Im Irak haben Archäologen die Überreste eines rund 5000 Jahre alten Bauwerks freigelegt, das vermutlich ein monumentales Gebäude aus der Uruk-Zeit darstellt. Uruk, das heutige Warka, zählt zu den frühesten städtischen Zentren der Menschheitsgeschichte und übte maßgeblichen Einfluss auf die sumerische Kultur sowie auf die nachfolgende mesopotamische Zivilisationen aus.
Das antike Uruk, das heutige Warka im Süden des Irak, gilt als eine der frühesten Städte der Menschheitsgeschichte. Nach Schätzungen lebten dort bis zu 80.000 Menschen auf einer Fläche von rund 400 Hektar. Die Stadt war durch ein geordnetes Straßennetz und funktional gegliederte Zonen, darunter Verwaltungs- und Wohnviertel, geprägt, wie der Archäologe Hans Nissen in seinem Werk „The Early History of the Ancient Near East“ beschreibt.
Seit 2013 dokumentieren archäologische Ausgrabungen eine kontinuierliche Besiedlung der Region von der Kupfersteinzeit (ca. 6500 v. Chr.) bis etwa 2500 v. Chr. Uruk spielte eine zentrale Rolle in der Entwicklung der sumerischen Kultur und beeinflusste spätere mesopotamische Zivilisationen maßgeblich. Den Bewohnern wird die Erfindung der Keilschrift zugeschrieben, vermutlich das erste Schriftsystem der Welt, sowie die Einführung früher Zahlensysteme zur Verwaltung landwirtschaftlicher Güter.
Archäologen überwältigt: Monumentales Bauwerk im Irak ausgegraben
Das im September entdeckte „monumentale“ Bauwerk wurde an der archäologischen Stätte Kani Shaie im nordirakischen Gouvernement Sulaymaniyah, am Fuß des Zagros-Gebirges, freigelegt. Nach Angaben der Wissenschaftler datiert die Struktur in die Zeit zwischen etwa 3300 und 3100 v. Chr., also in die nach der Stadt Uruk benannte Uruk-Periode. Sollte sich der monumentale Charakter des Gebäudes bestätigen, die Untersuchungen hierzu laufen derzeit, könnte der Fund das Verständnis der Beziehungen zwischen Uruk und den nördlichen Regionen Mesopotamiens grundlegend erweitern.
Die Überreste wurden im oberen Bereich eines Erdhügels identifiziert und ihr architektonischer Stil weist auf eine offizielle Funktion hin. Nach Einschätzung der Ausgrabungsleitung könnte es sich um ein kultisches Bauwerk gehandelt haben, möglicherweise um einen Tempel oder Kultraum, der religiösen oder zeremoniellen Zwecken diente.
Irak: Außergewöhnliche Artefakte zeugen von der Nutzung
Bei den Ausgrabungen in Kani Shaie entdeckten Archäologen Fragmente eines goldenen Anhängers, der vermutlich den sozialen Status der Gemeinschaft widerspiegelte, sowie Zylindersiegel aus der Uruk-Zeit, die mit politischer Autorität in Verbindung gebracht werden. Zudem wurden sogenannte Wandkegel gefunden, dekorative Ornamente aus gebranntem Ton oder Stein, die in frischen Putz gedrückt und anschließend bemalt wurden. Durch ihre geometrischen Muster, etwa Dreiecke oder Zickzacklinien, entstanden dekorative Mosaike, die auf eine öffentliche oder zeremonielle Nutzung des Bauwerks hindeuten.

Obwohl Kani Shaie etwa 480 Kilometer nördlich von Uruk liegt, deuten die Funde darauf hin, dass die Siedlung während der Uruk-Periode keineswegs isoliert war, wie Wissenschaftler bislang annahmen. Vielmehr war sie offenbar Teil eines weitreichenden kulturellen und politischen Netzwerks, das sich über das gesamte alte Mesopotamien erstreckte. Laut den Forschern zählt Kani Shaie zu den bedeutendsten Fundorten östlich des Tigris zur Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte vom Beginn der Bronzezeit bis ins 3. Jahrtausend v. Chr.


