Die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen (EJH) nimmt anlässlich ihres 250-jährigen Bestehens die eigene Geschichte in den Blick und möchte dabei auch möglichen Hinweisen auf sexualisierte Gewalt nachgehen, die sich in der Vergangenheit in einer ihrer Einrichtungen zugetragen haben könnte. Das gibt die Diakonie Mark-Ruhr bekannt, deren Tochtergesellschaft die EJH ist, und die als Trägerin verschiedener Kindertagesstätten ab dem 1. August 2026 auch in Wetter und Herdecke aktiv ist. Eigene Einrichtungen hat die EJH zwar weder in der Harkort- noch in der Ruhrstadt betrieben. Aber: Sowohl die Diakonie als auch die Kirchenkreise Hagen und Hattingen-Witten unterstützen den Aufruf der Evangelischen Jugendhilfe, sich mit entsprechenden Hinweisen zu melden.

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„Dieses Jubiläum verpflichtet uns, nicht nur auf das Erreichte zu blicken, sondern auch dorthin zu schauen, wo Menschen in unserer Verantwortung sexualisierte Gewalt erleben mussten“, erläutert Vanessa Simon, Geschäftsführerin der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen. „Dieses widerfahrene Leid können wir weder entschuldigen noch wiedergutmachen. Es ist uns daher sehr wichtig, dass dieser Teil unserer Geschichte nicht im Verborgenen bleibt.“ Die EJH möchte Betroffenen Raum geben, ihre Geschichten hören und ihnen Unterstützung anbieten.

Sexualisierte Gewalt: Hinweise auf frühere Fälle bei Evangelischer Jugendhilfe

Konkret geht der Aufruf der Evangelischen Jugendhilfe auf einen Vorfall in Hagen zurück: Dabei geht es laut Diakonie Mark-Ruhr um sexualisierte Gewalt gegen eine minderjährige Person, die in einer Außenwohngruppe gelebt hat. Die Hinweise beziehen sich auf die späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es weitere Betroffene geben könnte“, heißt es dazu. Zudem gebe es Hinweise auf ein Verfahren aus den 1960er-Jahren wegen des Verdachts sexualisierter Gewalt eines damaligen Mitarbeiters, das durch die Evangelische Kirchengemeinde Iserlohn seinerzeit eingeleitet wurde. Diese Hinweise gingen auf aktuelle Recherchearbeiten zurück, die im Zuge der Erstellung einer Chronik für das 250-jährige Jubiläum der Jugendhilfe gemacht worden seien. Es würden aber keinerlei Informationen zum Verlauf und Ergebnis des Verfahrens vorliegen.

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Ebenso lägen keine Meldungen von Betroffenen vor. Es lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend feststellen, ob es eine oder gar mehrere betroffene Personen gebe. Das Bekanntwerden dieser Fälle hat die Evangelische Jugendhilfe veranlasst, nicht nur diese Situationen sorgfältig aufzuarbeiten, sondern laut eigener Aussage grundsätzlich hinzusehen: Was ist in früheren Jahrzehnten geschehen? Welche Erfahrungen wurden möglicherweise noch nicht thematisiert? Welche Perspektiven fehlen?

Ansprechstelle für Betroffene und Hinweisgeber

Die Evangelische Jugendhilfe Iserlohn-Hagen hat eine externe und unabhängige Ansprechstelle eingerichtet. Betroffene Personen und Menschen, die Hinweise mitteilen möchten, können sich dort melden. Susanne Deitert und in Vertretung Kristina Apel nehmen Schilderungen vertraulich entgegen, beraten und vermitteln auf Wunsch weitere Unterstützung.

Erreichbar ist die Ansprechstelle „Aufruf EJH“ unter 0163/4872307 oder via Mail an aufruf-ejh@posteo.de. Die Sprechzeiten sind montags, 10 bis 12 Uhr, und mittwochs 14 bis 16 Uhr. Außerhalb der Sprechzeiten können Nachrichten auf der Mailbox hinterlassen werden. Weitere Informationen und wichtige Fragen und Antworten rund um den Aufruf der Evangelischen Jugendhilfe unter: www.250jahre-ejh.de

Über die Diakonie Mark-Ruhr richtet sich die Jugendhilfe nun an die Menschen in der gesamten Region und bittet diejenigen, die in einer Einrichtung der Evangelischen Jugendhilfe Iserlohn-Hagen oder einer ihrer Vorgängerinstitutionen sexualisierte Gewalt erlebt oder beobachtet haben – oder Hinweise auf mögliche Fälle geben können – sich zu melden. „Ob zu diesen beiden konkreten Fällen oder darüber hinaus: Jede Schilderung – auch wenn die Ereignisse schon länger zurückliegen – kann helfen, mehr Klarheit zu schaffen und Aufarbeitung zu ermöglichen“, so der Aufruf abschließend.

mkö