Am Mittwoch, 26. November, hatte sich in dem Wohnkomplex Wang Fuk Court im nördlichen Stadtteil Tai Po in Hongkong ein Großbrand über Bambus-Baugerüste ausgebreitet – der schlimmste Brand in der Finanzmetropole seit fast 80 Jahren. Mindestens 151 Menschen kamen bei dem Feuer nach aktuellen Erkenntnissen ums Leben.
Wie die Behörden in der chinesischen Sonderverwaltungsregion mitteilten, wurden zuletzt fünf weitere Leichen gefunden. Unter den Toten ist auch ein Feuerwehrmann. Knapp 80 weitere Menschen seien verletzt, darunter auch weitere Feuerwehrleute, berichteten Hongkonger Medien unter Berufung auf die Feuerwehr. Noch immer werden Menschen vermisst.
Hochhaus-Großbrand in Hongkong: Ermittler mit ersten Erkenntnissen zur möglichen Ursache
Die Umstände des Brandes sind noch nicht abschließend geklärt. Laut Angaben der Behörden haben Ermittler Mängel an Teilen der Schutznetze festgestellt, die am Baugerüst befestigt worden waren. Bei sieben gesammelten Proben sei festgestellt worden, dass diese nicht den Brandschutzvorgaben entsprochen hätten, sagten Behördenvertreter während einer Pressekonferenz. Die insgesamt 20 Proben stammten demnach von den sieben betroffenen Wohnblöcken im Stadtteil Tai Po.
Laut dem Sekretär der Sicherheitsbehörde, Chris Tang, besteht der Verdacht, dass die minderwertigen Netze untergemischt wurden, da Proben an leicht zugänglichen Stellen den Normen entsprachen, aber jeden sieben von schwer zugänglichen Stellen nicht konform waren.

Hongkong-Großbrand: Ermittler nahmen bislang 11 Menschen fest
Anti-Korruptionsermittler nahmen bislang elf Menschen in dem Fall fest. Dabei handelt es sich laut der Anti-Korruptionsbehörde der Stadt um mehrere Männer und eine Frau im Alter zwischen 40 und 63 Jahren. Vier der Festgenommenen sollen für eine Beratungsfirma arbeiten, die die Renovierungsarbeiten der nun abgebrannten Wohnanlage überwachen sollte. Drei weitere Personen sind für ein Subunternehmen im Gerüstbau tätig. Ein anderer Festgenommener soll als Mittelsmann für das Projekt gedient haben.
Kurz nach dem Brand hatte die Polizei zudem drei Männer einer Baufirma mit Verdacht auf fahrlässige Tötung festgenommen – zwei Direktoren und einen technischen Berater eines Bauunternehmens. Sie sollen nicht zugelassene Materialien für die Gerüstnetze verwendet und die Fenster mit Polystyrolplatten versiegelt haben.

Hongkong: Initiator von Petition festgenommen – er forderte unabhängige Aufklärung zu Brand
Am Wochenende hatte die Polizei laut Hongkonger Medienberichten außerdem einen Mann wegen des Vorwurfs auf Aufruhr festgenommen. Er soll demnach mit anderen eine Petition ins Leben gerufen haben, die eine unabhängige Untersuchung des Brandes und der Verantwortung von Regierungsbeamten forderte. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, handelt es sich bei dem Mann um den 24 Jahre alten Miles Kwan, der auf Flugblättern für eine Petition geworben hatte.
Parallel hatte die chinesische Behörde für den Schutz der nationalen Sicherheit in Hongkong „antichinesische Elemente“ beschuldigt, falsche Informationen etwa über die Rettungsbemühungen der Regierung zu verbreiten.
Videos in sozialen Netzwerken zeigen verheerendes Feuer
In den sozialen Netzwerken machten in der vergangenen Woche Fotos und Videos von dem Inferno die Runde. Die Aufnahmen zeigen, wie die Wohntürme lichterloh in Flammen stehen. Dichte Rauchsäulen steigen über den Gebäuden in den Himmel. Auch ist zu sehen, wie die Fassadengerüste über mehrere Stockwerke hinweg in Flammen standen und brennende Teile zu Boden stürzten. Zudem waren im Inneren einzelner Wohnungen Feuerherde zu erkennen. Das Feuer hatte sich am Mittwoch über Baugerüste aus Bambus ausgebreitet und rasch auf mehrere Hochhäuser übergegriffen.
Regierungschef Lee zufolge soll sich das Feuer auch deswegen so schnell ausgebreitet haben, weil sich große Mengen Styropor in den Gebäuden befunden habe. So konnten die Flammen sich über die einzelnen Wohnungen in den Fluren der Blocks ausbreiten. Nun sollen Ermittlungen aufgenommen werden, auch kriminalistische. 900 Menschen hätten zwischenzeitlich Zuflucht in Gemeindezentren gesucht, schreibt die „South China Morning Post“.
Horrifying visuals from hong kong several buildings burned more than dozen people burnt alive . Rescue teams are trying very hard . Wishing for safety of everyone.#hongkong #hongkongfire #FireStorm #HongKongers pic.twitter.com/njZxB4zswF
— ɳ เ ร ɦ α (@itsnisha03) 26. November 2025
Hochhausbrand in Hongkong erschüttert Metropole
Der Brand war in der Wohnanlage Wang Fuk Court im Stadtteil Tai Po ausgebrochen. Berichten unter Berufung auf die Feuerwehr zufolge hatten die Flammen sieben Wohnblöcke der Anlage erfasst. Am Nachmittag gingen mehrere Anrufe von Menschen ein, die in ihren Wohnungen festsaßen. Insgesamt umfasst das Gebiet acht Wohnhäuser mit je 32 Stockwerken und insgesamt knapp 2000 Wohnungen. Die Gebäude waren alle für Renovierungsarbeiten mit einem Baugerüst aus Bambus eingefasst.
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Wie die Hongkonger „South China Morning Post“ weiter berichtete, waren mehr als 140 Feuerwehrfahrzeuge und rund 800 Feuerwehrleute und Rettungssanitäter im Einsatz.
In Hongkong war an mehreren Schulen der Unterricht wegen des Großbrandes ausgefallen. Wie die für Bildung zuständige Behörde mitteilte, waren 13 Schulen und Kindergärten betroffen. Als Grund nannte das Bildungsbüro den Brand und die damit verbundenen Verkehrsbehinderungen.
Beileidsbekundungen aus dem Ausland nach Großbrand in Hongkong
20 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers erreichten erste Beileidsbekundungen die chinesische Sonderverwaltungsregion. „Wir stehen hinter den Menschen in Hongkong und würdigen die Stärke der Gemeinschaft und all diejenigen, die in dieser schwierigen Zeit Hilfe leisten“, schrieb das britische Generalkonsulat auf der Online-Plattform X. Hongkong war bis 1997 britische Kronkolonie.
Das US-Generalkonsulat zeigte sich auf X tief getroffen von dem „tragischen Feuer“. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und all jenen, die von dem verheerenden Feuer betroffen sind“, hieß es.
dpa/viv/pcl/sh


