Am 1. November ereignete sich in Südtirol wohl einer der tragischsten Bergunfälle in diesem Jahr: Bei einem Lawinenunglück im Ortlergebiet kamen fünf Menschen ums Leben. Zwei Frauen und drei Männer aus Bayern, darunter ein Vater und seine 17-jährige Tochter, starben in rund 3200 Metern Höhe. Die Lawinengefahr galt an diesem Tag als nicht besonders hoch.

Die Berge, ihre Gletscher und der Schnee werden infolge des Klimawandels zunehmend fragil, unberechenbar und instabil. Wie viele in den nächsten Jahrzehnten schmelzen könnten, hat ein Forscherteam der ETH Zürich ausgerechnet. Und sie kommen zu diesem niederschmetternden Ergebnis: Je nach Klimaszenario könnten zwischen den Jahren 2041 und 2055 jährlich zwischen 2000 und 4000 Gletscher verschwinden, schreibt das internationale Forschungsteam in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“.

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Italiens Alpen: Gefährliche Felsstürze häufen sich

Exemplarisch dafür sind die italienischen Alpen: Bereits heutzutage häufen sich Warnsignale wie Lawinen, Felsstürze, Murgänge und Erdrutsche in hochalpinen Lagen. Gleichzeitig nehmen extreme Wetterereignisse in den Alpenregionen weiter zu. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die Klimakrise, die sowohl das Abschmelzen der Alpengletscher als auch intensive Niederschläge in großen Höhen vorantreibt. Das geht aus dem sechsten Bericht der „Carovana dei ghiacciai“ („Gletscherkarawane“) des Umweltschutzverbands Legambiente hervor.

Der Report mit dem Titel „Alpengletscher und extreme Ereignisse in einem sich wandelnden Klima“ entstand in Zusammenarbeit mit der Italienischen Glaziologischen Stiftung und weiteren Partnern. Demnach wurden von Januar bis Dezember2025 40 gravierende Ereignisse wie Felsstürze oder Murgänge im Alpenbogen dokumentiert, die meisten davon im Sommer. Besonders betroffen sind die norditalienischen Regionen Venetien mit 17 sowie das Aostatal an der Grenze zu Frankreich mit 12 Ereignissen.

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Erhebungen zeigen 671 Erdrutsche in sieben Jahren

Auch langfristige Daten zeigen eine deutliche Zuspitzung der Lage: Zwischen 2018 und 2025 wurden in den sieben Alpenregionen Italiens insgesamt 671 größere Erdrutsche registriert. Zugenommen haben auch extreme Wetterereignisse. Das Observatorium „Città Clima“ meldet für den Zeitraum von Januar bis Ende November 2025 insgesamt 154 solcher Ereignisse in den Alpenregionen – mehr als die 146 Fälle im Vorjahr. Am häufigsten traten Überschwemmungen durch Starkregen (52), Sturmschäden (27) und Flussüberschwemmungen (25) auf. Am stärksten betroffen war die Lombardei mit 50 Vorfällen, gefolgt von Venetien (32), Piemont (28) und Ligurien (27).

Eine Studie der Universitäten Lausanne und Padua deutet darauf hin, dass ein regionaler Temperaturanstieg um zwei Grad Celsius die Häufigkeit extremer Ereignisse verdoppeln könnte. Zudem verweist der Bericht auf den dramatischen Rückgang der Gletscher: In den vergangenen 60 Jahren ist die Gletscherfläche in den italienischen Alpen um mehr als 170 Quadratkilometer geschrumpft. Bis zum Jahr 2050 drohen die Alpengletscher unterhalb von 3500 Metern vollständig zu verschwinden.

Vom 17. August bis 2. September 2025 dokumentierte die Gletscherkarawane den Zustand von acht Gletschern, die entweder als Extrembeispiele gelten oder aus wissenschaftlicher Sicht besonders relevant sind. Die Reise begann mit einem Flashmob am Adamello, dem größten Gletscher Italiens, und führte weiter zum größten Gletscher der Alpen, dem Aletschgletscher auf der Südabdachung der Berner Alpen im Schweizer Kanton Wallis. Dort hoben Expertinnen und Experten das erfolgreiche Risikomanagement beim Erdrutsch hervor, der das nahegelegene Dorf Blatten verschüttete.

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Italien: Gletscher in der Lombardei ist nicht mehr messbar

Der Ventina-Gletscher in der Lombardei ist inzwischen so stark zurückgegangen, dass er nicht mehr als Gletscher messbar ist. Der Suldenferner in der Ortler-Cevedale-Gruppe in Südtirol hingegen wird durch zunehmende Schuttbedeckung immer dunkler. Insgesamt zeigt sich, dass neben der Gletscherschmelze vor allem der Rückgang des Permafrosts und die damit verbundene Instabilität der Berge zu den größten Gefahren zählen. Vanda Bonardo, Verantwortliche von Legambiente Alpi, fordert daher: „Es braucht ein einheitliches Monitoring der Gletscher auf europäischer Ebene. Nur wenn wir verstehen, was mit unserem Planeten geschieht, können wir geeignete Maßnahmen ergreifen.“

Um die Degradation des Permafrosts und die Instabilität hochalpiner Infrastrukturen zu untersuchen sowie Maßnahmen zur Risikominderung zu entwickeln, wurde im vergangenen Jahr das Projekt FROST.INI gestartet. Mit der Installation von zwei neuen, jeweils 20 Meter tiefen Permafrost-Bohrsäulen auf dem Großglockner – mit 3798 Metern Österreichs höchstem Berg – wurde nun ein wichtiger Meilenstein erreicht.

Die Bohrsäulen befinden sich in 3450 Metern Höhe nahe der Erzherzog-Johann-Hütte und zählen zu den dritthöchsten Anlagen dieser Art am gesamten Alpenhauptkamm. Die gewonnenen Daten zur Fels- und Böschungsstabilität sollen künftig eine präzisere Einschätzung des klimabedingten Auftauens des Permafrostbodens ermöglichen und helfen, Gefahren wie Steinschläge, Felsstürze und Schäden an Bauwerken frühzeitig zu erkennen.