• Der Juli 2026 war der trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881.
  • Weiterhin fehlt Stadtbäumen fehlt Wasser, einige Städte rufen die Bevölkerung auf, sie zu gießen.
  • Bäume fungieren im Sommer wie Klimaanlagen – nur ohne Strom.
  • Eine Nabu-Expertin sagt, warum wir Bäumen jetzt helfen sollten – mit Wasserspenden.

Seit diesem Mai hat es in NRW keinen kräftigen Landregen mehr gegeben (siehe Infobox unten), Wiesen verdorren und Bäume, gerade die an Straßen, leiden unter der Trockenheit. „Der hohe Wasserstress durch ausbleibende Niederschläge und Dürreperioden führt besonders die Vegetation auf künstlich angelegten Böden nahe versiegelter Flächen an ihre Grenzen“, schreibt etwa der Landesbetrieb Straßen.NRW.

„Jungbäume brauchen zusätzliche Bewässerung“, ruft die Stadt Mülheim die Bevölkerung zum Baum-Gießen auf. Gleiches ist aus Wesel zu hören, ,seitjüngstem bittet auch die Stadt Kamen um Unterstützung: „Fehlende Niederschläge lassen Stadtbäume dursten“. In Großstädten wie Düsseldorf, Essen, Bochum oder Köln wird in Sommern inzwischen für Gießpatenschaften geworben (Düsseldorf etwa zählt aktuell 620, sagt ein Sprecher) oder nach „Gießkannenhelden“ gesucht, wie etwa in Hagen. Doch auch ausgewachsene, große und alte Bäume brauchen unsere Hilfe, sagt Birgit Königs, Biologin und Sprecherin vom Naturschutzbund (Nabu) NRW.

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Frau Königs, sollten wir angesichts der Sommerhitze den Stadtbaum vor unserer Tür gießen?

Birgit Königs: Ja, auf alle Fälle! Wir helfen damit nicht nur „unserem“ Baum, sondern auch uns selbst, kühlt er so doch weiter die Umgebung, spendet Schatten und versorgt uns mit Sauerstoff.

Inwieweit setzt die aktuelle Hitze Stadtbäume besonders unter Stress?

Hitze in Kombination mit der zumeist gleichzeitig herrschenden Trockenheit, vor allem über mehrere Wochen, stresst die in unseren Städten wachsenden Laubbäume stark. Auch die aktuell zumeist in Städten wachsenden Spitzahörner, Winterlinden, Platanen oder Rosskastanien benötigen Wasser, um ihre Verdunstung aufrecht erhalten zu können.

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Welches sind Warnzeichen, dass es dem Baum schlecht geht?

Über den „Transpirationssog“ von der Wurzel bis in die obersten Blattspitzen der Baumkrone wird der Baum mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Kann der nicht oder nur noch minimal aufrechterhalten werden, werfen Laubbäume zunächst ihre Blätter ab. Die letzte Möglichkeit, die Verdunstung herabzusetzen und dem Absterben durch Trockenheit zu entgehen.

Seit Mai in NRW kein richtiger Landregen mehr

Der letzte anhaltende Landregen in diesem Jahr (2026) war in NRW im Mai und zwar um die Eisheiligen herum, sagt Renate Molitor, Meteorologin beim Wetterdienst Wetter.com, der zur FUNKE Mediengruppe gehört. So waren laut Molitor zuletzt am Montag, dem 11. Mai, in NRW in 24 Stunden südlich einer Linie Nettetal-Bad Oynhausen zwischen zehn und 36 Liter pro Quadratmeter gefallen. Im Schnitt so um die 15 Liter. „Damals zog Tief ‚Doreen‘ über Ostdeutschland/Westpolen hinweg und brachte eine zyklonale Wetterlage, die den Frühling faktisch aus dem Kalender gedrängt hat“, erklärt Molitor. In NRW setzte sich dabei kühle, stabile Meeresluft durch. Molitor: „Das war’s dann schon. Diesen Sommer, also ab Juni, gab es nur noch konvektive Niederschläge, also Schauer und Gewitter.“ Der Juli war laut Daten des Deutschen Wetterdienstes der trockenste Monat seit Messungsbeginn 1881. 18 Liter Regen je Quadratmeter wurden im Durchschnitt gemessen, der bisherige Negativ-Rekord war im Juli 2018 mit 26 Liter.

Warum haben es Stadtbäume besonders schwer im Vergleich etwa zu denen im Wald?

