Mit „weihnachtlichem Lichterglanz“ und dem „Duft von Lebkuchen und Tannennadeln in der Luft“ wirbt das Stadtmarketing im niedersächsischen Städtchen Otterndorf (7500 Einwohner, Landkreis Cuxhaven) für den jährlich am dritten Advent stattfindenden „Sternenmarkt“. Der kleine, aber liebevoll gestaltete Weihnachtsmarkt im historischen Zentrum ist in der Region bekannt und zieht hunderte Besucher an. Auch am vergangenen Wochenende (12. bis 14. Dezember) war es nicht anders. Doch vorweihnachtliche Atmosphäre sollte diesmal nicht aufkommen. Der Grund: volksverhetzende, rechtsextreme Musik, die über eine Musikanlage abgespielt wurde und über den Weihnachtsmarkt schallte.

Mittlerweile sind die Ermittler einem Verdächtigen auf die Spur gekommen. Ein 40-Jähriger soll die verbotenen Lieder über die offiziellen Boxen abgespielt haben, wie die Polizei mitteilte. Ein sichergestellter USB-Stick mit der Musik führte zu dem Mann aus dem Landkreis Stade.

In den sozialen Medien hatten sich in Windeseile Videos verbreitet, in denen Besucher mit Glühwein an den Buden stehen und im Hintergrund menschenverachtende Musik zu hören ist. Unter anderem ertönte der Song „An der Nordseeküste“ des Duos Klaus & Klaus mit der umgetexteten Songzeile „An der Nordseeküste, am arischen Strand“. Laut Polizei wurden auch Stücke der Neonazi-Band „Landser“ verbreitet, die 2003 aufgelöst und vom Berliner Kammergericht zur „kriminellen Vereinigung“ erklärt worden war.

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Nazi-Musik auf Weihnachtsmarkt in Otterndorf

Die Polizei prüft derzeit, wie es zu den Vorfällen kommen konnte. Wie ein Sprecher erklärte, sei es „nicht so, dass die Musik aus irgendeiner Bluetooth-Box oder auf einem Handy lief“. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden rechtsextreme Songs nicht nur am Freitag (12. Dezember), sondern auch an den beiden darauffolgenden Tagen abgespielt. Die Stadt hatte einen Dienstleister beauftragt, die Musik für den Weihnachtsmarkt zu übernehmen. Am Sonntagvormittag habe die Polizei die Musikanlage abgebaut, hieß es weiter.

Wie Stadtdirektor Frank Thielebeule der „Bild“-Zeitung gesagt hatte, sei nicht auszuschließen, dass Unbekannte die Lautsprecher über Funk gekapert haben könnten. Der Staatsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung und wegen Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz. Der reine Besitz der Musik sei nicht verboten, erklärte der Polizeisprecher. Es sei allerdings nicht erlaubt, die rechtsradikalen und jugendgefährdenden Lieder öffentlich zu spielen.

Thielebeule sprach von einem „Desaster“ für Otterndorf. „Wir haben hier seit vielen Jahren einen erfolgreichen und friedlichen Weihnachtsmarkt und stehen nun mit so einer Geschichte in der Presse“, sagte er der „Bild“. Die Gemeinde Otterndorf reagierte mit einer Stellungnahme: „Wir distanzieren uns ausdrücklich von jeglicher Form von Extremismus. Die Wiedergabe wurde umgehend unterbunden. Der Vorfall wurde bei den zuständigen Behörden angezeigt und befindet sich in der Aufklärung.“

tok