Er gilt als der bedeutendste Fachwerk-Künstler der Region. Mit einem besonderen Vortrag unter dem Titel „Balken sprechen“ erinnert der Wittgensteiner Heimatverein am kommenden Samstag, 9. Mai, ab 16.30 Uhr an der Schulkapelle Sassenhausen an den Wittgensteiner Baumeister Mannus Riedesel.
Am 4. November des Jahres 1726 – also vor bald 300 Jahren – starb Herrmann (Mannus) Riedesel in seinem 64. Lebensjahr in der Melbach. Bereits am Tag darauf wurde er in Raumland beerdigt. Er hinterließ seine zweite Frau Anna Katharina und seinen Hof in der Melbach. Drei seiner Kinder und über ein Dutzend Enkel überleben ihn und führen die Familienlinie weiter.

Den heute lebenden Menschen hinterlässt Riedesel sein eigenes Denkmal in Form von einzigartigen Fachwerkbauten, die bis heute die Jahrhunderte überdauert haben. Dazu zählen die Kapelle in Sassenhausen, das Stolz’sche Haus in Bad Laasphe, der Hof Dambach und der prachtvolle, ältere Teil der Ludwigsburg in Bad Berleburg.

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Aber wer war dieser Mannus Riedesel, der so einzigartig aus den Baumeistern seiner und der nachfolgenden Generationen herausragt?
Was wissen wir über Riedesel?
Als sicher gilt, dass er ein Nachfahre des alten hessischen Rittergeschlechts der „ReitEsell“ (so eine der vielen Schreibweisen des Familiennamens) war, ebenso wie die Tatsache, dass seine Nebenlinie der Riedesel in Wittgenstein großes Ansehen genoss und er dem Adel möglicherweise näher stand als den Bauern, das wird zumindest vermutet.

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Aber ein Bauer, der seinen Hof bewirtschaftet und seine Scheune in der Melbach selbst zimmert, war Riedesel eben auch. Bereits mit 17 Jahren wurde er Halbwaise und führte von da an mit seiner Mutter und den Geschwistern den Hof ohne den Vater weiter. Doch nur wenige Jahre später, mit nicht mal 30 Jahren, bekam er den Auftrag des Fürsten Wilhelm Moritz von Nassau-Siegen an der Hilchenbacher Burg zu bauen.
Wer in der Region auf sich hält und sich das leisten kann, der holt sich ab jetzt und in den Folgejahren diesen Wittgensteiner „Stararchitekten“ mit der einzigartigen Handschrift. Und dies obwohl der Baumeister Mannus Riedesel teuer und möglicherweise nicht nur ein einfacher Zimmermann war.

Darum geht es im Vortrag
Der Wittgensteiner Heimatverein möchte noch mehr spannende Fragen im Rahmen des Riedesel-Jahres 2026 stellen und Antworten suchen. Hierzu wird der Verein zu verschiedenen Veranstaltungen im Laufe des Jahres einladen, die auch reichlich Gelegenheit geben werden, die Werke von Mannus Riedesel unter fachkundiger Führung zu bestaunen.
Nach der Einweihung des Riedesel-Gedenksteins am 7. März 2026 lädt der Wittgensteiner Heimatverein in Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Raumland am Samstag, 9. Mai, um 16.30 Uhr in Sassenhausen zur zweiten Veranstaltung des Riedesel-Jahres 2026 ein, gemeinsam mit dem Dritten Ort der Stadt Bad Berleburg.

Bei dem Vortrag von Bernd Geier von Salisch am Samstag zum Thema der besonderen Handschrift des Baumeisters Mannus Riedesel wird es an der Kapelle in Sassenhausen um die dort besonders innen im Gebäude erkennbaren Grundstrukturen gehen, die, mathematischen Prinzipien folgend, für Riedesel kennzeichnend sind.
Ausgehend vom Inneren findet sich diese Handschrift dann auch am gesamten Gebäude wieder. Diese klaren mathematischen Gestaltungsprinzipien sind zwar zur damaligen Zeit bekannt und wohl auch zunehmend modern gewesen, für einen Zimmermann in unserer Region jedoch sind sie recht ungewöhnlich und vermutlich einzigartig. Ein weiteres, bislang noch nie veröffentlichtes Indiz also, dass Mannus Riedesel vermutlich nicht nur ein einfacher Zimmermann war.
Begleitend wird Dr. Johannes Burkardt einen kurzen Hintergrundvortrag zur Person Mannus Riedesel halten.
Der Vortrag ist öffentlich für jedermann. Der Eintritt ist frei.




