In den frühen Morgenstunden erschüttert eine Explosion ein Wohngebiet im Münchner Norden. Wenig später finden Beamte eine diffuse Drohung gegen das Oktoberfest am Tatort und die Stadt ist in Alarmbereitschaft – das Festgelände wird abgeriegelt. Es folgt ein Großeinsatz mit mehr als 500 Polizisten, Hubschraubern und Sprengstoff-Spürhunden. Am Nachmittag gibt es Entwarnung. Das Oktoberfest kann fortgesetzt werden. Wer war für den Brandanschlag und die Drohung verantwortlich?

Im Verdacht steht ein Mann: Martin P.. Er soll laut Einsatzkräften an einem See in der Nähe des Tatorts schwer verletz entdeckt worden sein. Kurz darauf verstarb er. P. soll Suizid begangen haben. Davon geht die Polizei aus. Er soll ein Deutscher mit Wohnsitz in Starnberg sein, 57 Jahre alt. Seit 2007 betrieb er eine kleine Handwerksfirma, die Bauarbeiten rund um Haus und Garten anbietet. Auf einem Foto auf seiner Firmenwebseite ist er zusammen mit dem roten Kleintransporter zu sehen, der ausgebrannt nahe des Tatorts gefunden wurde.

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

Brand in München: P. hatte es offenbar auf eigene Eltern abgesehen

Der Tatverdächtige führte einen Rucksack mit sich, in dem sich eine Sprengvorrichtung befunden haben soll, die von speziell geschulten Beamten zunächst entschärft werden musste. Die Ermittler fanden zudem im Umfeld des Tatorts ein vom Tatverdächtigen verfasstes Schreiben. Dieses habe eine unspezifische Sprengstoffdrohung mit Bezug zum Oktoberfest enthalten. P. soll weder einen Waffenschein noch die Erlaubnis mit Sprengstoff zu hantieren gehabt haben.

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Bei dem Brandanschlag kam ein Mensch ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. „Bei diesen handelt es sich um die 81-jährige Mutter des Tatverdächtigen sowie die 21-jährige Tochter des Tatverdächtigen, beide mit Wohnsitz in München. Sie befinden sich zur Behandlung im Krankenhaus“, hieß es in einer Stellungnahme der Polizei. Bei dem Toten handelt es sich mutmaßlich um den 90-jährigen Vater des Tatverdächtigen. P. soll ihn laut Medienberichten im Haus erschossen haben. Der Brandstiftung soll ein Familienstreit vorausgegangen sein.

München: Verdächtiger wollte Vaterschaft nicht akzeptieren

Das bayerische Innenministerium gab am Abend zudem bekannt, dass der Tatverdächtige die Vaterschaft seiner Tochter angezweifelt habe – und sich deshalb auch an die Behörden gewandt hatte. Ein medizinisches Gutachten habe die Vaterschaft zwar bestätigt, der Mann habe aber argumentiert, dass das Analyse-Institut bestochen worden sei, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Das Gutachten sei nach Ansicht des Mannes falsch gewesen. 

Mit diesem Thema wandte sich der 57-Jährige nach Angaben Herrmanns mit einer Petition an den Bayerischen Landtag und setzte sich auch mit dem Bundesjustizministerium in Verbindung. Der Landtag habe sich 2024 mit der Petition beschäftigt und diese nach Mitteilungen aus zuständigen Staatsministerien für erledigt erklärt, so der Minister. Bis heute habe er sich aber offenbar nicht mit der Situation abfinden wollen.

lro/dpa