Der über 3000 Jahre alte Obelisk auf dem Place de la Concorde in Paris rückt erneut ins wissenschaftliche Interesse. Jean-Guillaume Olette-Pelletier, Ägyptologe am Institut Catholique de Paris, hat nach eigenen Angaben bislang übersehene Hieroglyphen entdeckt. Diese seien an eine gebildete Elite gerichtet gewesen und hätten Ramses II. als göttlich legitimierten Herrscher dargestellt – eine subtile Form altägyptischer Propaganda, erklärte der Experte gegenüber „Live Science“.
Forscher ist sich sicher: Wird Ramses II. hier als göttlicher Herrscher dargestellt?
Der Obelisk wurde auf Befehl Ramses’ II. zu Beginn seiner Herrschaft errichtet und stand ursprünglich im Tempel von Luxor. In seinen Inschriften wird der Pharao als „von den Göttern auserwählt“ bezeichnet. Diese Botschaft sei laut Olette-Pelletier gezielt platziert worden, um vom Nil aus gut sichtbar zu sein – insbesondere für adlige Reisende während des Opet-Festes, das jährlich zu Ehren des Gottes Amun gefeiert wurde.
Eine besonders eindrucksvolle Szene zeigt Ramses II., wie er dem Gott Amun Opfer darbringt. Für Olette-Pelletier ein klarer Beleg dafür, dass die Inschriften zur Machtdemonstration gegenüber der Oberschicht dienten.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Noch spannender wird es bei den feinen Details: Der Forscher fand Hinweise darauf, dass bestimmte Hieroglyphen je nach Leserichtung verschiedene Bedeutungen haben könnten – etwa eine Kombination aus dem Thronnamen Ramses’ und einer Botschaft über sein angeblich ewiges Leben. Diese Mehrdeutigkeit sei bewusst eingesetzt worden, um mehreren Interpretationsmöglichkeiten Raum zu geben.
- Aktuelle Nachrichten aufs Handy? Hier geht es zur neuen WAZ-News-App – für Android und iOS.
- Die WAZ auch bei Social Media – ob WhatsApp, Instagram oder Facebook.
- Sie mögen den Tag kompakt zusammengefasst? Dann sind Sie beim täglichen WAZ-Newsletter richtig – hier entlang.
Obelisk aus Luxor: Fachwelt bleibt skeptisch gegenüber neuer Deutung
Doch nicht alle Ägyptologen teilen diese Einschätzung. Filip Taterka, Professor an der Polnischen Akademie der Wissenschaften, bezweifelt, dass die Inschriften nahe der Spitze des 23 Meter hohen Obelisken für Bootsreisende überhaupt sichtbar gewesen sein könnten. Auch andere Fachleute mahnen zur Vorsicht und wollen die Thesen erst nach Veröffentlichung der vollständigen Studie in der Fachzeitschrift „Égypte Nilotique et Méditerranéenne (ENiM)“ bewerten, wie „Live Science“ berichtet.






