Luftverschmutzung schadet Lunge und Herz, aber das ist nicht alles. Neue Studien zeigen, dass winzige Partikel, die wir täglich einatmen, auch unser Gehirn angreifen – und das Risiko für Demenz deutlich erhöhen können.
Zwei Leben, zwei Gehirne, ein Unterschied
Im Penn Memory Center in Philadelphia verfolgten Forscher über Jahre Menschen mit und ohne kognitive Einschränkungen. Zwei Teilnehmer stachen besonders heraus: Ein Mann, der mit 83 an Alzheimer starb, und eine Frau, die mit 84 an Hirnkrebs verstarb, aber geistig topfit blieb.
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Autopsien machten den Unterschied sichtbar: Im Gehirn des Mannes fanden sich große Mengen der typischen Alzheimer-Proteine Amyloid und Tau sowie kleine Infarkte nach mehreren Schlaganfällen. Bei der Frau dagegen waren fast keine Alzheimer-Veränderungen nachweisbar.
Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden: ihre Umwelt. Der Mann lebte im Herzen von Philadelphia, nahe einer stark befahrenen Autobahn. Die Frau wohnte in einem Vorort mit viel Grün und sauberer Luft. Sie war sogenannten PM2.5, winzigen, besonders gesundheitsschädlichen Feinstaubpartikeln, nur halb so stark ausgesetzt wie er.
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Zufall oder besteht hier ein kausaler Zusammenhang? „Die Qualität der Luft, in der man lebt, wirkt sich auf die kognitive Gesundheit aus“, ist sich Dr. Edward Lee, Neuropathologe und Leiter des Gehirnspendenprogramms, sicher.
Feinstaub im Visier der Forschung
Feinstaub entsteht unter anderem durch Verkehr, Fabriken, Heizungen oder Waldbrände. PM2.5 ist besonders gefährlich: Die Partikel sind so klein, dass sie tief in die Lunge gelangen, ins Blut übertreten und sogar direkt ins Gehirn wandern können.
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In der größten Studie dieser Art untersuchten Lee und sein Team über 600 Gehirne von Spendern, die jahrelang kognitiv getestet worden waren. Ergebnis: Je höher die PM2.5-Belastung, desto stärker die Alzheimer-Veränderungen. Die Wahrscheinlichkeit für schwere Alzheimer-Pathologie war bei Menschen aus Gegenden mit starker Feinstaubbelastung fast 20 Prozent höher.
Weitere Studien zeigen, dass Feinstaub auch mit Lewy-Body-Demenz, einer weiteren häufigen Demenzform, zusammenhängt. Eine Untersuchung von über 56 Millionen US-Medicare-Versicherten ergab, dass in Gebieten mit hoher PM2.5-Konzentration die Hospitalisierung wegen Lewy-Body-Demenz um 12 Prozent höher war. Tierexperimente untermauern diese Befunde: Mäuse, die über Monate Feinstaub einatmeten, entwickelten Gedächtnisprobleme, Hirnatrophie und typische Lewy-Body-Proteine.
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Expertinnen und Experten sehen nun vor allem die Politik in der Pflicht. Mehr Kohleabbau, weniger Förderung erneuerbarer Energien und zurückgenommene Umweltstandards könnten die zuletzt gesunkene Feinstaubbelastung hierzulande wieder erhöhen – und damit langfristig das Demenzrisiko der Bevölkerung.






