Hinweis auf drastische Probleme: Die hiesige CDU beantragt bei der städtischen Verwaltung Informationen, wie sich „eine allgemein wahrnehmbare Zunahme von Gewalt im Kindes- und Jugendalter konkret in den Einrichtungen in Herdecke widerspiegelt“. So steht es in einem Text, den die Fraktionen in einer gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfeausschusses sowie des Gremiums für Schulen, Kultur und Sport an diesem Dienstag laut Tagesordnung besprechen. Dazu passt eine Vorlage der Stadt, die die Schulsozialarbeit ausweiten will und das am 19. Mai zur Abstimmung stellt.

Mobbing im Schulalltag

Auch der Antrag der CDU weist auf Schwierigkeiten im Umfeld von Kindern und Jugendlichen hin. Die Fraktion bittet Herdeckes Schulleitungen, in besagter Sitzung über ihre Erfahrungen, Einschätzungen und bestehenden Maßnahmen im Umgang mit allen Formen von Gewalt oder Mobbing beziehungsweise Cybermobbing zu berichten. Daraufhin sollen sich im Anschluss beteiligte Gremien zu diesem Thema äußern. Die Blickrichtung gehe dabei in Richtung Sicherheit im schulischen Alltag, im Offenen Ganztag sowie in Einrichtungen der Jugendarbeit.

Schulleitungen einbinden

„Vor dem Hintergrund einer zunehmend wahrgenommenen Verschärfung von Konflikten im Kindes- und Jugendalter ist es notwendig, die konkrete Situation in Herdecke differenziert zu betrachten. Insbesondere Mobbing und Cybermobbing stellen neue Herausforderungen dar, die über klassische Konfliktformen hinausgehen“, schreibt die CDU. Die Einbindung der Schulleitungen sei von zentraler Bedeutung, da diese unmittelbare Einblicke in den Alltag sowie in bestehende Präventions- und Interventionsmaßnahmen haben.

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Ergänzend hält es die CDU für erforderlich, auch die Perspektiven der Kinder und Jugendlichen systematisch zu erfassen. Ihr Sicherheitsempfinden und ihre Erfahrungen liefern demnach wichtige Hinweise für die Bewertung der Situation. In enger Abstimmung mit allen beteiligten Akteuren sollen abgestimmte Konzepte und klare Schnittstellen entstehen, um Schutzlücken zu vermeiden und wirksame Strategien zu entwickeln. „Ziel des Antrags ist es, auf Grundlage dieser Erkenntnisse eine gemeinsame, fachlich fundierte Beratung zu ermöglichen und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zur Stärkung von Prävention, Intervention und Sicherheit in Herdecke zu entwickeln“, so die Fraktion.

Inhaltlich knüpfen diese Zeilen an eine Einschätzung der Stadt Herdecke zur Ausweitung der Schulsozialarbeit an. Die habe sich hier seit Jahren etabliert. Aktuell teilen sich demnach das Friedrich-Harkort-Gymnasium und die Realschule am Bleichstein absprachegemäß 30 Wochenstunden zu gleichen Teilen. In den Grundschulen gebe es eine Sozialarbeit dank Fördermitteln des Programms „Aufholen nach Corona“ seit 2021. Damals habe eine Vollzeitkraft vier Herdecker Einrichtungen betreut, mittlerweile gehen laut Mitteilung zwei Kräfte mit je 30 Stunden in je zwei Grundschulen. Somit besteht nach Angaben der Verwaltung an allen städtischen Schulen ein Angebot von 15 Wochenstunden.

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Von der Schulsozialarbeit liegt nun ein Bericht mit vielen Themen auf 34 Seiten vor. Zentrale Erkenntnis: In den mit den Schulleitungen geführten Reflexionsgesprächen wurde deutlich, dass die Unterstützung durch die Sozialarbeit aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sei. Demnach betonen die verantwortlichen Lehrkräfte, dass der Bedarf an einer umfänglicheren Unterstützung erforderlich sei: „Die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen werden zunehmend herausfordernder und benötigen höhere Zeitanteile als noch vor vier Jahren.“

Laut Fachkräften reiche der minimale Angebotsumfang von 15 Wochenstunden pro Schule nicht mehr aus. Der Bedarf habe sich auch „durch anhaltende Krisensituation in der Gesellschaft zunehmend erhöht. Die niederschwellige Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, das offene Ohr für Probleme und die Beratungen der Eltern sind dabei Hauptaufgaben der Schulsozialarbeit. Die soziale Betreuung in den Schulen wird vielfältiger. Die Einzelfälle sind komplexer geworden und benötigen ein Netzwerk an Unterstützungsangeboten“, heißt es in dem Bericht.

Fördergeld

Zwei Tage in Präsenz seien für Schulsozialarbeit zu gering, da die Betreuung nicht kontinuierlich erfolgen könne und nur selten eine vertrauensvolle Bindung zu den Familien entstehe (dafür oder auch für Beratungen bräuchte es erfahrungsgemäß mindestens vier Tage pro Woche). Die entsprechenden Angebote seien mittlerweile eng in das innere Schulleben eingebunden, heißt es. Zur Finanzierung in 2025/26 stehen 83.500 Euro Fördergeld zur Verfügung, die Personalkosten für drei Schulsozialarbeiterinnen liegen bei 169.800 Euro.

Die städtische Verwaltung schlägt vor, die Schulsozialarbeit weiter auszubauen. Ziel: Zwei weitere Fachkräfte einstellen, jede Schule soll ein Zeitkontingent von 25-30 Wochenstunden erhalten. Das würde rund 120.000 Euro kosten, wodurch der Förderanteil von 49 auf 29 Prozent sinke. Aufgrund der angespannten Lage auf dem entsprechenden Arbeitsmarkt rechne die Stadt im Falle einer politischen Zustimmung mit einer Umsetzung im Jahr 2027.