• Einen 100 Quadratmeter großen, historischen Gewölbekeller haben Archäologinnen und Archäologen im Kreis Paderborn freigelegt.
  • Die Entdeckung wirft einige Fragen auf: Wozu gehörten die Kellerräume und was war sein Zweck?
  • Die ersten Auswertungen laufen: Welche Forschungsansätze nach dem Fund verfolgt werden.

Archäologen und Archäologinnen haben in der Kleinstadt Lichtenau (Kreis Paderborn) einen spannenden Fund gemacht. Erstmals konnte ein vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) begleitetes Ausgrabungsteam Teile der 1321 gegründeten Altstadt untersuchen. Dabei wurde ein historischer Keller mit über 100 Quadratmetern Grundfläche freigelegt. Das teilte der LWL am Freitag (5. Dezember) mit.

Archäologischer Fund liefert Hinweise: Wie sahen Häuser in NRW im Mittelalter aus?

Rund um den Fund ergeben sich mehrere Möglichkeiten, wozu die Kellerräume einst gehörten. Bereits bei der Stadtgründung im Jahr 1321 war die Lange Straße, von der aus die Kellerstruktur südlich gefunden wurde, die Hauptverkehrsachse von Lichtenau. Daher waren die Flächen auf beiden Seiten der Straße schon früh bebaut. Sogar das Grundstück der Burg Lichtenau zieht sich bis an diese Verkehrsader. Sowohl die Burg als auch die Pfarrkirche stammen aus der Frühzeit des Ortes. Wenige Meter östlich der Burg und einer Scheune liegt der neu entdeckte Keller.

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Wie sahen die Häuser der Bürger im Mittelalter aus? Wie entwickelte sich die Architektur im Laufe der Jahrhunderte? Solche Fragen ließen sich meist nur durch Überreste im Boden und archäologische Ausgrabungen klären, heißt es vom LWL. Die Maße der Räumlichkeiten deuten auf ein einst stattliches Gebäude hin. Wahrscheinlich reichte es bis zur Straße. Darauf weist ein Kellerzugang hin, der unter ein heute bestehendes Haus führte.

Ausgrabung in Lichtenau
An der Südseite des Kellers sind links und rechts noch die Ansätze der Gewölbedecke, Teile der ehemaligen Zwischenwand sowie einer der beiden Lichtschächte zu sehen.© LWL-Archäologie für Westfalen | EggensteinExca/Max Diebold

Nach Fund bei Grabungen: Wie kam Licht in die Kellerräume?

Seitlich des Eingangs in den Keller ist eine kleine Nische, in der eine Lampe abgestellt werden konnte, um den Keller zu erhellen. An der Südseite sind zudem zwei Lichtschächte. Ursprünglich hatte der Keller gemauerte Gewölbedecken. Auf den Seitenwänden und einer Zwischenmauer lagen zwei halbzylindrische Gewölbe auf. Das teilte den Raum in zwei Hälften.

Ausgrabung in Lichtenau
Archäologische Ausgrabungen: Die Nische für Lampen hat sich laut LWL gut erhalten.© LWL-Archäologie für Westfalen | EggensteinExca/Max Diebold

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Das Fundament und die runde Mauer einer Wendeltreppe zeigen den direkten Zugang vom Erd- in das Untergeschoss. Das könnte einen Hinweis auf das Alter geben: Vergleichbare Treppen, etwa aus gehobenen Paderborner Stadthäusern, werden ins 16. Jahrhundert datiert. Ein zugemauerter Türbogen führte möglicherweise in einen weiteren Kellerraum, der sich nicht erhalten hat. Lesen Sie auch: Riskante Ausgrabung enthüllt bedeutenden römischen Schatz

Ausgrabung in Lichtenau
Dieser Zugang zu einem nicht erhaltenen Kellerraum wurde im Laufe der Zeit zugemauert.© LWL-Archäologie für Westfalen | EggensteinExca/Max Diebold

Theorien der Archäologen: Wozu diente der Keller einst?

Für Sven Spiong, den Leiter der Bielefelder LWL-Archäologie für Westfalen, ergeben sich einige Fragen: Hatte hier ein reicher Bürger an der Hauptstraße, die von Paderborn bis nach Warburg verläuft, seinen repräsentativen Wohnsitz, wo er in den Kellerräumen Vorräte und andere Güter lagerte? Oder steht das Gebäude mit der westlich angrenzenden Zehntscheune in Verbindung? Dieses Lagerhaus, in dem steuerliche Abgaben aufbewahrt wurden, liegt im Schatten der Burg Lichtenau.

Die Auswertung der Ergebnisse steht noch ganz am Anfang. Wie alt der Keller ist und wie er im Laufe der Zeit umgebaut wurde, ist ebenfalls noch unklar. Der untere Teil des Kellers bleibt für zukünftige Forschungen unter dem Neubau eines Mehrfamilienhauses erhalten. Lesen Sie auch: Ausgrabung enthüllt „Sensation“: Einzigartiges Römer-Grab