Tilly Norwood ist eine brünette Schönheit mit grünen Augen, die in Hollywood Karriere machen will – zumindest scheint es so. In Wahrheit ist Tilly jedoch kein Mensch, sondern eine KI-generierte Figur. Erschaffen wurde sie von der Niederländerin Eline Van der Velden (39) in der Londoner Produktionsfirma Particle6. Derzeit sorgt Tilly in Hollywood für ordentlich Gesprächsstoff – nicht jeder ist begeistert von ihr. Doch was genau steckt hinter dieser künstlichen Schauspielerin?
Von der Clubtoilette zur KI-Idee: So entstand Tilly Norwood
Wie so oft entstehen die besten Ideen an ungewöhnlichen Orten – auch das Leben von Van der Velden veränderte sich durch einen kurzen Moment auf der Damentoilette eines Londoner Clubs. Dort kam ihr die Idee zu Tilly. Wieder zu Hause wurde ihr bewusst: Sie würde den ersten KI-Filmstar erschaffen. Dem „Wall Street Journal“ beschreibt sie ihre ursprüngliche Vision so: „Eine atemberaubende Berühmtheit mit globaler Ausstrahlung. Symmetrische Gesichtszüge, klare, leuchtende Haut, faszinierende grüne Augen und langes Haar.“
Die ersten Entwürfe enttäuschten die ehemalige Schauspielerin jedoch. Mal waren Tillys Zähne zu schief, mal wirkte sie wie eine 14-Jährige, ein weiteres Mal erinnerten ihre Wimpern an die eines Lamas. „Ich bin in dieser Welt aufgewachsen“, sagt Van der Velden dem „Wall Street Journal“. Als Ex-Schauspielerin, die ihre frühen 20er damit verbrachte, in Hollywood Fuß zu fassen, wisse sie genau, „welche Art von Mädchen sie casten würden“.
Tilly sorgt nach Social-Media-Debüt für Wirbel in Hollywood
Sechs Monate und rund 2000 Entwürfe später fand Van der Velden – unterstützt von einem Team aus 15 Personen – schließlich ihre perfekte Tilly. „Das war der magische Moment“, sagt sie. Die finale Version der KI-Schauspielerin lässt sich am ehesten als natürlich schön beschreiben. Einer klaren ethnischen Zuordnung entzieht sich die künstlich generierte Frau.
Auf Norwoods Instagram-Profil können ihre rund 68.000 Follower ein komplett erfundenes Leben mitverfolgen: Dort sieht man die KI-Schauspielerin etwa entspannt in einem Café sitzen, im Park für Fotos posieren oder beim Einkaufen durch Boutiquen schlendern. Die Kommentarfunktion ist deaktiviert – ihre Follower können die Beiträge lediglich liken oder teilen.
Nachdem Tilly im Sommer 2025 auf Social Media vorgestellt wurde, ging die Figur schnell viral – allerdings anders, als ihre Schöpferin es gehofft hatte. Hollywood-Schauspieler, Regisseure, Produzenten und Gewerkschaften wetterten gegen sie – oder „es“, wie manche spöttisch sagten. Sie warfen der KI-Darstellerin vor, die Existenzgrundlage realer Schauspieler und Filmcrews zu gefährden und zugleich die Kunst des Kinos zu untergraben.
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Prominente Regisseure und Schauspieler üben scharfe Kritik
James Cameron, Regisseur von „Avatar“, bezeichnete Tilly als „erschreckend“. Guillermo del Toro, Regisseur von „Frankenstein“, erklärte, er würde „lieber sterben“, als einen Film mit KI zu drehen. George Clooney glaubt, dass KI-Schauspieler wie Tilly es in Hollywood schwer haben werden. Schauspielerin Emily Blunt soll beim Anblick der KI-Figur sogar erblasst sein, wie das „Wall Street Journal“ berichtet. Ihr Kommentar: „Meine Güte. Wir sind am Ende.“
Van der Velden zeigt sich von der Kritik jedoch unbeeindruckt. Sie wolle reale Schauspielerinnen keineswegs ersetzen – im Gegenteil: Sie hofft auf „eine neue kreative Renaissance“ für Filmemacher. Zudem glaubt sie, dass ein mit KI gedrehter Film nur einen Bruchteil dessen kosten könnte, was herkömmliche Produktionen verschlingen, die häufig die 100-Millionen-Dollar-Marke überschreiten. Ob KI tatsächlich Kosten spart, ist allerdings unklar – die Technologie ist derzeit noch sehr teuer. Hollywood steht dem Einsatz von KI zwar für technische Produktionsaufgaben offen gegenüber, nicht jedoch für kreative Kernfunktionen.
Schöpferin erhält Millionenbudgets für KI-Tilly
Hinter den Kulissen fällt die Resonanz jedoch positiver aus, wie Van der Velden berichtet. In den vergangenen Wochen hat sie rund 60 Vereinbarungen für Hybridfilme (mit echten Schauspielern), reine KI-Produktionen und speziell Tilly-bezogene Projekte unterschrieben – die meisten mit Budgets zwischen 10 und 50 Millionen Dollar. Die Entwicklung von Tilly finanzierte sie selbst und investierte dafür über 60.000 Dollar. Nun bleibt nur noch abzuwarten, wann Tilly Norwood erstmals auf der großen Leinwand zu sehen sein wird.
lcz



