In der Lagune von Venedig sorgt seit einigen Monaten ein ungewöhnlicher Besucher für Aufsehen: der Delfin „Mimmo“. Das junge Exemplar eines Großen Tümmlers taucht seit Juli regelmäßig im Becken vor dem Markusplatz auf – mitten zwischen Wassertaxis, Fähren und Ausflugsbooten. Der Meeressäuger scheint sich in der Lagune wohlzufühlen, doch seine anhaltende Präsenz bereitet Meeresbiologen und Tierschützern zunehmend Sorge. Denn der ständige Schiffsverkehr, der Lärm der Motorboote und die Gefahr von Kollisionen stellen ein ernstes Risiko für das Tier dar.
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Dennoch zieht Mimmo täglich zahlreiche Schaulustige an: Touristen und Einheimische versuchen, einen Schnappschuss von ihm zu ergattern, und manche Unternehmen bieten sogar Bootstouren an, um dem Delfin möglichst nahe zu kommen. Videos, die Mimmo zeigen, wie er zwischen Booten und Wassertaxis seine Kreise zieht, kursieren in sozialen Netzwerken – geteilt von Venezianern, die sich um das Schicksal des Tümmlers sorgen.
Die italienische Küstenwache und das Cetacean Stranding Emergency Response Team (CERT) überwachen Mimmo kontinuierlich. Sie appellieren an die Bevölkerung, Abstand zu halten, das Tier nicht zu füttern und es nicht zu bedrängen. Offiziell gilt eine Mindestdistanz von 50 Metern, die jedoch nicht immer eingehalten wird. Tierschutzorganisationen fordern, den Delfin nicht als Touristenattraktion zu betrachten, sondern Wege zu finden, ihn behutsam zurück ins offene Meer zu geleiten. Mehrere Versuche, Mimmo in Richtung der offenen Adria zu begleiten, blieben bislang erfolglos – offenbar kehrt er freiwillig immer wieder in die Lagune zurück.
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Während viele Venezianer den sympathischen Meeressäuger mittlerweile als „Maskottchen“ sehen, mahnen Experten zur Vorsicht: Das Leben in der Lagune sei für einen Delfin auf Dauer gefährlich. Auf Facebook wurde die Aktion „Rettet den Delfin!“ gestartet, um auf die Gefahr für Mimmo aufmerksam zu machen und zu betonen, dass es sich um ein sensibles Lebewesen handle – und nicht um eine Touristenattraktion. Auch Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, richtete einen Appell zum Schutz des Delfins an die Bevölkerung. „Respekt gegenüber der Meeresfauna ist ein Zeichen von Zivilisation und Liebe zu unserer Heimat“, betonte Zaia.
Mimmo könnte auf der Suche nach Nahrung in die Lagune geraten sein. Laut Fabio Pranovi, Biologe an der Universität Ca‘ Foscari, könnte er den Bootsverkehr tolerieren, weil er dort leichter Nahrung findet. Unklar ist, weshalb er alleine unterwegs ist, da Delfine normalerweise in Gruppen leben. In der nördlichen Adria sind Delfine ein regelmäßiger, aber sensibler Teil des marinen Ökosystems. Die am häufigsten anzutreffende Art ist der Große Tümmler (Tursiops truncatus), während der Gemeine Delfin (Delphinus delphis) hier inzwischen praktisch verschwunden ist.
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Schätzungen zufolge leben im gesamten Adriatischen Meer etwa 10.000 Exemplare des Großen Tümmlers, mit einer besonderen Konzentration im nördlichen Becken. Die nördliche Adria ist relativ flach und stark vom Menschen beeinflusst. Intensive Schifffahrt, Fischerei und touristische Nutzung prägen die Region und wirken sich direkt auf die Delfine aus. Untersuchungen zeigen, dass sie ihre Aufenthalts- und Jagdgebiete je nach Saison und Umweltbedingungen wie Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt oder Küstennähe anpassen.
Innerhalb der lokalen Populationen wurden zudem unterschiedliche soziale Gruppen mit jeweils eigenen Nahrungsvorlieben und Verhaltensweisen festgestellt. Die Delfine der nördlichen Adria sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt: Kollisionen mit Booten, Lärm, Netzverhängungen, Verschmutzung und Überfischung der Nahrung stellen ernsthafte Risiken dar. Daher sind Schutzmaßnahmen wie kontinuierliches Monitoring, Fotoidentifikation, akustische Überwachung und länderübergreifende Zusammenarbeit essenziell, um die Population langfristig zu behüten.




