Katzen sind – wenn man so will – eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Bereits die Alten Ägypter verehrten die talentierten Mäusefänger als heilige Tiere. Und auch im heutigen Deutschland erfreuen sie sich einer ungebrochenen Beliebtheit: Laut einer Erhebung des Zentralverbands der Heimtierbranche lebten 2024 hier rund 15,9 Millionen Katzen – rund fünf Millionen mehr als Hunde. Dabei ist die einfache Hauskatze in Europa nicht so tief verwurzelt, wie Forscher lange angenommen haben, zeigt ein internationales Forschungsteam in einer neuen Studie.
Demnach fanden domestizierte Katzen erst vor rund 2000 Jahren ihren Weg aus Nordafrika nach Europa. Das ist das Ergebnis einer Genanalyse von 225 Katzen aus knapp 100 archäologischen Fundstätten in Europa und Anatolien, dem asiatischen Teil der heutigen Türkei. Laut den Forschern widerlegt die Studie damit vorherige Annahmen, wonach Katzen vor 6000 bis 7000 Jahren mit Kleinbauern aus Vorderasien nach Europa kamen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Science“.
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Hauskatzen stammen von nordafrikanischer Wildkatze ab
Ausgerechnet Seefahrer sollen die wasserscheuen Tiere in Europa eingeführt haben, vermuten die Studienautoren. Sie bestimmten zwei genetisch klar getrennte Populationen aus Nordafrika. Eine davon gelangte nach Sardinien und bildet die Grundlage der dort bis heute vorkommenden Wildkatzen. Die andere breitete sich in der Römerzeit auf dem europäischen Festland aus und spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung des heutigen Hauskatzen-Genpools.
Die ältesten der untersuchten Proben waren etwa 11.000 Jahre alt. Sie halfen dem Forschungsteam 87 Genome von alten und heutigen Katzen zu generieren. Bereits in früheren Studien konnte nachgewiesen werden, dass die gemeine Hauskatze (Felis domestica) ursprünglich von der nordafrikanischen Wildkatze (Felis lybica lybica) abstammt.
Menschen lockten Katzen durch Abfälle und Mäuse an
Archäologische Funde zeigen, dass Katzen bereits vor nahezu 10.000 Jahren die Nähe des Menschen suchten. Dennoch war ihre Evolution zu domestizierten Haustieren in vielen Punkten rätselhaft – etwa, wo genau dieser Prozess begann, wann er einsetzte und unter welchen Bedingungen sich Katzen über verschiedene Regionen ausbreiteten. Das liegt auch daran, dass archäologische Katzenfunde selten sind und Knochenreste häufig nur schwer eindeutig der Wild- oder Hauskatze zugeordnet werden können, schreiben die Forscher.
„Die nordafrikanischen Wildkatzen haben sich aufgrund des reichhaltigen Angebots an Ratten und Mäusen oder Fischereiabfällen wohl dauerhaft in getreideanbauenden Siedlungen beziehungsweise in Hafenvierteln aufgehalten und sich so an die Nähe des Menschen gewöhnt“, zitiert eine Pressemitteilung den Co-Autoren Professor Joris Peters, Leiter der Staatssammlung für Paläoanatomie München. Die Forscher wollen Peters zufolge in Zukunft stärker die Frühphase der Katzenhaltung in Nordafrika untersuchen. Konkret: Wann begann sie und aus welchen Gründen?
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Wenn es um das Alter der gemeinsamen Geschichte geht, haben Hunde die Schnauze vorne. Der älteste Beweis stammt aus Bonn-Oberkassel, wo Archäologen ein etwa 14.000 Jahre altes Grab mit zwei Menschen und einem Hund freilegten. Der älteste Hinweis für das Zusammenleben mit Hauskatzen wurde in Zypern gefunden, wo vor rund 9500 Jahren ein Kätzchen neben einem Menschen begraben wurde.
Die Anfänge des Zusammenlebens zwischen Menschen und Hunden reichen in die Altsteinzeit zurück, wo sich Wölfe menschlichen Gruppen annäherten. Vermutlich profitierten beide Seiten: Wölfe fanden am Rand von Lagerplätzen Nahrung in Form von Abfällen, während Menschen von den scharfen Sinnen der Tiere bei der Jagd und der Warnung vor Gefahren unterstützt wurden. Über viele Generationen wurden die zutraulichsten Wölfe geduldet, später gezielt bevorzugt – ein Prozess, der zur allmählichen Domestikation und schließlich zur Entstehung des Hundes führte.
Katzen wurden hingegen vor allem als Jäger von Nagetieren in der Nähe der Menschen geduldet. Sie bewahren sich bis heute eine größere Unabhängigkeit als Hunde, sind jedoch über die Jahrtausende zutraulich geworden.





