J.K. Rowling, Autorin der Harry Potter Bücher, hat bereits Ende Mai verkündet, mit einer selbst gegründeten Organisation, dem „J.K. Rowling Women's Fund“ Frauen juristisch zu unterstützen, die sich für „geschlechtsbasierte Rechte“ einsetzen und dabei Hilfe benötigen.
Kritikerinnen und Kritiker werfen J.K. Rowling schon seit mehreren Jahren vor, dass sie trans Menschen damit bewusst ausgrenzt, ihre Rechte infrage stellt und rufen nun erneut zum Boykott auf.
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Unterstützen Fans aktiv Transfeindlichkeit, wenn sie jetzt noch Harry Potter lesen?
PRO von Emily Kietsch
Eine klare Haltung haben ist nicht immer bequem
Emily Kietsch, Volontärin in der Funke Zentralredaktion
Harry Potter nicht zu mögen, ist schwer. Die Geschichte des Zauberschülers, der mit seinen Freunden gegen das Böse kämpft, ist Realitätsflucht mit Wohlfühlfaktor. Schließlich kann die Autorin J.K. Rowling verdammt gut schreiben. Doch das Geld, das Fans in Bücher, Filme und Merch stecken, macht Rowling nicht nur zur reichsten Autorin der Welt. Es ermöglicht der 60-Jährigen auch, eine neue Organisation zu gründen, die sich aktiv gegen die Rechte von trans Menschen stellt und sich für sogenannte „biologische Frauen“ einsetzt. In der Vergangenheit fiel Rowling immer wieder mit transfeindlichen Äußerungen auf, bezeichnete trans Frauen als Männer. Ob wir die Britin weiterhin in ihren Projekten und damit auch in ihrer politischen Agenda unterstützen, liegt an uns.
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Na gut, mag man jetzt entgegnen, da sind wieder die „woken Schreihälse“, die alles verbieten wollen. Verboten wird hier gar nichts. Aber wer sagt, Werk müsse man vom Autor trennen, macht es sich einfach zu bequem, wenn die Autorin selbst noch von ihrem Werk profitiert. Darum muss die Frage erlaubt sein: Tut es wirklich so weh, auf den Kauf des nächsten Hogwarts Lego-Schlosses zu verzichten, wenn eine Milliardärin damit ihre menschenfeindliche Hetze finanziert?
Eine klare Haltung zu haben ist nicht immer bequem – vor allem, wenn es um die liebste Kindheitsgeschichte geht. Zumindest die drei britischen Schauspieler von Harry, Hermine und Ron – Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint – haben längst klare Kante gezeigt: Sie distanzierten sich öffentlich von Rowling und ihren Positionen. Vielleicht ist es an der Zeit, es ihnen gleichzutun, den Zauberstab wegzulegen – und stattdessen für eine Welt zu kämpfen, in der alle Menschen willkommen sind. So wie es Harry, Ron und Hermine mit Sicherheit auch getan hätten.
CONTRA von Jörg Quoos
Es war noch nie klug, Kunst in Haftung zu nehmen
Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion
„Freiheit ist die Seele der Kunst“. Dieser Satz klingt wie ein Allgemeinplatz – und doch muss immer wieder für seine Gültigkeit gekämpft werden. Ziemlich intolerante LGBTQ-Aktivistinnen und Aktivisten, die selbst viel Toleranz erwarten, rufen zum Boykott der „Harry-Potter-Bücher“ auf, weil ihre Autorin angeblich gegen Transmenschen agitiert.
Der Vorwurf ist so böse, wie falsch. J.K. Rowling, die es von der alleinerziehenden Mutter mit Sozialhilfe zur milliardenschweren Bestseller-Autorin gebracht hat, gründete 2022 mit Beira’s Place eine Hilfsorganisation und Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt. Rowlings Angebot richtet sich nur an biologische Frauen und nicht an Männer oder Transmenschen, weil sie – selbst Überlebende sexueller Angriffe – den Frauen ein möglichst sicheres Umfeld bieten will. Jetzt folgt eine Stiftung, die Frauen unterstützt, die sich für „geschlechtsbasierte Rechte am Arbeitsplatz, im öffentlichen Leben oder in frauenspezifischen Schutzräumen“ einsetzt.
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Eine solche Stiftung muss niemanden gefallen, aber es ist das gute Recht der Britin, so zu handeln. Es ist ihr Geld. Es ist ihre Überzeugung. Es ist ihre ganz persönliche Erfahrung. Wer für Frauen eintritt, ist nicht automatisch gegen Männer oder Transmenschen. Und wer Rowling „Hetze“ vorwirft, sollte dafür zumindest ein gutes Beispiel haben.
Rowling tritt übrigens nicht nur für Frauen, sondern auch für Flüchtlinge und gegen Rassismus, für Kindergesundheit und für die Bekämpfung Multipler Sklerose ein.
Wer diese außergewöhnlich engagierte und talentierte Frau jetzt mit Bücher-Boykottaufrufen zwingen will, ihre eigenen Überzeugungen über Bord zu werden, erweist der Kunst und der gesellschaftlichen Debatte einen Bärendienst. Es war noch nie klug, Kunst in Haftung zu nehmen. Harry Potter und Hermine erfreuen Millionen Teenager und Erwachsene und sind – wie ihre Schöpferin – zu wertvoll, um als Gesinnungsgeiseln missbraucht zu werden.
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