Das Leben unserer Stadtbäume ist hart, schon ohne den Klimawandel, denn im urbanen Boden herrschen oft schlechte Lebensbedingungen. Die Böden sind stark verdichtet, Versorgungsleitungen und der Unterbau von Gehwegen und Straßen bieten den Wurzeln wenig Raum zur Entfaltung. Oft sind die Baumschreiben zu klein bemessen, die Versorgung mit Sauerstoff, Nährstoffen und Wasser ist unzureichend. Hinzu kommen Streusalz im Winter und das ganze Jahr über Hundeexkremente und Müll. 

«Gieß den Kiez» - Bürger gießen Straßenbäume
Bäume in der Stadt haben es richtig schwer. Die Hitze macht ihnen gerade mächtig zu schaffen. Auch, weil sie oft auf viel zu kleinen Baumscheiben stehen. Dabei sind sie als „Klimaanlage“ so wichtig. (Symbolbild)© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa | Jan Woitas

Viele Bäume stehen auf winzig wirkenden Baumscheiben – rundum ist meist alles gepflastert oder asphaltiert. Wie können Bäume unter solchen Umständen existieren?

Tatsächlich ist ein Baum häufig unterirdisch ähnlich ausladend wie oberirdisch. Wenn nicht alles im Umfeld versiegelt ist, gelangt immer noch über benachbarte unversiegelte Flächen genügend Wasser zur Versorgung des Baumes in den Boden. Mindestens genauso oft ist das aber nicht mehr der Fall und die kleine Baumscheibe ist die einzige wasserdurchlässige Stelle. Solche Bäume haben – wenn nicht Kontakt zum Grundwasser besteht – ohne zusätzliches Gießen eigentlich kaum noch eine Chance in trockenen, heißen Sommern. In Ausnahmefällen, wenn Städte große alte Bäume erhalten wollen und trotzdem völlig kontraproduktiv in Zeiten des Klimawandels das Baumumfeld versiegeln, werden dann unterirdische Bewässerungsanlagen installiert.

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Bäume gießen? Ein ausgewachsener Baum braucht bis zu 400 Liter Wasser - am Tag!

Wo soll man denn das Wasser hingießen? Es heißt doch, Bäume nehmen das Wasser an den Wurzelspitzen auf – die sind aber selten direkt unter der winzigen Baumscheibe.

Sinnvoller wäre es deshalb, im gesamten Kronenbereich zu gießen, damit das Wasser auch die Wurzelspitzen am Rand erreicht.

Am besten gießt man morgens und beginnt langsam, damit das Wasser auch versickert

Portrait Birgit Königs, Nabu NRW
Birgit Königs, Biologin und Sprecherin vom Nabu NRW

Wieviel Wasser pro Baum sollte man gießen?

Ein sechs Meter hoher Baum zum Beispiel benötigt 20 bis 60 Liter, am besten täglich. Die Menge Wasser, die der Baum benötigt, ist stark abhängig von seiner Größe und variiert von 20 Litern bei jungen Bäumen bis zu 400 Litern bei älteren Bäumen mit ausladender Krone. Und das bei den aktuell herrschenden Bedingungen täglich!

Mehrere Hundert Liter am Tag?

Große Laubbäume verdunsten an heißen Tagen besonders viel. Das ist dann privat kaum noch zu leisten. Will man großen Laubbäumen im Stadtbereich also über die heißen Tage helfen, sollten es schon 100 bis 200 Liter mindestens zwei- bis dreimal pro Woche sein und im gesamten Kronenbereich verteilt.

In der Saarnberg-Siedlung in Mülheim haben die Bewohner einen „Gießkannen-Dienstag“ ins Leben gerufen, um die Linden am Pferdedenkmal mit Wasser zu unterstützen.
In der Saarnberg-Siedlung in Mülheim haben die Bewohner einen „Gießkannen-Dienstag“ ins Leben gerufen, um die Linden am Pferdedenkmal mit Wasser zu unterstützen. © Dennis Vollmer

Zu welcher Tageszeit ist das Gießen angeraten?

Am besten gießt man morgens und beginnt langsam, damit das Wasser auch versickert; beim Nachgießen dringt das Wasser so in tiefere Regionen vor

Die Erde von Baumscheiben ist nicht selten knochentrocken. Sollte man sie vor dem Gießen auflockern?

