Mehr als 100 Jahre lang gehörten Schulwandkarten zum Unterricht in Fächern wie Geschichte, Religion, Biologie, Erdkunde und Technik. „Die beeindruckenden Darstellungen waren Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes und ermöglichten die Bildung, aber auch eine Ideologisierung der Schulkinder“, erklärt Kreisarchivarin Christiane Todrowski. Heute verdrängen interaktive digitale Tafeln die Wandkarten zunehmend. Um sie für nachkommende Generationen zu bewahren und zugänglich zu machen, hat das Kreisarchiv des Märkischen Kreises seine Sammlung digitalisieren lassen.
Größte Sammlung in NRW
Mit rund 2000 Exemplaren besitzt das Kreisarchiv in Altena nach eigenen Angaben die größte Sammlung historischer Schulwandkarten in Nordrhein-Westfalen. Sie stammen ausschließlich aus Schulen des Märkischen Kreises und aus den Jahren 1890 bis 1970. Betreut wird die Sammlung von Rosalia Martynow. Die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste hat zuvor bereits die knapp 4000 Exemplare umfassende Sammlung historischer Schulbücher verzeichnet.

Die Motive lassen sich ab sofort in der Mediendatenbank des Kreisarchivs ansehen. „Im digitalen Zeitalter sind Kinder kaum noch mit Bildern aus fernen Ländern zu beeindrucken. Fernsehen, Urlaubsreisen in weit entferntere Länder und die Möglichkeiten des Internets bieten weitaus mehr Informationen für sie. Wie aufregend muss es jedoch für ihre Urgroßeltern gewesen sein, durch Schulwandkarten und Bilder in Schulbüchern von der Welt außerhalb ihres Dorfes oder ihrer Stadt zu erfahren? Sie konnten exotische Tiere sehen, lernten, wo und wie Schokolade, Kaffee und Tabak angebaut wurden, oder sich in prachtvolle Märchenbilder hineinträumten“, sagt Martynow.
Mehrere Quadratmeter große Karten
Als es noch keine Dia-Projektoren, Beamer oder digitalen Tafeln gab, konnte das Lehrpersonal im Biologie-, Naturkunde- und Physikunterricht nur auf Schulwandtafeln oder Anschauungskästen mit arrangierten Präparaten zurückgreifen. Diese zeigten beispielsweise konservierte Insekten, Früchte und Vögel. Gerade im ländlichen Raum vermittelte der Unterricht auf diesem Weg Kenntnisse über Schädlinge in Wald und Flur.

Digitalisiert hat die Schulwandkarten der Münsteraner Kunstfotograf Roland Pieper. Einzelne Karten sind mehrere Quadratmeter groß. Neben den Karten lichtete Pieper auch die Schau- und Lehrmittelkästen ab.
Zu sehen sind die Schulwandkarten in der Mediendatenbank des Kreisarchivs unter medien.maerkischer-kreis.de. Informationen zu der historischen Lehrsammlung gibt Christiane Todrowski, Märkischer Kreis, Fachdienst Kultur und Tourismus, Bismarckstraße 21, 58762 Altena, Telefon 02352 966-7055, E-Mail c.todrowski@maerkischer-kreis.de.


