Auslöser der gesamten Debatte um die Verlagerung bzw. den Neubau der Berufsschulen Cuno I und II auf dem Höing ist ein nüchterner Befund: Eine Sanierung der bestehenden Cuno-Gebäude in der Hagener Innenstadt ergibt nach einem Fachgutachten des Kölner Beratungsbüros „Drees & Sommer“ keinen Sinn. Weder finanziell noch mit Blick auf die begrenzte Dimensionierung.

Der ermittelte Flächenbedarf von gut 33.000 Quadratmetern übersteige die Möglichkeiten der Bestandsgebäude bei Weitem. Eine Kernsanierung wäre unumgänglich, und für eine dringend benötigte Sporthalle fehle am bestehenden Standort schlicht der Platz. „Die derzeitige Nutzung stellt lediglich ein zeitlich begrenztes Provisorium dar“, machte Gutachter Jürgen Schreineke seinerzeit deutlich.

Schließung von einem Tag auf den andern

Doch der Zeitdruck ist real: Im August 2025 mussten beide technischen Berufsschulen von einem Tag auf den anderen wegen Brandschutzmängeln mehrere Monate lang vollständig geschlossen werden – ein Vorfall, der die Dringlichkeit des Projekts schlagartig vor Augen führte.

Bei der Suche nach einem neuen Standort favorisierte die Stadt den Höing. Das Areal sei städtisches Eigentum, der dortige Rasenplatz nebst Laufbahn werde kaum noch genutzt, vorhandene Parkplätze am Höing und am Sportpark Ischeland könnten für den Stellplatznachweis herangezogen werden. Das Ergebnis: rund 185 Millionen Euro Gesamtkosten – die günstigste der geprüften Neubauvarianten. Eine Nutzung wäre ab Sommer 2031 möglich.

Doch die Anwohner wehrten sich von Anfang an gegen das Vorhaben, sie machten ihrem Unmut mit der Gründung der Bürgerinitiative „cu-No“ Luft. „Wir sind nicht gegen einen Neubau der Berufsschulen“, fasste Eberhard Soennecken die Stimmungslage zusammen: „Aber wir sind dagegen, dass an diesem Standort gebaut wird.“

Bürger gegen Berufsschulen Bürger vom Höing machen mobil gegen die Pläne der Stadt, am Ischeland einen Neubau für die Berufsschulen Cuno I und II hochzuziehen
In Fenstern des Wohngebietes hängen Protestplakate. © Alex Talash | Alex Talash

Auch die Anwohner haben bereits im Mai in einem offenen Brief ihre Bedenken zusammengefasst. Darin heißt es, das Projekt betreffe ein gewachsenes Wohngebiet, seine Infrastruktur, seine Umwelt – und auch das Vertrauen der Menschen in politische Entscheidungen. Nach aktuellem Stand basiere die Standortentscheidung maßgeblich auf Kosten- und weniger auf Flächen- und Infrastrukturanalysen. Was jedoch fehle oder zumindest nicht transparent vorliege, seien entscheidende Grundlagen: „Eine realistische und belastbare Verkehrsanalyse, eine umfassende Bewertung der klimatischen Auswirkungen sowie eine vollständige artenschutzrechtliche Prüfung (Lärmschutzgutachten und Bodengutachten).“

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Daher forderten die Anwohner von den Lokalpolitikern, die aktuelle Planung nicht vorschnell weiter voranzutreiben, alle relevanten Prüfungen vollständig und transparent durchzuführen und die Realität vor Ort und die Bedenken der Anwohner ernsthaft einzubeziehen: „Es geht um Verantwortung für ein Viertel, in dem Menschen leben“, heißt es am Schluss des Schreibens: „Für eine Umwelt, die nicht ersetzbar ist. Und für Entscheidungen, die langfristig tragfähig sein müssen. Mit Nachdruck, aber auch mit der Bereitschaft zum Dialog.“

Bürger gegen Berufsschulen Bürger vom Höing machen mobil gegen die Pläne der Stadt, am Ischeland einen Neubau für die Berufsschulen Cuno I und II hochzuziehen; Sportplatz Höing
Auf dem kaum genutzten Rasenplatz soll der Neubau entstehen.© Alex Talash | Alex Talash

Und tatsächlich setzte Oberbürgermeister Dennis Rehbein die weitere politische Beratung über einen möglichen Neubau der Berufskollegs am Höing im Juni vorerst aus und vertagte sie auf die Zeit nach den Sommerferien.