„Schmeckt nach Waldboden, Holzfass. Alte Eiche. Ein bisschen nach Moos und leicht erdig“, konstatiert Weinkenner Weller beim Genuss eines Rotweins, der vermutlich eine dreistellige Summe gekostet hatte. „Dann kipp das Zeug halt weg und nimm dir ein Bier“, rät daraufhin der schlichter gestrickte Kollege Rupert, ein Pils-Liebhaber. Bei dieser Szene aus einem Krimi von Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf wiehern vermutlich alle vor Lachen, die das Ritual aus Sehen, Schwenken, Riechen, das Über-die-Zunge-rollen-lassen für Wichtigtuerei und bloße Schau halten. Stopp!
Aus guten Weinen lassen sich tatsächlich viele Aromen herausschmecken. Der Lernprozess ist kein leichter – aber er lohnt sich. In der Cité de Climats et vins de Bourgogne, einem Netzwerk der kulturell und touristisch bedeutenden Orte Beaune, Chablis und Mâcon, können Weinliebhaber in den drei Besucher- und Fortbildungszentren den Anmutungen von Aprikose bis Zimt nachspüren und die Nase tief ins Glas stecken. Beim immersiven Rundgang in der Cité de Beaune tauchen wir mit allen Sinnen ein in die Welt der Weine des Burgund und lernen die Geschichte und Traditionen dieses weltberühmten Anbaugebietes kennen.

Weinanbau in Burgund: Harte Arbeit statt Romantik
Keine Frage, es gibt sie noch, die dunklen Weinkeller tief unter der Erde, mit riesigen Eichenfässern und von Spinnweben überzogenen Flaschen, in denen wertvollste Jahrgänge lagern. Weinbau im Burgund ist aber wenig romantisch. Dahinter stecken harte Arbeit und rationales, betriebswirtschaftliches Handeln. Dies drückt auch die futuristische Form der Cité des Climats in Beaune aus, die schon mehrere Architekturpreise erhalten hat: Der schneeweiße runde Bau symbolisiert um Spaliere rankende Weinreben. Besucher spazieren über die äußeren Windungen hinauf auf die 24 Meter hohe Panoramaterrasse mit Bar und Restaurant und genießen von dort einen herrlichen Blick auf die weite Landschaft – am besten mit einem Glas Wein in der Hand.

Topmodern aufgestellt ist das Innenleben: Digital ist Trumpf. An vielen Stationen werden die Weinerzeugung früher und heute, Techniken und Traditionen, durch die Berührung des Touchscreens filmisch lebendig. Natürlich sind auch die Geräte von damals, Fässer und Kiepen, Pressen und Abfüllmechanik, effektvoll präsentiert.
Ganz hoch in der Besuchergunst steht der Riech-Parcour. In einem der großen Ballongläser, sorgfältig ausgeleuchtet, steckt Waldboden, im anderen Schokolade, im dritten Vanille. Weiter geht es mit altem Leder, Zitrusfrüchten, roten und tiefvioletten Beeren, Aprikosen und Pfirsichen, Heu oder Rosen. Wer die Nase tief in die Öffnung des bauchigen Kolbens steckt, schnuppert feine Nuancen dieser Aromen. Bei der abschließenden Verkostung geht es darum, diese Düfte im Rot- oder Weißwein zu definieren. Wir tippen beim von uns ausgesuchten Rotwein auf Kirsche und dunkle Waldfrüchte und liegen damit richtig – wohl auch, weil diese Geschmacksnoten eher leicht zu riechen und zu schmecken sind.

