Ich bin offenbar ein Glückspilz. Laut einer aktuellen Umfrage flippen 22 Prozent der Deutschen beim Möbelaufbau aus. Bei weiteren 24 Prozent ist die Stimmung zumindest angespannt. Ich gehöre normalerweise zu keiner dieser Gruppen. Ich bin beim Möbelaufbau tiefenentspannt. Fast schon meditativ.

Ich habe nämlich eine ganz einfache Strategie: Ich lese die Aufbauanleitung.

Klingt spießig, ich weiß. Aber ich halte mich beim Möbelaufbau lieber an Menschen, die sich hauptberuflich damit beschäftigen, mir zu erklären, welches der 234 mitgelieferten Teile wohin gehört, als an meine eigene Intuition.

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Genau einmal in meinem Leben bin ich beim Möbelaufbau wirklich ausgeflippt: beim gemeinsamen Aufbau eines Schranks mit meinem Schwiegervater. Ich wollte die Anleitung lesen! Er winkte ab! „Ist doch alles selbsterklärend!“

Am Ende waren zwei Bretter übrig. Für deren Einbau mussten wir den kompletten Schrank wieder auseinandernehmen. Seitdem weiß ich: Eine Aufbauanleitung zu lesen, ist keine Schwäche. Sie ist so etwas wie ein Friedensvertrag. Und mein Schwiegervater weiß das nun auch.

Frank Selter Autorenprofil-Bild intern
Frank Selter © Funke Medien NRW | Privat