Viele kennen die Heilkenstraße als wichtige Verbindung auf dem Weg von Grundschöttel zur Ortsmitte von Volmarstein oder umgekehrt. Entsprechend ihrer Bedeutung, so ließe es sich etwas ketzerisch formulieren, hat sich in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Streit um die dortige Fahrbahn und die schwierigen Verhältnisse für Fußgänger sowie Radfahrer entwickelt. Zwischenzeitlich gab es bekanntlich auch noch Ärger wegen eines technischen Bauwerks auf dem angrenzenden Spielplatz. An diesem Mittwoch nun beschäftigt sich der Umwelt-, Klima- und Verkehrsausschuss mit einem konkreten Beschlussvorschlag beziehungsweise einer Vorzugsvariante der Stadt Wetter zum geplanten Straßenausbau.

Ab 17 Uhr können auch Zuschauer im Veranstaltungszentrum am Bahnhof in der öffentlichen Sitzung verfolgen, welche Ansätze der städtische Fachdienst für die obere Heilkenstraße und Einrichtung einer Radverkehrsführung verfolgt. Es geht um eine Sanierung des Abschnitts zwischen den Abzweigen zur Schillerstraße und Auf der Höhe. Einleitend heißt es zum Anlass: „Aufgrund der schlechten Grundsubstanz ist eine Erneuerung im Vollausbau erforderlich.“

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In der Vorlage folgen weitere Erläuterungen zur Ausgangslage und die Erkenntnis, dass wegen der erheblichen Schäden in der Fahrbahn und den Gehwegen keine einfache Deckensanierung erfolgen kann, sondern eine große Maßnahme zu einer langfristig stabilen und sicheren Verkehrsinfrastruktur anstehe. Da die Heilkenstraße auch eine wichtige Verbindung im Alltagsradwegenetz darstelle, soll das beauftragte Ingenieurbüro auch diesen Planungsaspekt berücksichtigen. In der Entwurfsplanung haben die Beteiligten demnach verschiedene Varianten untersucht. Entsprechend der früheren Diskussionen im Fachausschuss haben sich auch bei den drei Ansätzen Vor- und Nachteile ergeben.

Variante 1: Fahrradstraße

Zur vollständigen Asphalterneuerung gesellt sich in diesem Modell eine Umgestaltung als Fahrradstraße, so dass Pedaltreter auf dieser 6,25 Meter breiten Strecke Vorrang gegenüber Kraftfahrzeugen hätten. Diese klare Priorisierung könnte gewissermaßen Radfahrende anlocken, somit würden weniger Pkw oder Lkw Motorenlärm und Abgase verursachen. Vorteile ergeben sich dadurch laut Stadtverwaltung auch für den Kinderspielplatz, ein separater Längsparkstreifen ließe sich anlegen.

Stichwortartig nun einige Nachteile dieser Variante: hohes Längsgefälle für eine Fahrradstraße, Bergabfahrende erreichen hohe Geschwindigkeiten, Konfliktpotenzial mit Autofahrern und den Bussen, Umfahrung der Heilkenstraße würde andernorts zu mehr Pkw-Verkehr führen.

Variante 2: Schutzstreifen

Die städtischen Verkehrsfachleute habe Pläne mit einem ein- oder beidseitigen Schutzstreifen nicht weiterverfolgt, da bei beiden Lösungsansätzen dort stehende Bäume weichen müssten. Für eine gestrichelte Markierung zur Trennung von Radfahrern und Kfz brauche es den Angaben zufolge eine bestimmte Breite. Zur Verfügung stehen an der Heilkenstraße maximal 6,25 Meter, nötig seien aber mindestens 6,75 oder 8,25 Meter, zudem müsste der Grünstreifen komplett entfallen.

Der Fachdienst Umwelt und Verkehr listet bei dieser Variante zwei Pluspunkte (Verkehrssicherheit für Radfahrende, weniger Einschränkungen für den Autoverkehr gegenüber einer Fahrradstraße) sowie deutlich mehr Nachteile auf, beispielsweise bliebe kein Platz für einen Längsparkstreifen.

Vorzugsvariante 3 mit neuen Verkehrselementen

Die Stadt Wetter bevorzuge einen 6,25 beziehungsweise 6 Meter breiten Fahrbahnausbau mit geschwindigkeitsdämpfenden Elementen inklusive Plateaus und Einengungen. Auf die Markierung von Piktogrammketten lasse sich verzichten, um Radfahrende nicht an den Straßenrand zu drängen (dafür bräuchte es noch eine abschließende Prüfung). Laut Vorgaben müsse die Verwaltung auch keine zusätzlichen Angebote für Pedaltreter einrichten. „Durch die Anlage von separaten Längsparkstreifen ist für die Radfahrenden eine nahezu geradlinige Befahrbarkeit ohne Hindernisse durch parkende Fahrzeuge gegeben“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Volmarstein
Dieser Querschnitt der Heilkenstraße zeigt die Vorzugsvariante der Stadtverwaltung© WP | Stadt Wetter

Es folgen fünf Vorteile wie unter anderem eine effiziente Nutzung des Verkehrsraums oder die Berücksichtigung der Belange von Radfahrenden wie auch von Kfz (plus sicherer Pkw-Ausstieg auf der Spielplatzseite). Als Gegenargument nennt der Fachdienst, dass es bei dieser Variante keinen zusätzlichen beziehungsweise expliziten Schutz für Pedaltreter gebe.

Allgemeine Voraussetzungen

In den Varianten sei jeweils die Erneuerung von insgesamt circa 3000 Quadratmetern Fahrbahn und rund 2000 Quadratmetern Gehwegfläche (auf beiden Seiten ungefähr 2,25 Meter breit) geplant. In der definierten Ausbaustrecke habe die Stadtverwaltung an verschiedenen Tagen bis zu 15 parkende Fahrzeuge auf der Heilkenstraße gezählt. In der Planung habe der Fachdienst für die Varianten 1 und 3 jetzt insgesamt 29 Stellplätze vorgesehen, 21 davon in Parkbuchten, fünf nahe dem Spielplatz und drei im Umfeld der Bushaltestelle, die barrierefrei umgebaut werden soll und neue Bordsteine sowie taktile Elemente erhalte.

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Die Tempo-30-Beschilderung würde bei Variante 2 oder 3 bestehen bleiben, wobei eine Beschilderung als Fahrradstraße in der Variante 1 ebenfalls eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h vorgebe. Die überdimensionierten Flächen an den Einmündungen zur Körner- und Schillerstraße wollen die Planer verringern, um die Sicherheit für querende Fußgänger deutlich zu verbessern. Zudem sollen zwei Querungsstellen durch den Einbau von taktilen Elementen und Bordsteinsabsenkungen die Barrierefreiheit erhöhen. Ein neuer Fußgängerüberweg sei nicht nötig, da recht wenige Passanten dort her wollten. Neue Schwellen, Verkehrsplateaus und Einengungen dienen demnach auch zur Sicherheit insbesondere von Kindern.

All das koste etwas mehr als zwei Millionen Euro, Bauarbeiten sollen 2027 erfolgen. Die Entwurfsplanung berücksichtige auch den politischen Beschluss, dass bei der Umgestaltung der Heilkenstraße zwei Querungshilfen für Fußgänger am jetzigen Ort bleiben. Gleiches gelte für die Verlangsamung des Verkehrs durch Aufpflasterungen, was künftig vier sogenannte Verkehrsplateaus sicherstellen sollen. Dagegen lasse sich eine gewollte Entsiegelung „nur im begrenzten Umfang“ umsetzen.