Was haben Bienen und Menschen gemeinsam? Anscheinend mehr als die Liebe zum Honig, wie ein Forschungsteam in einer neuen Studie herausgefunden hat. Demnach teilt der Homo sapiens mit der Honigbiene mehrere Genvarianten, die das Sozialverhalten beeinflussen. Die Entdeckung könnte auf gemeinsame Wurzeln im Sozialleben hindeuten, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „PLOS Biology“ schreiben. Besonders für Menschen mit Autismus könnten die Ergebnisse spannend sein.
Tierarten unterscheiden sich generell darin, wie viel Zeit sie mit ihren Artgenossen verbringen. Während manche Tiere wie Bienen, Ameisen und auch Menschen sehr stark in Gesellschaften oder Kolonien eingebunden sind, bevorzugen beispielsweise Bären, Leoparden oder Tiger, ihre Zeit alleine zu verbringen.
Wie gesellig ein Tier ist, hängt laut den Forschern von vielen Faktoren wie der Stimmung, dem sozialen Status und den Erfahrungen ab. Wie sehr die Genetik das soziale Zusammenleben prägt, sei jedoch vergleichsweise wenig erforscht worden, schreiben die Studienautoren in ihrer Untersuchung.
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Um herauszufinden, welche Gene die Honigbienen zu ihrem faszinierenden Gemeinschaftsleben motivieren, analysierte das Team die gesamten Geninformationen der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera). Auch welche Gene konkret im Gehirn aktiviert werden, war Teil der Untersuchung.
Gleichzeitig beobachteten die Forscher das Sozialverhalten der Bienen in der Praxis, indem sie erwachsene Honigbienen aus drei Kolonien mit winzigen Strichcodes markierten. Diese konnten sie durch einen gläsernen Bienenstock hindurch mit Kameras automatisch verfolgen und aufzeichnen.
Die Beobachtungen verglichen sie daraufhin mit den entschlüsselten Genen von 357 Bienen – und dadurch 18 genetische Varianten bestimmen, die im Zusammenhang mit einem als „Trophallaxis“ bezeichneten Verhalten stehen. Bei der Trophallaxis teilen Bienen nahrhafte Flüssigkeiten mit ihren Nestgenossen. Mehrere dieser Varianten wurden in zwei Genen, Neuroligin-2 und nmdar2, lokalisiert. Besonders spannend: vergleichbare Gene im Menschen wurden mit Autismus in Verbindung gebracht.
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Uralte molekulare Bausteine des Soziallebens
Die Übereinstimmungen würden Ähnlichkeiten in den genetischen Mechanismen, die dem Sozialverhalten von Menschen und Bienen zugrunde liegen, verdeutlichen, wie es in einem Statement der Forscher heißt. Menschen und Bienen teilten zuletzt vor 600 Millionen einen gemeinsamen Vorfahren. Die genomischen Merkmale würden darauf hindeuten, dass es uralte molekulare Bausteine des Soziallebens gibt, die über Millionen von Jahren der Evolution erhalten geblieben sind – selbst wenn Menschen und Bienen das Sozialleben unabhängig voneinander entwickelt haben, schreiben die Autoren.
Es sei ein zentrales Merkmal aller Gesellschaften, dass Gruppenmitglieder häufig miteinander interagieren, ihre Neigung dazu jedoch unterschiedlich ist. „Soziale Insekten eignen sich ideal für die Verhaltensbeobachtung ganzer Kolonien, und Technologie ermöglicht es uns, das Verhalten jeder einzelnen Biene über den Großteil ihres Lebens hinweg zu überwachen“, zitiert das Statement den Erstautoren Ian Traniello, der am Lewis-Sigler Institute der Universität Stanford zur Evolution des Soziallebens forscht.








