Der Wuppertaler Gerd Nickoleit (82) hat seine Lebensaufgabe im fairen Handel gefunden. Und auch seine Rente hält ihn nicht davon ab, seine Vision von einer gerechten Welt weiter zu verbreiten. Seine Reise ist untrennbar mit der Geschichte des Wuppertaler Unternehmens Gepa verwoben. Denn Nickoleit hat die Fair-Trade-Organisation vor 50 Jahren mitgegründet.
Lesen Sie auch
GEPA: Aus Wuppertal für eine gerechte Welt
Sein Engagement für einen alternativen Handel, der den Produzenten im Globalen Süden zu fairen Preisen verhilft, kommt nicht von ungefähr – es ist das Resultat seiner eigenen Reisen und Erfahrungen als Entwicklungshelfer. In den 60er- und 70er-Jahren im Iran und in Vietnam wurde ihm klar: Hilfe allein reicht nicht, um zu verändern. Was es braucht, ist politisches Engagement.
Eine Idee war geboren, die später in der Gepa resultierte. Nickoleit beschreibt das Unternehmen als „die Chance, die Ungerechtigkeiten des globalen Handels zu bekämpfen“. Bei der Gründung lag der Fokus auf den Menschen und deren Geschichten. „Der faire Handel muss den Produzenten ein Gesicht geben“, betont er. „Das war der Ausgangspunkt für alles, was wir seitdem erreicht haben.“
weitere Videos
Bis zu seiner Rente 2008 war er Leiter der Grundsatzabteilung, er selbst bezeichnet sich als „ethischer Geschäftsführer, mit dem Recht zu bellen, aber nicht zu beißen“. Er habe dafür gekämpft, den Herstellern in den Anbauländern nicht nur die Möglichkeit zu bieten, ihre Produkte zu verkaufen, sondern auch durch Bildung und Fairness die eigene Lebenssituation zu verbessern.
Gerd Nickoleit hat 88 Länder bereist
Gerd Nickoleit war immer auf Achse: Besonders stolz ist der 82-Jährige auf die zahlreichen langfristigen Partnerschaften, die er in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat. Aber auch die persönlichen Erlebnisse seiner vielen Reisen haben ihn geprägt – und letztlich auch dazu bewegt, seine Vision in die Realität umzusetzen. „Es ist toll, überall Freunde zu haben“, sagt Nickoleit. Da müssen einige zusammenkommen, denn er hat in seinem Leben schon 88 Länder bereist.

Am besten gefällt ihm Mexiko, vor allem wegen der Menschen: „Sie haben und wahren ihre eigene Identität und bleiben sich selbst treu.“ Diese Antwort scheint auch sinnbildlich für die Gepa zu stehen, die Nickoleit mit aufgebaut hat.
Herausforderungen und politische Verantwortung
In den Gesprächen zur Zukunft des fairen Handels ist Nickoleit nicht blind für die Herausforderungen, die es nach wie vor gibt. Er macht deutlich, dass fairer Handel vor allem politische Unterstützung benötigt:
- „Das Lieferkettengesetz ist ein erster Schritt, um fairere Handelsbeziehungen zu schaffen und Unternehmen haftbar zu machen. Doch wir brauchen mehr Druck und Verantwortung aus der Politik.“

Seine Ansichten spiegeln sich auch in der Mitgliederstruktur der Gepa wider, die sich einer Vielzahl von zivilgesellschaftlichen Organisationen angeschlossen hat, um die Prinzipien des fairen Handels weiter voranzutreiben. Nickoleit ist fest überzeugt, dass die Basis der Gepa nicht nur im Produkt, sondern auch in ihrer Netzwerkstruktur liegt. Und er ist stolz darauf, was seit der Gründung alles angestoßen wurde, „aber es gibt immer noch viel zu tun.“
Lesen Sie auch
Die Gepa will eine gerechtere Welt schaffen
Am 14. Mai 1975 nahm die Gepa und vielleicht auch Nickoleits Lebenswerk in einer Wohnung in Wuppertal-Barmen ihren Anfang. Schnell wurde aus dieser kleinen Initiative ein bedeutender Akteur im fairen Handel. Und die drei Ziele, die sich die Gepa damals setzte, gelten noch heute:
- Die Produzenten im Globalen Süden unterstützen,
- Bildungs- und Bewusstseinsarbeit leisten, also aufklären und
- politischen Einfluss nehmen.
Als Gerd Nickoleit 2008 in den Ruhestand ging, hinterließ er ein Unternehmen, das in den vergangenen 50 Jahren gewachsen ist und sich weiterentwickelt hat. Doch seine Vision bleibt präsent – in den Werten und der Mission der Gepa. „Es geht nicht nur um fairen Handel“, fasst Nickoleit zusammen, „es geht darum, eine gerechte Welt für alle zu schaffen.“
Mehr aus Wuppertal
- Beyenburg und die Flut: Eine Nacht, die den Ort verändert hat
- „Wuppertal auf die Karte“: Wuppertaler Ultra-Läufer hat in vier Tagen 623 Kilometer geschafft
- Hass gegen Miriam Scherff: „Da rechnet inzwischen jeder mit“







