Eidechsen leben heute in allen Größen und Farben in fast jedem Winkel der Erde. Während die kleinste Echsenart in der Dominikanischen Republik nur 3 Zentimeter misst, wird der mächtige Komodowaran in Indonesien bis zu 3 Meter lang und 80 Kilogramm schwer. Obwohl sie den Dinosauriern zum Verwechseln ähnlich sehen, haben sie jedoch eine völlig andere Geschichte – die jetzt durch den Fund des bislang ältesten gemeinsamen Vorfahren aller Echsen ein neues Kapitel bekommt.

So wurde im im Südwesten Englands in der Grafschaft Devon ein 242 Millionen Jahre altes Reptilienfossil gefunden, wie Wissenschaftler der Universität Bristol am letzten Mittwoch erklärten. Der Eidechsen-Vorfahr lebte demnach im Mittleren Trias und war so klein, dass sein ganzer Körper auf eine menschliche Handfläche gepasst hätte. Seine verhätltnismäßig großen Zähne setzte das Tier ein, um Kakerlaken zu jagen.

Eidechsen-Vorfahr besaß „spektakulär große Zähne“

Gefunden wurde das versteinerte Skelett bereits 2015 an einem Strand in Devon. Die Forscher tauften das Tier Agriodontosaurus helsbypetrae, nach der Helsby-Sandsteinformation, in der es entdeckt wurde. Wissenschaftler brauchten Jahre, um herauszufinden, um was für ein Tier es sich handelte. Es sei „anders als alles, was bisher entdeckt wurde“, erklärte Studienleiter Dan Marke von der Uni Bristol in einem Beitrag im Wissenschaftsmagazin „Nature“.

Das Fossil wurde bereits 2015 entdeckt, konnte aber erst jetzt als neue Art bestimmt werden.
Das Fossil wurde bereits 2015 entdeckt, konnte aber erst jetzt als neue Art bestimmt werden. © Thitiwoot Sethapanichsakul

So habe das Tier über „spektakulär große Zähne im Vergleich zu seinen nächsten Verwandten“ verfügt. Zudem gebe es einen Verbindungsknochen zwischen Wange und Kiefer. Damit habe es den harten Panzer von Insekten geknackt, erklärte Studien-Mitautor Michael Benton. Einen derartigen Verbindungsknochen weisen heute nur die in Neuseeland lebenden Brückenechsen (Tuatara) auf, die auch als „lebendes Fossil“ bezeichnet werden.

Agriodontosaurus ist bis zu sieben Millionen Jahre älter als jeder andere bekannte Lepidosaurier, wie die Gattung der Reptilien, zu denen Eidechsen und auch Schlangen gehören, heißt.

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Eidechse lebte auf Superkontinents Pangäa

Wegen seiner geringen Größe - der Schädel ist beispielsweise nur 1,5 Zentimeter breit - war das Fossil für die Forscher schwer zu untersuchen. Zudem ist es in einen großen Felsbrocken eingebettet. Die Wissenschaftler nutzten daher die Forschungseinrichtung European Synchrotron Radiation Facility (ESFR), um das Fossil zu durchleuchten und hochauflösende Bilder von einzelnen Details zu erzeugen.

Die Helsby-Sandstein-Formation, die in der Mittleren Trias entstand, ist eine geologisch unglaublich wichtige Region für Wissenschaftler. Damals war Großbritannien Teil des Superkontinents Pangäa. Das Klima war deutlich heißer und trockener, die Landschaft geprägt von ausgedehnten Flussdeltas und Dünen – ein Lebensraum, der vermutlich vielen kleinen Reptilienarten Nischen bot.

mit afp