An der Küste von British Columbia, einer Provinz an der Westküste Kanadas, ist eine Wölfin mit einer überraschenden Methode an begehrtes Futter gelangt. Dabei hat sie möglicherweise sogar ein Werkzeug genutzt. Das legt eine neue wissenschaftliche Untersuchung nahe.

Anwohner der Region hatten in den vergangenen Monaten mehrere beschädigte Krabbenfallen entdeckt. Die robusten Konstruktionen wurden genutzt, um eine invasive Krabbenart einzudämmen, doch viele von ihnen waren aufgerissen oder in Einzelteile zerlegt. Die Ursache blieb unklar.

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Ein Forschungsteam installierte daraufhin Kameras entlang der Küste. Einem Bericht des US-Senders „CNN“ zufolge hatten die Wissenschaftler zunächst Meeressäuger wie Otter oder Robben im Verdacht. Doch das Videomaterial zeigte schon bald den wahren „Täter“: eine ausgewachsene Wölfin. „Wir waren verblüfft. Das hatten wir, gelinde gesagt, nicht erwartet“, sagte Studienautor Kyle Artelle gegenüber dem US-amerikanischen Sender. „Wer das Glück hat, Zeit mit Wölfen zu verbringen, weiß, dass sie ungemein intelligent sind. Dass sie zu hochintelligenten Handlungen fähig sind, überrascht uns daher an sich nicht. Aber ein solches Verhalten haben wir noch nie zuvor beobachtet.“

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Video zeigt überraschende Strategie der Wölfin

Die Aufnahmen dokumentieren, wie das Tier zielstrebig mit einer Boje im Maul durchs Wasser schwimmt. Am Ufer abgelegt, beginnt die Wölfin, an der Befestigungsleine zu ziehen. Stück für Stück bringt sie so eine unter der Wasseroberfläche liegende Krabbenfalle ans Licht. In seichtem Wasser öffnet sie schließlich den Metallbehälter und gelangt an den Köder: ein Stück Hering.

Die Fallen waren komplett untergetaucht und für das Tier nicht sichtbar. Trotzdem scheint die Wölfin verstanden zu haben, wie die einzelnen Elemente zusammenhängen.

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In ihrer in „Ecology and Evolution“ veröffentlichten Studie schreiben die Forscher, die Wölfin habe ein „ausgefeiltes Verständnis“ der komplexen Konstruktion gezeigt. Die Wissenschaftler formulieren: „Sie schien zu verstehen, dass diese Komponenten nacheinander gezogen werden konnten, um die Falle schrittweise aus dem Wasser zu holen und den vermutlich darin befindlichen Köder zu bekommen.“

Ungewöhnliche Beobachtung lässt die Forschung aufhorchen

Hat die Wölfin ein Werkzeug benutzt? Genau dieser Punkt führt nun zu einer Diskussion unter den Wissenschaftlern. Werkzeugnutzung wird häufig definiert als der Einsatz eines äußeren Objekts, um absichtlich ein Ziel zu erreichen. Betrachtet man diese Definition, erfüllt die Wölfin sie, schließlich nutzte sie die Leine samt Boje, um an Nahrung zu kommen.

Doch es gibt auch eine strengere Auslegung. Danach müsste das Tier die Hilfsvorrichtung selbst herstellen. „In diesem Fall hat sie die Leine also nicht an die Krabbenfalle gebunden. Es war bereits für sie gebaut“, sagt Artelle gegenüber „CNN“. Artelle selbst hält diese Definition jedoch für zu eng. „Wenn ein Mensch getan hätte, was die Wölfin getan hat, würde niemand zögern, es Werkzeugnutzung zu nennen“, erklärte er weiter. Sein Vergleich: „Wir verwenden viele Werkzeuge, die wir nicht selbst bauen.“

Unterstützung erhält er vom Biologen Marc Bekoff von der „University of Colorado Boulder“. Wäre das Verhalten bei Schimpansen beobachtet worden, „hätte niemand daran gezweifelt, dass es sich um Werkzeugnutzung handelt“, sagte Bekoff laut dem Fachmagazin „Science“.