Die Pest, eine der verheerendsten Pandemien der Menschheitsgeschichte, sorgte insbesondere im 14. Jahrhundert für tiefgreifende demografische und gesellschaftliche Einschnitte. Im Rahmen einer aktuellen Studie ist es Forschern nun gelungen, den Ursprung dieser historischen Katastrophe nachzuzeichnen. Im Fokus steht dabei ein Vulkanausbruch, der dem Schwarzen Tod den Weg geebnet haben könnte.

Der Schwarze Tod: Pandemie tötet ein Drittel der Bevölkerung

Die Pest sorgte im Europa des 14. Jahrhunderts für eine nie dagewesene Katastrophe. Rund 25 Millionen Menschen starben damals – in etwa so viele Menschen, wie heute in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland leben.

Als Auslöser der verheerenden Infektionskrankheit gilt das Bakterium „Yersinia pestis“, dessen Ursprung nach heutigem Forschungsstand in Zentralasien liegt. Der aus wildlebenden Nagetierpopulationen dieser Region hervorgegangene Erreger verbreitete sich über Rattenflöhe bis nach Europa, beschreibt Studienkoautor Martin Bauch, Historiker mit Schwerpunkt auf mittelalterlicher Klimageschichte und Epidemiologie am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur Osteuropas, den Weg der Pandemie.

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Begünstigt wurde die Ausbreitung durch Getreideimporte, die nach mehreren Jahren schlechter Ernten in vielen Regionen Mitteleuropas unverzichtbar geworden waren. Zuvor hatten ausgeprägte klimatische Schwankungen zu massiven Ernteausfällen geführt, sodass die rasch wachsende europäische Bevölkerung nicht mehr ausreichend versorgt werden konnte. Der Pesterreger traf daher auf eine bereits geschwächte, teilweise unterernährte und damit besonders anfällige Bevölkerung.

Naturkatastrophe war für die Pest verantwortlich

In der Studie führt Autor Martin Bauch aus, dass die größten Hungersnöte unmittelbar vor dem Ausbruch der Pest im 14. Jahrhundert aufgetreten seien. Erst durch die Zusammenarbeit mit Ulf Büntgen, Professor für Umweltsystemanalyse an der Universität Cambridge, eröffnete sich ein neuer analytischer Zugang zur Erforschung der Pestpandemie.

Die Grundlage dieses Forschungsansatzes bilden dendrochronologische Daten: Baumringe reagieren sensibel auf Umweltbedingungen: Unter günstigen Wachstumsverhältnissen fallen sie breiter aus und weisen eine höhere Dichte auf. Klimatische Veränderungen lassen sich daher anhand der Holzstrukturen präzise rekonstruieren. Nach der Auswertung von Tausenden Baumproben konnten die beiden Wissenschaftler nachweisen, dass die Jahre schwerer Hungersnöte mit einer Phase klimatischer Abkühlung zusammenfielen.

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Wie in der Studie ausgeführt wird, analysierte Büntgen zudem historische Eiskerndaten, die während dieser Abkühlungsphase deutliche Schwefelspitzen aufwiesen. Solche Anstiege sind typischerweise das Resultat großer, schwefelreicher Vulkanausbrüche. Auf dieser Grundlage vermuten die Autoren, dass um das Jahr 1345, etwa zwei Jahre vor Ausbruch der Pandemie, ein einzelner Vulkan oder eine Gruppe von Vulkanen in unbekannter Lage, vermutlich in den Tropen, ausgebrochen waren.

Der dadurch freigesetzte Aschedunst hätte über mehrere Jahre hinweg die Sonneneinstrahlung im Mittelmeerraum teilweise abgeschirmt und so einen spürbaren Temperaturabfall ausgelöst, der wiederum zu massiven Ernteausfällen führte. Dadurch wurde der Import von Getreide nötig, durch den die Pest schließlich nach Europa gelangte.