Gräber auf der Erde aus dem Weltall erkennen? Das ist keine Science-Fiction, sondern längst Realität. So ist es Archäologen in Ungarn gelungen, durch die Auswertung von Satellitenaufnahmen zahlreiche bislang unbekannte Friedhöfe ausfindig zu machen. Auf einem davon wurde nun ein Grab aus dem 7. Jahrhundert entdeckt. Aufgrund der reichen Grabbeigaben gehen Experten davon aus, dass darin ein Krieger von hohem Rang bestattet wurde.
Archäologen finden uraltes Kriegerkrab
Geöffnet wurde das Grab während Ausgrabungen, die als Teil des Forschungsprogramms „Cemeteries from Space“ („Friedhöfe aus dem Weltraum“) durchgeführt wurden. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Ungarischen Nationalmuseum und dem König-Stephans-Museum, das auf seiner Webseite über den Fund berichtet.
Ziel des Projekts ist es, mithilfe der Analyse von Erntezeichen auf Satellitenbildern bislang unbekannte, unter der Erdoberfläche verborgene archäologische Stätten zu lokalisieren. Und das scheint den Forscherinnen und Forschern zu gelingen: Inzwischen konnte eine Friedhofsanlage mit bis zu 500 Gräbern identifiziert werden. Zwei von ihnen wurden geöffnet – und in einem machten die Wissenschaftler den besonderen Fund.
In dem mutmaßlichen Krieger-Grab lag ein elegant geschwungenes Schwert – ein Waffentyp, der vornehmlich von berittenen Kriegern verwendet wurde. Das Schwert ist zwar stark verrostet, zeigt jedoch noch Reste feiner Verzierungen auf der Klinge. Diese Details verweisen auf die hohe handwerkliche Qualität und die kunstvolle Herstellung der Waffe, berichtet „Livescience“. Das Grab befindet sich nahe der Stadt Székesfehérvár (historisch Fehérvár), rund 50 Kilometer südwestlich von Budapest.
Krieger stammt aus einem bislang wenig erforschtem Königreich
Das Grab entstand den Experten zufolge in der Zeit zwischen 670 und 690 n. Chr., als die Region zum Awaren-Kaganat gehörte, einem Königreich in Mitteleuropa mit seinem Zentrum im Karpatenbecken des heutigen Ungarns. Die dort ansässigen Gruppen werden in der Forschung als pannonische Awaren bezeichnet, um sie von den zentralasiatischen Awaren zu unterscheiden, mit denen sie laut einer genetischen Studie von 2022 wahrscheinlich verwandt waren.
Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass das pannonische Awarenreich eine Konföderation halbnomadischer eurasischer Steppenvölker bildete, möglicherweise unter der Führung einer türkischen oder mongolischen Elite. Da sie keine Schriftkultur hinterließen, bleibt ihre Gesellschaft in vielerlei Hinsicht schwer zu fassen. Eine genetische Analyse eines awarischen Gräberfeldes von 2024 liefert jedoch Hinweise auf eine Heiratsstruktur, bei der Frauen nach der Eheschließung in die Siedlung ihrer Ehemänner zogen.
Kostbare Grabbeigaben und menschliche Überreste
Die Archäologen, die das Grab in Ungarn entdeckt haben, berichten, dass es wohl in der Vergangenheit geplündert wurde. Dennoch enthalte es noch immer eine bemerkenswerte Vielfalt an Beigaben, darunter das Schwert des Kriegers. Die Klinge und der Griff der Waffe blieben vollständig erhalten, was sie zu einem außergewöhnlich seltenen Fund dieser Epoche macht. Aufgrund starker Korrosion und der Brüchigkeit des Metalls nach rund 1300 Jahren im Boden musste der Funde mithilfe einer speziell angefertigten Holzhalterung geborgen werden, wie in einer Mitteilung erläutert wird.

Darüber hinaus kamen silberne Gürtelbeschläge, vergoldete Metallornamente zum Einflechten ins Haar, Ohrringe aus Glasperlen, ein langes Messer sowie Pfeilspitzen zutage. Im Grab fanden sich zudem die Überreste des Kriegers. Während Arme und Unterkörper anatomisch korrekt angeordnet waren, wiesen Kopf, Brust und Bauch laut der Untersuchung deutliche Spuren von Zerstörung auf, die auf das Vorgehen der Plünderer zurückgeführt werden.


