Malcolm Neville und William Harley hatten eine lange Reise vor sich. Sie führte von der Südküste Australiens bis auf die von Schützengräben zerfressenen Schlachtfelder Europas, wo der Erste Weltkrieg wütete und jeden Tage tausende Soldaten ihr Leben verloren. Als Angehörige der Australian Imperial Force waren Neville und Harley im August 1916 auf dem Truppenschiff HMAT A70 Ballarat unterwegs in eine ungewisse Zukunft. An Bord des Schiffs verfassten beide jeweils einen Brief, steckten sie zusammen in eine Flasche und warfen diese ins Meer.

Neville hatte ein paar launige Zeilen an seine Mutter geschrieben, berichtete von der guten Stimmung an Bord und vom Essen, das schmackhaft sei – „bis auf eine Mahlzeit, die wir auf See begraben haben“. Harley wiederum, dessen Mutter bereits Jahre zuvor gestorben war, adressierte seinen Brief an einen unbekannten, zukünftigen Finder der Flasche und wünschte ihm, dass es ihm so gut gehen möge „wie uns jetzt“.

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Angehörige der Soldaten reagierten emotional

Nun, genau 109 Jahre später, ist die Flasche tatsächlich gefunden worden. Sie lag unter Sand begraben am Wharton Beach an der australischen Südküste, wo sie Deb Brown und ihre Familie am 9. Oktober bei Aufräumarbeiten entdeckten, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Die Flasche sei intakt und die Schrift der Briefe noch gut lesbar gewesen, heißt es weiter.

Die Browns konnten sogar Angehörige der beiden Soldaten ausfindig machen, die sehr emotional reagierten. Herbie Neville, der Großneffe von Malcom, erklärte laut AP, der Fund sei „unglaublich“.

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Auch die Angehörigen von William Harley waren offenkundig überwältigt von dem Fund. „Es fühlt sich an, als ob unser Großvater uns aus dem Grab eine Botschaft geschickt hätte“, sagte Ann Turner, eine von Harleys Enkelinnen.

60.000 Soldaten im Ersten Weltkrieg gestorben

Das Schicksal meinte es nicht gut mit den beiden Soldaten aus Down Under. Malcom Neville fiel 1917 mit 28 Jahren. Sein Kamerad William Harley überlebte den Krieg, wurde aber durch Gas so schwer verwundet, dass er bereits 1934 an den Folgen starb.

Von den über 330.000 australischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften, ließen etwa 60.000 ihr Leben, über 150.000 wurden verwundet. Die Schicksale von Neville und Harley stehen exemplarisch für all die anderen Opfer im bis dahin blutigsten Gemetzel der Geschichte.