Mauern, Einlasskontrollen, Sicherheitsschleusen: Die Justizvollzugsanstalt Hagen ist ein Ort, der den meisten Menschen verborgen bleibt – denn nicht jeder kann dort einfach so hinein. Am 8. und 9. Oktober wird ein Teil von ihr aber zur Bühne – und Gefangene stehen im Rampenlicht. Es mag ein bisschen widersprüchlich klingen auf den ersten Blick: eine Justizvollzugsanstalt und eine Comedy-Aufführung. „Der moderne Strafvollzug muss aber eine Brücke schlagen zum Leben da ‚draußen‘. Dabei geht es auch um Resozialisierung und das Leben nach der Haft“, sagt Michael Dreher, Leiter des Allgemeinen Vollzugsdienstes in der Justizvollzugsanstalt Hagen (JVA).

Humor eröffnet Perspektiven, fördert die Selbstreflexion, stärkt Ausdrucksfähigkeit und Selbstbewusstsein, schafft Momente der Begegnung. Vor diesem Hintergrund gibt es in der Hagener JVA ein durchaus außergewöhnliches Beteiligungsprojekt: Gefangene werden gemeinsam mit einem Coach von der „Comedy-Werkstatt“ ein Programm einüben – und in dieser Woche auf die Bühne bringen. „Sie können – müssen aber nicht – ihre eigene Geschichte dabei thematisieren“, sagt JVA-Sprecherin Kristina Kinder. Besonders ist zudem, dass Außenstehende an der Show teilnehmen und zuschauen können.

Michael Kleinrensing WP Hagen
Die Aufführungen finden in der Justizvollzugsanstalt Hagen statt. Handys sind dort verboten.© WP | Michael Kleinrensing

Justizvollzugsanstalt Hagen will sich öffnen

Das Projekt ist Teil der „Knastkultur-Woche“, die unter dem Motto „sinnVOLL ZUGehört“ steht - und im Rahmen derer es verschiedene kulturelle Angebote für geladene Gäste, Gefangene und teilweise auch für die Öffentlichkeit in verschiedenen Anstalten gibt. Für die Hagener Einrichtung sind die beiden Termine gleichermaßen eine Chance, sich zu öffnen. „Früher stand in den Städten einfach ein Gefängnis – kaum einer wusste, was hinter den Mauern passiert. Wir möchten uns öffnen und unsere Arbeit für die Bürger transparenter machen“, sagt Dreher über die Beweggründe.

Standup-Comedy im Knast
Nächste Woche können Hagener ins Gefängnis: Dort führen Gefangene eine Comedy-Show auf. Was steckt dahinter? // JVA HAGEN mit Michael Dreher u. Fr. Kinder
Standup-Comedy im Knast: Nächste Woche können Hagener ins Gefängnis: Dort führen Gefangene eine Comedy-Show auf. Was steckt dahinter? // JVA HAGEN mit Michael Dreher u. Fr. Kinder© Alex Talash | Alex Talash

Die beiden Aufführungen mit je 30 Plätzen werden am Donnerstag, 8. und Freitag, 9. Oktober, stattfinden – die Einnahmen sollen an das Kinderhospiz Sternentreppe in Hagen gespendet werden. Beginn der Aufführungen ist um 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr. Wichtig vorab zu wissen: In der Justizvollzugsanstalt sind Handys verboten – das gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Besucher und die besagten beiden Abende. Die Behörde bittet vor diesem Hintergrund darum, die Mobiltelefone daheim zu lassen. Ansonsten müssen sie bei der Einlasskontrolle abgegeben werden.

Die Comedy-Werkstatt wurde von dem Künstler Samed Warug gegründet. Er sah damals die Notwendigkeit, Menschen für die darstellenden Künste zu begeistern. Die Comedy-Werkstatt ist in über 15 Städten mit bis zu 20 Shows pro Monat vertreten – und gastiert nicht zum ersten Mal in Hagen. „Es hat schon mehrere Aufführungen bei uns in der JVA für die Gefangenen gegeben. Für sie ist das die Möglichkeit, dem Alltagstrott mal für kurze Zeit zu entfliehen“, sagt Kristina Kinder. Im Rahmen der Knastkultur-Woche wird es auch eine dritte Aufführung geben, die dann ausschließlich für einige Gefangene vorbehalten ist.

Tickets gibt es für 15 Euro unter: www.freischnauzeshow.de/theater-hinter-gitter/