„La gran ćiasa“, das große Haus – so wird Schloss Colz im Herzen der Südtiroler Gemeinde Abtei von den ladinischen Einheimischen genannt. Der gotische Bau mit vier Türmen, Schießscharten und Ringmauer aus dem 16. Jahrhundert gilt als eines der Juwelen der Dolomiten. Heute steht das denkmalgeschützte Schloss zum Verkauf – und zwar zu einem Preis, der laut Maklern bei weitem nicht dem Marktpreis entspreche.

Angeboten wird das Anwesen auf Sotheby's Webseite als „zeitloses Schloss im Herzen der Dolomiten“ für stolze 20 Millionen. Die Aufregung in der ladinischen Gemeinde ist groß, die Sorge um den „Ausverkauf der Südtiroler Heimat“ wächst unter Lokalpolitikern und Bürgern.

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Schloss Colz: Erben lehnten Millionen-Schätzung ab

Das Schloss wurde 1537 fertiggestellt: ein gotischer Bau mit vier Türmen, zwei eckigen und zwei runden sowie Schießscharten, Gussöffnungen und einer Ringmauer. Ende des 16. Jahrhunderts ging das Gebäude an die Herren von Colz über, denen es seinen aktuellen Namen verdankt. Mitte des 18. Jahrhunderts verfiel das Schloss zusehends. Im Laufe der Zeit erlangte es verschiedene Funktionen, wurde zwischenzeitlich als Armenhaus genutzt und ging schließlich in bäuerlichen Besitz über. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten thront das Gebäude nun wieder massig auf dem Dolomitfelsen.

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Das Ciastel Colz in Stern.© picture alliance / Artcolor | Artcolor

Zuletzt diente es als Luxushotel mit acht Suiten. 1968 hatten Otto Pizzinini und dessen Ehefrau Waltraud Wieser, die Besitzer des renommierten Sporthotels „Teresa“ in Abtei, Schloss Colz erworben. Behutsam ließen sie es restaurieren und machten es auch ladinischen Vereinen und der Öffentlichkeit zugänglich. Otto Pizzinini verstarb 1993, seine Witwe im Jahr 2018. Das Erbe des kinderlos gebliebenen Ehepaares traten vier Neffen an. Bereits 2019 boten diese der Gemeinde Abtei das Schloss zum Kauf an, lehnten aber die öffentliche Schätzung in Höhe von rund drei Millionen Euro als zu niedrig ab.

Südtirol: Grüne wollen Schloss für die Öffentlichkeit nutzen

Seit sechs Jahren steht Schloss Colz nun ungenutzt und leer da. Das Schloss steht unter Denkmalschutz, die Gemeinde hätte noch immer ein Vorverkaufsrecht. Aber der jetzige Kaufpreis ist zu hoch: Wie kann eine Gemeinde eine Investition von 20 Millionen Euro für ein Schloss rechtfertigen?

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„Das historische Erbe der Ladiner wird wohl in der Hand irgendeines Investitionsfonds oder eines superreichen Menschen landen“, klagt Elide Mussner, Co-Sprecherin der Grünen und Gemeinderätin in Abtei in einer Pressemitteilung. Sie kritisiere aber nicht die Eigentümer, sondern das System, „das keine soziale Nachhaltigkeit mehr kennt.“ Mussner ruft Land und Gemeinden auf, aktiv zu werden. „Vielleicht könnte man aus dem Schloss einen öffentlich zugänglichen Raum machen, der Kultur, Kunst und Begegnung fördert“, meint sie. Ein Haus für die Ladinerinnen und Ladiner. „Das wäre eine Investition in die soziale Nachhaltigkeit“, meint Mussner.

Essen & Trinken: Südtiroler Küche - Schloss Colz
Innenaufnahme der Küche des Restaurants von Schloss Colz in Stern/La Ila. In dem Schloss aus dem Jahr 1537 residierten früher die Herren von Colz. Heute können in vier Suiten bis zu acht Hausgäste logieren. Undatiert.© picture-alliance/ dpa | Udo Bernhart

Bürgermeister Christian Pedevilla sagte der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“, dass die drei Erben das Schloss in eine Gesellschaft eingebracht hätten. Ihre Preisvorstellung liege außerhalb der Möglichkeiten der öffentlichen Hand. Zuletzt landeten neben dem Anwesen öfter Helikopter. Gäste schauten sich um und flogen wieder davon. Diskret laufen angeblich Gespräche auf lokaler Ebene, auch mit einheimischen Hoteliers. Ob ein „Ausverkauf“ abgewendet werden kann, ist fraglich.