Weinlagen im Burgund als UNESCO-Weltkulturerbe: Mönche machten es möglich
Der Begriff climats – wörtlich übersetzt Klimazonen – bezeichnet die unterschiedlichen Weinlagen im Burgund, von denen 1247 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Entstanden sind sie durch die Arbeit von Benediktiner- und Zisterziensermönchen. Sie schlugen Steinnägel in die Erde und teilten damit den Weinberg in Mikro-Lagen, um den dort angebauten Wein mit all seinen Merkmalen zuordnen zu können.
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Warum es die Ordensmänner in Weinberge zog, ist leicht zu erklären: Sie lebten ganz in der Nähe. Die mittelalterliche Stadt Cluny mit ihrer berühmten Abtei gilt als Gründungsort des Benediktinerordens und war eines der einflussreichsten religiösen Zentren überhaupt. Gleiches gilt auch für das Kloster Citeaux, aus dem der Zisterzienserorden erwuchs. Ohnehin war das Herzogtum Burgund im Mittelalter ein wahres Machtzentrum, von dem viele Impulse für Kunst, Architektur und Politik ausgingen.
Die prächtige Hauptstadt Dijon mit ihren Palästen und Museen, auch heute eine quicklebendige Metropole, sollte auf keiner Reiseroute durchs Burgund fehlen. Gleiches gilt für Beaune und sein Hôtel-Dieu - Hospices de Beaune aus dem 15. Jahrhundert, das vom burgundischen Herzog Philipp dem Guten erbaut wurde. Einst diente das Symbol der Spätgotik mit seinen rot, grün und gold glänzenden Dachziegeln als Krankenhaus. Heute ist es ein Museum, das alljährlich hunderttausende Besucher anzieht. Die Hospices de Beaune sind zudem ein Weingut und ein berühmter Ort für den Weinhandel. Die große Versteigerung der besten Weine, den Grand crus, Ende November weckt internationales Interesse – auch wegen der saftigen Preise, die hier aufgerufen werden.
So testen Sie einen Wein richtig
„Verlassen Sie sich auf sich selbst. Denn was dem einen die Erdbeere, ist dem anderen die Himbeere“, rät Weinhändler Friedhelm Gleis, wenn die Kunden der Duisburger Weinvilla von ihm wissen möchten, wie der kostbare Rebensaft fachgerecht verkostet wird. Die blumigen Adjektive, mit denen der Wein bedacht wird, begeistern für ihn oft nur die Verfasser der Beschreibungen. Jeder Laie könne einen Wein für sich erschließen, wenn er dabei vier Punkte beachte:
Die Farbe: Am besten hält man das Glas leicht geneigt vor einem weißen Hintergrund. Vom blassen Strohgelb mit grünlichen Reflexen bis hin zum hellen Braun eines Bernsteins sind alle Nuancen möglich. Je heller, desto jünger, lautet dabei die Faustregel. „Ist er zum Beispiel bernsteinfarben, handelt es sich um einen alten Süßwein. Oder er ist hinüber“, sagt Gleis.
Der Geruch, die Nase: Glas dicht unter die Nase halten, kräftig riechen. Glas schwenken, nochmal riechen, auf sich wirken lassen und sich das Prägende merken. Bestimmten Rebsorten werden bestimmte Gerüche zugeschrieben, zum Beispiel dem Sauvignon die Stachelbeere.
Der Geschmack: Mit mehreren kleinen Schlucken den gesamten Mund benetzen, Luft dazu und – gerne auch mit Geräuschen – durch den Mund laufen lassen. „Aromen werden fast nur durch Wärme und Sauerstoff gelöst“, erklärt der Experte. Und: „Es gibt nur süß, sauer, salzig und bitter. Beim Wein nie in Reinform, sondern immer bunt gemischt mit Fruchtaromen mannigfaltiger Herkunft. Dazu kommen Alkohole, Mineralien, Säuren und Phenole. Das Ganze kommt dann weich, rund, cremig, fruchtig, ölig oder pelzig rüber.“ „Dies alles“, so Friedhelm Gleis, „ergibt das Mundgefühl und nach dem Herunterschlucken das, was als Geschmack empfunden wird.“
Der Nachhall: „Hinterlässt der Wein ein Wohlgefühl, wie lange hält dieses an und zaubert er noch nach einer Minute ein Lächeln aufs Gesicht?“, will der Maestro nach der Verkostung wissen. Am Ende aller Bewertungen dann die Frage, die nur jeder für sich beantworten kann: „Schmeckt mir der Wein?
Die Kulturlandschaft mit ihrer Geschichte, ihren Traditionen und ihren kulinarischen Verlockungen gehört zu den bevorzugten Reisezielen von Individual-Touristen. Vor allem Deutsche, Briten und US-Amerikaner zieht es hierher, inzwischen aber auch Reisende aus Indien, China und Südamerika. Entlang der berühmten Weinstraßen des Burgunds treffen sie auf Orte mit klangvollen Namen wie Montrachet, Meursault, Chablis oder Nuits-Saint-Georges, die für jeden Weinliebhaber ein Begriff sind.
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