Feierliche Stimmung auf dem Petersplatz. Dort, im Herzen des Vatikans, im Machtzentrum der römisch-katholischen Kirche, hat Papst Leo XIV. am Sonntag den mit erst 15 Jahren verstorbenen Carlo Acutis heiliggesprochen. Besonders ungewöhnlich: Unter den rund 100.000 Gläubigen, die der Zeremonie beiwohnten – selbst für den Vatikan eine hohe Zahl – waren auch die Geschwister und die Eltern des neuen Heiligen. Denn dessen Tod liegt nur 19 Jahre zurück.
Nur selten erleben die nächsten Angehörigen eines Katholiken dessen Heiligsprechung. Doch Wunder gibt es immer wieder. In der Katholischen Kirche braucht es genau zwei davon, um vom Papst heiliggesprochen zu werden. Diese werden Acutis, dem sogenannten „Influencer Gottes“, zugesprochen. Und so wurde er nun ins Martyrologium Romanum aufgenommen. Dort hat die Katholische Kirche ihre Heiligen aufgelistet, meist mit kurzen Angaben zu ihren Lebens- und Todesumständen.
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Carlo Acutis heiliggesprochen: Papst Franziskus leitete das Verfahren ein
Es war noch Papst Franziskus, der dem italienischen Jugendlichen ein zweites Wunder zuschrieb und damit den Weg zur Heiligsprechung frei machte. Nun hat sein Nachfolger Leo XIV. den zugehörigen Ritus vollzogen. Acutis, 1991 geboren, ist damit der erste sogenannte Millenial, dem diese Ehre zuteilwird. Als Millenials werden Menschen bezeichnet, die im Zeitraum der frühen 1980er bis zu den späten 1990er Jahren geboren wurden.
Das für den Prozess der Heiligsprechung notwendige zweite Wunder soll sich 2022 auf Fürsprache des damals bereits verstorbenen Acutis zugetragen haben. Valeria Valverde, eine Studentin aus Costa Rica, soll sich demnach bei einem Sturz mit dem Fahrrad in Florenz eine lebensbedrohliche Kopfverletzung zugezogen haben. Ihre Mutter pilgerte daraufhin zu Acutis‘ Grab in Assisi und betete für die Genesung ihrer Tochter. Noch am selben Tag soll diese angefangen haben, wieder selbstständig zu atmen. Wenig später konnte sie aus dem Krankernhaus entlassen werden.
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Heiliung durch Carlo Acutis? Diese Wunder werden ihm zugesprochen
Bereits im Oktober 2020 war Acutis in Assisi seliggesprochen worden. Grundlage dafür war ein weiteres anerkanntes Wunder. Dieses soll sich 2010 an einem brasilianischen Jungen ereignet haben, der an einer angeborenen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse litt. Der Junge habe bei einer Andacht in Assisi ein als Reliquie verehrtes T-Shirt von Acutis berührt, woraufhin er geheilt worden sei, hieß es.
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Ob man an Wunder glaubt oder diese als Hokuspokus abtut – mit Carlo Acutis wurde ein außergewöhnlicher Mensch in die Liste der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen. Er wuchs in der Nähe von Mailand auf und zeigte schon als Kind eine tiefe Frömmigkeit, gepaart mit einer erstaunlichen Begabung für Informatik. So soll er schon als Zehnjähriger Algorithmen geschrieben und ein Online-Verzeichnis sogenannter eucharistischer Wunder zusammengestellt haben. Nach seinem frühen Tod an Leukämie am 12. Oktober 2006 bezeichneten ihn verschiedene Medien deshalb auch als „Cyber-Apostel“ oder „Influencer Gottes“. Acutis wurde in der Basilika Santa Maria Maggiore in Assisi bestattet, wo er auch verehrt wird.

Die endgültige Entscheidung über die Heiligsprechung traf schließlich ein noch von Papst Franziskus einberufenem Konsistorium. Der Prozess dieser sogenannten Kanonisierung ist in der Katholischen Kirche streng geregelt. Für eine Heiligsprechung muss eine Person in der Regel den Märtyrertod gestorben sein oder nachweislich zwei Wunder vollbracht haben.
Allerdings hat sich die Zahl der Kanonisierungen seit dem Pontifikat von Johannes Paul II. (1978 bis 2005) rasant vervielfacht. Der polnische Papst sprach 483 Verstorbene heilig, bei seinem Nachfolger Benedikt XVI. waren es 45. Papst Franziskus brachte es in seiner Amtszeit auf über 900 Heiligsprechungen, wobei zu berücksichtigen ist, dass darunter allein alle 813 Opfer des Massakers von Otranto im Jahr 1480 sind. Damals hatten die Osmanen die Bewohner des süditalienischen Städtchens enthaupten lassen, weil sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren.
Ebenfalls heiliggesprochen wurde am Sonntag Pier Giorgio Frassati. Der Italiener starb im Jahr 1925 im Alter von 24 Jahren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, setzte sich aber schon seit frühester Jugend für die Armen ein. Nach einem Besuch in einem Elendsviertel erkrankte er an Polio und starb nach nur wenigen Tagen.




