und landwirtschaftlich nutzten, insbesondere für Wein- und Olivenanbau. Auch im 19. Jahrhundert, nach dem Übergang an das Königreich Italien, behielt die Villa ihren aristokratischen Charakter. Vor rund 30 Jahren erwarb Theodor Kohl, Vater von Astrid Kohl, das Anwesen. Die Unternehmerfamilie stammt ursprünglich aus Regensburg. Dort wurde Astrid Kohl 1968 geboren und heiratete 2003 Prinz Alexander, dessen Großvater regierender Fürst von Liechtenstein war.