- Im radioaktiv verseuchten Tschernobyl sind Pilze entdeckt worden, die sich von Strahlung ernähren
- Die Eigenschaften dieser „radiotropen“ Pilze werden inzwischen auch im Weltall getestet
- Forscher wollen einen natürlichen Schutzschild für Astronauten entwickeln
1986 ereignete sich in Tschernobyl die schlimmste Nuklearkatastrophe der Geschichte. Nach einer Explosion im Reaktor 4 des Atomkraftwerks wurde ein ganzer Landstrich verstrahlt, Hunderttausende mussten fliehen. Auf Jahrzehnte blieb die Region für Menschen lebensgefährlich.
Doch während der Mensch ferngehalten wurde, breitete sich eine andere Lebensform in den Ruinen aus: Schimmelpilze. Entdeckt wurden diese „radiotropen“ Pilze schon 1997 von der Biologin Nelli Zhdanova, die in den Ruinen des explodierten Reaktors schwarze Pilzfäden an Decken und Wänden fand. Anders als viele Lebewesen scheinen die Pilze nicht geschwächt, sondern eher gestärkt durch die Strahlung: Ihr Wachstum wird durch die radioaktive Umgebung sogar noch beschleunigt, wie spätere Studien zeigten. Wie ist das zu erklären?
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Vom Reaktor in den Weltraum: Schimmelpilze als Hoffnungsträger
Wie die BBC berichtet, richten sich die Pilzhyphen aktiv in Richtung radioaktiver Quellen. Das Verhalten wird von Forschern „Radiotropismus“ genannt. Ihr Erfolg in der lebensfeindlichen Umgebung von Tschernobyl verdanken sie dem Farbstoff Melanin, der in ihren Zellwänden eingelagert ist. Melanin schützt nicht nur gegen ultraviolette Strahlung wie bei menschlicher Haut, sondern wirkt offenbar auch gegen härtere, ionisierende Strahlung.
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Die Entdeckung dieser außergewöhnlichen Pilze in Tschernobyl sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Wissenschaftler fragen sich: Wenn Schimmelpilze in einer verstrahlten Umgebung überleben, könnten ihre besonderen Eigenschaften vielleicht auch für den Menschen nützlich sein – vor allem dort, wo gefährliche Strahlung ein Problem ist.
Genau das wird inzwischen im All getestet. Die Nasa schickte Proben der schwarzen Melanin-Pilze aus Tschernobyl zur Internationalen Raumstation ISS. Dort wuchsen sie sogar schneller als auf der Erde und versuchten, die Strahlung abzufangen. Daraus ergeben sich neue Hoffnungen für die Forschung: Vielleicht könnten Pilze wie diese eines Tages als natürliche Schutzschilde für Astronauten dienen und sie bei Missionen zum Mond oder Mars vor gefährlicher Strahlung schützen.
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Radioaktive Pilze: Hoffnung für die Sanierung verseuchter Böden
Nicht nur für den Weltraum könnte dieses biologische Abwehrsystem revolutionär sein. Auch für verstrahlte Gebiete wie Tschernobyl selbst oder andere Orte, die von Atomunfällen betroffen sind, bieten die Pilze neue Ansätze. Ihre Fähigkeit, radioaktive Strahlung zu „neutralisieren“ und sogar als Lebensgrundlage zu nutzen, könnte helfen, kontaminierte Böden zu sanieren oder zumindest ihre Gefährlichkeit zu verringern.

Spannend bleibt dabei der genaue Mechanismus dahinter. Noch wissen Forscher laut BBC nicht endgültig, wie Melanin in den Pilzen die Strahlungsenergie für Wachstum und Schutz nutzbar macht. Sicher ist aber, dass nicht alle schwarzen Pilze diesen Effekt zeigen – und wie viel Energie die Mikroorganismen tatsächlich aus der Strahlung gewinnen, ist noch Gegenstand weiterer Forschung.
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Pilzbasierte Bauteile könnten Strahlenschutz im All bieten
Die aktuellen Forschungsergebnisse wecken weltweit Interesse. Sowohl Wissenschaftler als auch Raumfahrtagenturen erforschen nun wie „Myko-Architektur“ – also Bauteilen auf Pilzbasis, die gleichzeitig als Strahlenschutz dienen könnten. Solche Schilde wären nicht nur leicht und erneuerbar, sondern könnten auf Mars, Mond oder Raumstationen sogar direkt vor Ort nachwachsen.





