Im Laufe des letzten Jahrhunderts gingen Ägyptologen davon aus, dass der Neffe und Nachfolger der Pharaonin Hatschepsut nach deren Tod eine gezielte Kampagne gegen sie führte. Dabei wurden ihre Statuen systematisch zerstört, um ihr Andenken aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen. Eine aktuelle Studie stellt diese lange vertretene Annahme jedoch infrage.

Bedeutsame altägyptische Herrscherin: Die besondere Regierungszeit von Hatschepsut

Hatschepsut, die etwa von 1473 bis 1458 v. Chr. regierte, zählt zu den bedeutendsten Herrscherinnen des Neuen Reiches in der 18. Dynastie. Sie war die Gemahlin und zugleich Halbschwester von Thutmose II. (Regierungszeit ca. 1492–1479 v. Chr.) und wurde nach dessen Tod zunächst als Regentin für ihren Stiefsohn Thutmose III. eingesetzt. Anstatt dauerhaft in dieser Funktion zu verbleiben, ließ sie sich jedoch selbst als Pharao legitimieren und übernahm die volle königliche Macht.

In ihrer Regierungszeit ließ sie zahlreiche monumentale Bauprojekte verwirklichen, darunter ihren berühmten Terrassentempel in Deir el-Bahri bei Theben (heute Luxor), der als architektonisches Meisterwerk gilt. Zudem organisierte sie eine Expedition ins geheimnisvolle Land Punt, das als Quelle kostbarer Handelsgüter wie Weihrauch, Myrrhe, Gold und exotischer Tiere diente, seine genaue geografische Lage ist bis heute umstritten.

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Zerstörung der Statuen: Forscher lösen das uralte Rätsel um Hatschepsut

Nach dem Tod Hatschepsuts wurden jedoch zahlreiche ihrer Statuen, insbesondere in Deir el-Bahri, zerbrochen und in Gruben vergraben. In den 1920er- und 1930er-Jahren entdeckten Archäologen dort zahlreiche Fragmente. Lange galt die Annahme, dass Thutmose III. diese Zerstörungen aus politischer Vergeltung anordnete. Eine aktuelle Studie des Ägyptologen Jun Yi Wong (Universität Toronto) widerspricht dieser Deutung: Die Zerstörungen deuten vielmehr auf eine „rituelle Deaktivierung“ hin, ein gängiges Verfahren im altägyptischen Umgang mit königlichen Statuen.

Wong untersuchte Archivdokumente zu den Funden und stellte fest, dass die Gesichter und Inschriften der Statuen unversehrt blieben. Die Bruchstellen lagen gezielt an Hals, Taille und Füßen – Schwachpunkten, an denen Statuen anderer verstorbener Herrscher ebenfalls zerbrochen wurden. Dies entspricht dem altägyptischen Glauben, dass königliche Statuen als wirkmächtige, beinahe lebendige Wesen galten. Ihre rituelle Deaktivierung diente dazu, ihre symbolische Wirkkraft nach dem Tod des Herrschers zu neutralisieren. Vergleichbare Funde wurden auch an anderen Orten, etwa in der Cachette von Karnak, dokumentiert.

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Keine persönlichen Motive? Was hinter der rituellen Entschärfung der Pharao-Bildnisse stecken könnte

Dies bedeutet jedoch nicht, dass Hatschepsut nach ihrem Tod keiner politischen Verfolgung ausgesetzt war. Dem Ägyptologen zufolge gibt es zahlreiche Belege dafür, dass ihre Namen und Bildnisse an Monumenten im ganzen Land systematisch entfernt wurden. Eine Maßnahme, die zweifellos unter Thutmose III. eingeleitet wurde. Die genauen Motive bleiben jedoch unklar.

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Auffällig ist, dass ihre Statuen in Deir el-Bahri rituell „entschärft“, nicht jedoch zerstört wurden. Dies unterscheidet sich von der gewaltsamen Tilgung ihrer Darstellungen an anderen Orten. Diese Diskrepanz legt nahe, dass die Kampagne gegen Hatschepsut eher politisch als persönlich motiviert war, möglicherweise als Reaktion auf den ungewöhnlichen Umstand einer weiblichen Alleinherrschaft oder auf Druck konservativer Eliten. Auch andere Pharaonenstatuen wurden vergleichbar deaktiviert, was auf etablierte religiös-rituelle Praktiken verweist. Frühere Annahmen, Thutmose III. habe aus persönlicher Feindschaft gegen Hatschepsut gehandelt, erscheinen vor diesem Hintergrund zunehmend unbegründet.