Die künftige Energieversorgung der Wirtschaft war Thema im Struktur- und Wirtschaftsausschuss des Märkischen Kreises. Für Unternehmen entscheidet sie zunehmend darüber, ob Investitionen möglich sind und ob die Produktion am Standort bleibt.
Vorgestellt wurde das Energieversorgungskonzept Märkischer Kreis von Robert Schwarz, Associate Director und Prokurist bei KPMG Berlin. Gemeinsam mit regionalen Partnern hat KPMG den Energiebedarf der Wirtschaft analysiert und daraus mögliche Entwicklungen für die kommenden Jahre abgeleitet. Das Projekt startete im Oktober 2025 und wurde im Juni 2026 abgeschlossen. Nun stehen die Ergebnisse fest.

Menden braucht viel Energie

Eine zentrale Erkenntnis der Analyse: Menden, Iserlohn, Lüdenscheid und Plettenberg vereinen rund zwei Drittel der Energienachfrage im Märkischen Kreis. In diesen Städten ist zugleich ein großer Teil der energieintensiven Industrie angesiedelt, darunter Unternehmen aus der Eisen- und Stahlindustrie, der Nichteisenmetallerzeugung sowie der Herstellung von Metallerzeugnissen.

Für die Untersuchung wurden gemeinsam mit der Kreisverwaltung, der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS), Energie- und Netzbetreibern sowie weiteren Partnern 36 besonders energieintensive Unternehmen befragt.

Versorgungssicherheit spielt große Rolle

Die befragten Unternehmen stehen für rund 24 Prozent der gewerblich-industriellen Stromnachfrage und etwa 40 Prozent der Erdgasnachfrage im Märkischen Kreis. Damit liefert die Befragung nach Angaben des Kreises eine belastbare Grundlage für die Frage, wo künftig Infrastruktur gebraucht wird und welche Energieträger für die Wirtschaft eine Rolle spielen können.

Bei der Befragung wurde deutlich, dass die Unternehmen nicht nur darauf schauen, ob Energie verfügbar ist, sondern vor allem darauf, was sie kostet und wie zuverlässig sie zur Verfügung steht. An erster Stelle stehen die Energiepreise. Sie lassen sich auf regionaler Ebene allerdings nur begrenzt beeinflussen. Umso wichtiger sind aus Sicht der Unternehmen die Punkte, bei denen vor Ort Gestaltung möglich ist. Dazu gehören die Versorgungssicherheit, die Verfügbarkeit und der Ausbau der Infrastruktur sowie eine bessere Orientierung bei Fördermitteln. Gerade beim letzten Punkt zeigt sich ein praktischer Bedarf: Unternehmen wollen wissen, welche Fördermöglichkeiten es gibt, wann sie verfügbar sind und was für eine Antragstellung erforderlich ist.

Drei Szenarien unter die Lupe genommen

Wie sich der Energiemix im Kreis entwickeln könnte, wurde anhand von drei Szenarien betrachtet. Das Szenario „Kontinuität“ geht von einer nur begrenzten Transformation aus, Elektrifizierung und Biomethan spielen eine Rolle. Beim Szenario „Technologiemix“ kommt es langfristig zu einem deutlichen Hochlauf von Strom und Wasserstoff, Biomethan ergänzt den Energiemix. Das Szenario „Elektrifizierung“ setzt stark auf Strom und eine weitgehende Elektrifizierung der Energieversorgung, auch hier bleibt Biomethan ein wichtiger Baustein.

Eine der entscheidenden Fragen lautet, ob die Umstellung bis 2035 gelingen kann. Die Untersuchung zeigt, dass der Zeithorizont von zehn Jahren für eine solche Transformation sehr ambitioniert ist. Wasserstoff sollte demnach als langfristige Option berücksichtigt werden. Eine zentrale Schlussfolgerung des Konzepts ist, dass die künftige Energieversorgung nicht auf einen einzigen Energieträger setzen kann. Wo Prozesse elektrifiziert werden können, sollte die direkte Nutzung von Strom im Vordergrund stehen. Für Anwendungen, bei denen eine Elektrifizierung technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, bleiben gasförmige Energieträger relevant. Biomethan kann dabei eine Ergänzungsfunktion übernehmen.

Fördermöglichkeiten besser zugänglich machen

Mit der Vorstellung der Ergebnisse ist die Arbeit nicht abgeschlossen. GWS, SIHK und Kreisverwaltung sollen weiterhin eine tragende Rolle übernehmen. Es geht unter anderem darum, Fördermöglichkeiten besser zugänglich zu machen und Wissenslücken zu schließen. Auch Pilotprojekte sollen stärker in den Blick genommen werden. Erfolgreiche Beispiele aus der Region können zeigen, was bereits funktioniert und welche Lösungen sich übertragen lassen. Geplant sind deshalb Formate für Wissenstransfer, Austausch und gemeinsames Lernen.