„Kinder im Restaurant verboten“ – dieses Konzept ist in den USA keine Seltenheit mehr. Doch in Italien, das als besonders kinderfreundliches Land gilt, löst das Thema Debatten aus. Die Betreiber eines Strandbads in der bekannten Adria-Badeortschaft Milano Marittima hatten sich jüngst Kritik eingehandelt, weil sie einer Familie mit einem fünfjährigen Sohn den Zutritt verweigert hatten.
Der Vater schilderte den Vorfall der Tageszeitung „Gazzetta di Modena“: „Unser Sohn ist es gewohnt, am Tisch sitzen zu bleiben, er stört nicht, braucht keinen Hochstuhl, und wir hatten nie Probleme – auch nicht in Sternerestaurants.“
Restaurantbetreiber in Italien: „Kinder stören Atmosphäre“
Die Strandbad-Betreiber erklärten, dass sie schon seit Jahren nur noch Kinder ab zehn Jahren als Gäste empfangen, sowohl im Restaurant als auch am Strand. Die Begründung: „Unsere Gäste entscheiden sich für unser Lokal, weil sie Ruhe haben wollen.“ Man bediene eben nur ein „bestimmtes Klientel – so wie andere hier auch.“ Aus demselben Grund würden auch keine Geburtstagsfeiern oder Junggesellenabschiede mehr angenommen. „Sie stören die ruhige Atmosphäre. Wir verzichten auf viel Geld, um unser Restaurant zu schützen“, so die Gastronomen.
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Mattia Missiroli, Bürgermeister der Stadt Cervia, unter deren Verwaltung Milano Marittima steht, zeigte sich empört: „Ein Lokal muss öffentlich zugänglich sein, auch für Kinder, es sei denn, es gibt konkrete Gründe für Einschränkungen“. Das Verhalten der Inhaber des Restaurants sei „nicht hinnehmbar“, es schade dem Image des Badeortes, der für alle offen sein sollte.
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Gastronomen verärgert über mangelnde Erziehung
Milano Marittima ist kein Einzelfall. Die „Osteria del Sole“, ein traditionsreiches Lokal im Zentrum der Stadt Bologna, heißt Kinder nicht mehr willkommen. Das macht ein Schild an der Eingangstür unmissverständlich klar: Es zeigt ein Zutrittsverbotssymbol mit der stilisierten Figur einer Mutter, die einen hellblauen Kinderwagen schiebt. Die Betreiber des Restaurants erklärten, dass sie nach mehreren unangenehmen Vorfällen beschlossen hätten, gewisse Grenzen zu setzen. Es handle sich allerdings nicht um ein echtes Verbot, sondern lediglich um eine Empfehlung, lieber ohne Kinder zu kommen.
„Wir haben festgestellt, dass es vor allem die Kinder italienischer Familien sind, die für Unruhe sorgen – vielleicht, weil ausländische Eltern strenger sind oder ihre Kinder besser daran gewöhnt sind, sich in Lokalen zu benehmen“, erklärte der Inhaber des Lokals, Nicola Spolaore gegenüber italienischen Medien. Kinder seien nicht das Problem. Die wahren Verantwortlichen seien die Eltern, „die oft schlecht erzogen sind“.
Für Aufsehen sorgt auch das Lokal „Fraschetta del Pesce“ in Rom. Die Lokalinhaber haben ein Schild mit Kinderverbot am Eingang des Lokals aufgehängt. „Aufgrund unangenehmer Vorfälle, die auf mangelnde Erziehung zurückzuführen sind, ist in diesem Lokal die Anwesenheit von Kindern unter fünf Jahren nicht gewünscht, ebenso wie der Zutritt mit Kinderwagen“, heißt es. Der Fall schlug sofort hohe Wellen und machte binnen weniger Stunden Schlagzeilen.
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Rechtsanwalt: Verbote sind „rechtlich nicht bindend“
Ob Lokale Kinder überhaupt ausschließen dürfen oder nicht, wird in Italien rege diskutiert. Rechtsanwalt Elia Ceriani erklärte gegenüber der Gastronomen-Zeitschrift „La Cucina Italiana“: „Kindern den Zutritt zu einem Restaurant zu verwehren, ist nicht legal. So wie ein Gastronom einem Kunden den Eintritt nicht aufgrund seiner Kleidung verweigern darf, darf er es auch nicht wegen des Alters tun.“
Dennoch geben viele Gastronomen auf ihren Internetseiten Regeln für den Zugang mit Kindern an – und setzen Altersgrenzen fest, unterhalb derer Kinder angeblich keinen Zutritt haben. „Solche Angaben sind rechtlich nicht bindend. Hier geht es nicht um Rechtsfragen, sondern um Erziehung: Man sollte wissen, ob das eigene Kind in der Lage ist, sich in einem bestimmten Umfeld angemessen zu verhalten, ohne andere zu stören“, so der Anwalt.
Auch immer mehr Hotels in Italien werben gezielt mit einem „No Bambini“-Ansatz. Im Internet finden sich Buchungsportale, die ausschließlich Bed & Breakfasts und Ferienwohnungen für Erwachsene anbieten. „Möchten Sie sich auf einer Liege entspannen und ein Buch lesen – ganz ohne Geschrei? Wählen Sie ein kinderfreies Hotel und entdecken Sie die wahre Bedeutung von Entspannung“, lautet ein Slogan.






