Nach der CDU hat sich jetzt auch die SPD zu einer möglichen Bebauung des Hilgenlandes in Boele geäußert. Die Fraktion im Stadtrat fordert, in der Sache müsse „mit Augenmaß und vor allem im Dialog mit allen Beteiligten“ vorgegangen werden.
Eine mögliche Bebauung bereits im Vorfeld grundsätzlich abzulehnen, wie es die CDU tue, halten die Sozialdemokraten für den falschen Weg. Politische Entscheidungen sollten nicht nach dem Bauchgefühl festgelegt werden, noch fehlten aussagekräftige Planungen.
Wie berichtet, möchte der Verwaltungsrat der Pfarrei St. Johannes im rückwärtigen Teil des Geländes – eine bislang grüne Wiese, die bis zur Boeler Ortsumgehung reicht – zwei Mehrfamilienhäuser mit je 13 Wohnungen bauen. Daneben soll auf einer Freifläche Richtung Turmstraße noch Platz für drei Einfamilienhäuser sein. Die Union hatte sich klar gegen eine Bebauung der Fläche ausgesprochen.
Keine Vorfestlegung
Das Hilgenland sei ein besonderer Ort für den Hagener Norden, der dortige Festplatz seit vielen Jahren ein wichtiger Bestandteil des Vereins- und Brauchtumslebens, so die SPD. Gleichzeitig befinde sich das Gelände im Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. „Für uns ist völlig klar: Die Boeler Vereine brauchen auch in Zukunft eine verlässliche Heimat für ihre Veranstaltungen. Das Schützenfest, der Karneval und das Vereinsleben gehören zu Boele und sollen dort auch weiterhin ihren Platz haben“, erklärt der stellvertretende Bezirksbürgermeister für den Hagener Norden, Milazim Jusaj. Die SPD begrüße deshalb die Ankündigung von Pfarrer Franz Drüke, dass das Projekt nicht ohne Rücksicht auf das Brauchtum durchgezogen werde.
Gerade deshalb sei es falsch, einen möglichen Entwicklungsprozess bereits zu beenden, bevor überhaupt konkrete Planungen vorlägen. Nach Auffassung der SPD gibt es derzeit keinen Grund für eine politische Vorfestlegung. Zunächst müsse geklärt werden, was überhaupt geplant werden soll, welche Fläche tatsächlich für eine Entwicklung in Betracht kommt, wie eine Bebauung aussehen könnte und wie gleichzeitig der Festplatz und die Veranstaltungen der Vereine dauerhaft gesichert werden können. „Wir haben derzeit kein fertiges Bauprojekt und schon gar keinen Planentwurf vorliegen, über das wir abschließend entscheiden müssten. Es gibt Gespräche. Dann sollte man diese Gespräche auch weiterführen und sich die konkreten Planungen anschauen, bevor man politische rote Linien zieht“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Rudel.
Austausch fortsetzen
Dabei müsse vorrangig berücksichtigt werden, dass mit einer möglichen Entwicklung des Geländes bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll, so Rudel weiter. Dass Wohnungsbau und Vereinsleben miteinander vereinbar sein können, zeige die Entwicklung des Hilgenlands bisher selbst. Im Umfeld seien in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Wohngebäude entstanden, darunter auch öffentlich geförderte Seniorenwohnungen. Die entscheidende Frage sei nicht, ob man einfach Wohnungen baue oder den Vereinen einfach ihre Fläche lasse, sondern sie laute: Wie können wir beides miteinander vereinbaren?
Genau dafür brauche es Planungen, Gespräche und Kreativität. Die SPD-Fraktion spricht sich deshalb dafür aus, den begonnenen Austausch zwischen Kirchengemeinde und Vereinen fortzusetzen und die Stadtentwicklung ergebnisoffen zu begleiten.



