Manchmal ist das Leben in Wehringhausen erstaunlich schnell. Kaum hat sich die Nachricht herumgesprochen, dass Lotto, Post und Reisebüro Kramer in der Langen Straße Geschichte sind, meldet sich auch schon die Deutsche Post zu Wort: Keine Sorge, die Post ist noch da. Sie zieht nur um. Ein paar Hausnummern weiter. Genau genommen in der Lange Straße 49. Im Kiosk am Wilhelmsplatz.
Das ist beruhigend. Denn wer in den vergangenen Tagen den Eindruck gewonnen hatte, Wehringhausen verliere gerade einen seiner wichtigen Treff- und Servicepunkte, darf aufatmen. Ab Dienstag gibt es wieder Briefmarken, Einschreiben und Paketmarken. Sogar Packsets. Montag bis Samstag, von 8 bis 20 Uhr.
Kiosk bietet Rundum-Service für den schnellen Einkauf am Morgen
Und tatsächlich: Wer morgens schnell ein Paket verschicken und dabei noch eine Zeitung, ein Getränk oder vielleicht einen Schokoriegel kaufen möchte, ist im Kiosk bestens aufgehoben. Alles an einem Ort. Bequem. Kundenfreundlich. Effizient.
Nur eine – wir schrieben darüber – wird es vor Ort nicht mehr geben: Susanne Kramer.
Keine Frau, die seit Jahren weiß, wer welche Briefmarke braucht. Kein kurzer Plausch über den Stadtteil. Kein „Wie geht’s denn Ihrer Frau?“. Kein offenes Ohr, wenn der Brief weniger wichtig ist als das, was man eigentlich erzählen wollte.
Postfiliale bleibt diskret, doch altes Laden-Geheimnis bleibt ungelöst
Die Post weist in ihrer Mitteilung ausdrücklich darauf hin, dass das Postgeheimnis auch in der neuen Filiale gewahrt bleibt. Das ist wichtig. Und richtig. Nur über das andere Geheimnis schweigt die Pressemitteilung: das Geheimnis eines kleinen Ladens, der eben nicht nur Postfiliale war.
Gerhard Wagener, 92 Jahre alt und seit Jahrzehnten Wehringhauser, hatte es zuletzt in dieser Zeitung es treffend formuliert: „Die Lange Straße wird nicht mehr derselbe Ort sein.“ Ohne „Post Kramer“.
Nun ist die Post also wieder da. Die Dienstleistung ist gerettet. Es geht immer irgendwie weiter.



