Nur schnell für ein Insta-Foto ins Geschäft kommen – aber nichts kaufen? Damit reicht es vielen Ladeninhabern auf Mallorca jetzt: „Die Leute kommen herein, ohne Hallo zu sagen, stellen sich vor den Spiegel und machen Selfies von ihrem Hintern. Und gehen dann, ohne ein Wort zu sagen“, erzählt Vanita, eine Ladenbesitzerin in der Altstadt von Palma, dem „Mallorca Magazin“.
So wie sie sind viele Einzelhändler auf Mallorca genervt, nur als schöne Kulisse für Social Media zu dienen und sprechen von einer „Epidemie“. Denn auch wenn die Fotos die Bekanntheit der Geschäfte erhöhen – für mehr Umsatz sorgen sie nicht: „Am Ende fragen die Leute nicht um Erlaubnis und kaufen auch nichts.“
Genervt von den Selfie-Touristen greifen viele Einzelhändler auf der Insel nun durch und verbieten das Fotografieren in ihren Geschäften und von ihren Produkten. Selbst in einer Kunstgalerie in Palma de Mallorca findet sich ein Schild mit der Aufschrift: „Dies ist kein Museum“. So werden die Touristen aufgefordert, den Laden nicht nur zum Fotografieren zu betreten.
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Traditionsgeschäft nimmt nun Geld für Fotos – und muss dennoch schließen
Andere nehmen dagegen von Besuchern Geld für Fotos. So etwa die traditionsreiche Kurzwarenhandlung Ca Donya Àngela, die das älteste noch bestehende Geschäft in Palma de Mallorca ist. Die auffällige Wand mit Knöpfen und Farben ist ein beliebtes Instagram-Motiv – entsprechend wird der Laden von Touristen überrannt. Doch kostenlos ist das künftig nicht mehr: „Ich habe eine Box aufgestellt, in die man einen Euro spenden muss, um Fotos machen zu dürfen“, sagt Besitzer Miquel Aguiló.
Seinen Laden retten tut das trotzdem nicht. Erst Ende Oktober hatte Aguiló die Schließung des 340 Jahre alten Traditionsgeschäfts verkündet. Auch er beklagt die Museumsmentalität, mit dem viele Touristen sein Geschäft betreten: „Die Leute kommen herein, loben, dass es einen solchen Laden noch gebe, machten Fotos – und strömen wieder hinaus, ohne etwas zu kaufen“, sagte der Ladeninhaber dem „Mallorca Magazin“ und prophezeit ironisch: „Am Ende wird hier wohl ein Souvenirshop mit Produkten aus China einziehen.“
jst/FMG



