Der Hauptstadtflughafen BER kämpft auch am Dienstag mit den Folgen der Cyberattacke. Wie ein Sprecher dem „rbb“ mitteilte, soll es aber deutlich ruhiger zugehen als am Vortag. Am Montag war es wegen einer Rückreisewelle vom Berlin-Marathon zu vielen Verspätungen und langen Warteschlangen gekommen.

Derzeit komme es laut dem Sender nicht zu längeren Warteschlangen. Auch auf der Internetseite des Airports sind bislang nur vereinzelte Verspätungen verzeichnet. Wie lange die Störungen noch anhalten, ließ der Sprecher gegenüber dem „rbb“ offen. Der betroffene externe Dienstleister sei jedoch zuversichtlich, schon bald wieder ein funktionsfähiges System bereitzustellen.

Cyberangriff: Erhebliche Verspätungen an Flughäfen in ganz Europa

Nach Angaben des BER-Unternehmenssprechers Axel Schmidt trat das Problem bereits am Freitagabend auf. Die Firma Collins Aerospace, ein europaweiter Systemanbieter, wurde Opfer eines Cyberangriffs, wie das Unternehmen bekannt gab. „Die Software dieses Unternehmens ist auch am BER im Einsatz“, sagte Schmidt dieser Redaktion. „ Daraufhin hat der Flughafen Berlin Brandenburg seine Verbindungen zu den Systemen des Anbieters getrennt. Der Flughafen selbst ist nicht das Ziel des Cyber-Angriffs gewesen und nur davon indirekt betroffen.“

„Von dem Cyberangriff sind Flughäfen in ganz Europa betroffen, unter anderem auch in Zürich.“ Betroffen ist der Check-In an den Schaltern der Airlines. Er kann nicht mehr automatisiert durchgeführt werden. „Alle Passagierdaten müssen jetzt beim Check-In zeitaufwändig per Hand eingegeben werden“, sagte Schmidt. „Das dauert viel Zeit und es kommt zu erheblichen Beeinträchtigungen beim Check-In und beim Boarding. Dadurch kommt es vereinzelt auch zu Flugverspätungen. Wir bedauern das sehr.“

Nicht betroffen seien laut Schmidt der Selfservice beim Bagdrop, sprich bei der automatisierten Gepäckaufgabe und dem Self-Check-In, bei dem Passagiere ihre Daten selber eingeben „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und suchen auch Alternativen“, sagte Schmidt und empfiehlt auch den Online-Check-In auf den Seiten der Airlines.

Probleme bei der Gepäcksortierung: So behilft man sich nun am BER

Auch am Nachmittag kam es noch zu deutlichen Verspätungen bei den Abflügen. Ehrenamtliche Helfer der sogenannten Care-Teams seien als Ansprechpartner für die Passagiere auf dem Flughafen unterwegs, so Schmidt. „Wir haben bedauerlicherweise einen Rückstau bei der Gepäcksortierung der ankommenden Maschinen abzuarbeiten“, so Schmidt. „ Das gesamte Gepäck muss mit der Hand sortiert werden. Dabei helfen uns zur Zeit die Mitarbeiter der Flughafenfeuerwehr.“

Laut den Flughäfen BER und London Heathrow ist die Firma Collins Aerospace betroffen, das Unternehmen bestätigte der Deutschen Presse-Agentur „eine cyberbedingte Störung“ an einigen Flughäfen. „Wir arbeiten aktiv daran, das Problem zu beheben und die volle Funktionalität für unsere Kunden schnellstmöglich wiederherzustellen. Die Auswirkungen beschränken sich auf den elektronischen Check-in und die Gepäckabgabe und können durch manuelle Check-in-Vorgänge abgemildert werden“, schrieb Collins Aerospace.

Das US-Unternehmen ist in verschiedenen Bereichen der Luft- und Raumfahrttechnologie tätig. Neben der Herstellung von Komponenten für die Luftfahrindustrie entwickelt Collins Aerospace eigenen Angaben auf der Homepage zufolge unter anderem Systeme für militärische Anwendungen und ist in der Raumfahrttechnologie tätig.

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CDU-Sprecher Dregger: Angriffe auf Infrastruktur häufen sich

Burkard Dregger, der innenpolitischen Sprecher der Berliner CDU, stellte die Attacke auf die Flughäfen in eine Reihe mit den jüngsten Anschlägen in Berlin, etwa auf die Stromversorgung des Technologieparks Adlershof im Südosten der Stadt oder auch das Tesla-Werk in Grünheide. „Wir sind permanent Angriffen ausgesetzt“, sagte Dregger. Obwohl die Urheberschaft noch unklar sei, hätten aus Dreggers Sicht alle in Frage kommenden Täter eines gemeinsam: „Das sind alles Vasallen Putins“, sagte Dregger der Morgenpost. Er nannte explizit auch die Linkspartei, das BSW und AfD.

Neben Berlin sind noch andere europäische Flughäfen betroffen, eine Bestätigung dafür gab es vom Flughafen Brüssel in Belgien und Heathrow in Großbritannien. Der Flughafen Brüssel teilte mit, es sei mit erheblichen Auswirkungen auf den Flugbetrieb zu rechnen. Die Schlangen an den Check-in-Schaltern seien länger als üblich. 

Auch der Flughafen London Heathrow erklärte, es könne zu Verspätungen kommen, sprach aber von technischen Problemen, die zu Verspätungen für abfliegende Passagiere führen können.

Systemausfall am BER: Weitere große deutsche Flughäfen wohl nicht betroffen

Die Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg berichteten am Sonnabendmorgen, nicht betroffen zu sein. „Der Flughafen Frankfurt ist vom Cyberangriff nicht betroffen“, sagte eine Sprecherin. Die IT prüfe aber die Systeme und Lage ganz genau. Es könne aufgrund der Probleme an anderen Flughäfen aber auch in Frankfurt zu Auswirkungen kommen, etwa Verspätungen. Passagiere werden gebeten, sich zu informieren.

Auch in Hannover, Dresden, Leipzig/Halle, Nürnberg, Bremen und Köln hieß es, der Betrieb laufe normal. Der Flughafen in Münster hingegen sei am Freitagabend gegen 22.00 Uhr betroffen gewesen, sagte eine Sprecherin. Allerdings habe man innerhalb von 30 Minuten auf die eigene IT umstellen können. Auswirkungen für Fluggäste habe es nicht gegeben. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet.

mit dpa