Das würde zu noch stärkerer Verdunstung im Bodenbereich führen und würde die Situation eher noch verschlimmern. Besser wie oben beschrieben langsam gießen, abwarten, bis das Wasser versickert ist, und langsam nachgießen.

Nabu-Expertin: Bäume sind nicht nur Schatten-Spender

Wie tief wurzeln Bäume? Können sie nicht das Grundwasser ‚anzapfen‘?

Es gibt Tiefwurzler wie die Walnuss oder die Stieleiche oder auch die Tanne. Viele Bäume wie die Rotbuche oder die Hainbuche bilden eine Mischform, also eine zunächst in die Tiefe wachsende Hauptwurzel, aber es werden auch starke Seitenarme ausgebildet, sodass das gesamte Erscheinungsbild des Wurzelwerkes herzförmig erscheint. Und dann gibt es noch Flachwurzler wie die Fichte. Das Wurzelwerk wächst wie die Krone auch kontinuierlich weiter, wie tief, ist abhängig vom Alter und vor allem auch vom Standort. Bei ausgewachsenen Buchen geht man im Durchschnitt von 1,4 bis 2 Metern aus. Erreichen sie damit Grundwasser, können sie natürlich auch Trockenperioden überstehen. Das dürfte in unseren Städten aber nur selten der Fall sein.

Welcher Baum steht vor meiner Haustür?

Rinde, Blätter, Samenform: Es gibt viele Möglichkeiten, eine Baumart zu bestimmen – doch wer kennt die schon als Laie? Im Baumkataster der Kommune kann man sich informieren. In der Regel sind diese Informationen bei Städten und Gemeinden in NRW online kostenlos zu finden, oftmals auf Stadtplänen dargestellt. Die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf etwa hat in ihrem Baumkataster 155.653 Einzelbäume erfasst, davon 62.646, die an Straßen wachsen. In Duisburg sind es laut Stadt rund 50.000 Straßenbäume. Die Stadt Essen hat ihre Stadtbäume ebenfalls online aufgelistet, farblich sortiert, aufgeteilt in „älterer Baumbestand“ und „Jungbäume“. Bochum informiert ebenfalls im nrw-geoportal zu vielen Baum-Details wie Art, Höhe, Stamm- und Kronen-Umfang. Auch Infos zu anstehenden Baumfällungen veröffentlichen die Kommunen häufig online. Wo gewässert wird, finde sich dort indes bislang nicht. Die Stadt Düsseldorf sagt dazu auf Nachfrage, aktuell würden rund 16.000 Bäume vom städtischen Gartenamt regelmäßig gewässert – vor allem junge Bäume oder solche, an „schwierigen Standorten“, wie ein Sprecher sagt. 115 „Testbäume“ im Stadtgebiet seien mit insgesamt 460 elektronischen Sensoren ausgerüstet, um sie bedarfsgerecht zu wässern. (dae)

Bäume wirken wie Klimaanlagen – nur, weil sie Schatten spenden?

Bäume verbessern unser Stadtklima, indem sie bei der Transpiration Wasser verdunsten und so das Umfeld abkühlen, sie nehmen CO₂ auf und geben dafür tagsüber Sauerstoff ab, sie filtern Staub aus der Luft – und das alles neben dem Schatten, den sie spenden, und der angenehmen Atmosphäre, die sie schaffen

Der NRW-Waldzustandsbericht 2025 sprach u.a. davon, der Zustand der Eiche sei „besonders besorgniserregend“, und: mehr als ein Drittel der Bäume in den Wäldern zeigte „stark verlichtete Kronen“.

Das kann man nur schlecht miteinander vergleichen, da im Wald ganz andere Bedingungen herrschen als in den Städten und auch die Baumarten in unseren Städten weitestgehend nicht aus den typischen Waldbaumarten bestehen. Der einzelnen Eiche und Buche in unseren Parks geht es aber meist nicht besser als den „Verwandten“ im Wald. Auch hier kann man speziell bei alten Bäumen Kronenauflichtung, abgestorbene Äste und im Extremfall aufgesprungene Borke beobachten. Das bedeutet dann meist das baldige Fällen.

Welche Baumarten kommen allgemein besser mit Hitze klar als Stadtbäume, welche sind eher empfindlich? 

Sorbus aria, Echte Mehlbeere, Whitebeam Sorbus aria, Echte Mehlbeere, Whitebeam Copyright: xZoonar.com/PeterxHimmelhuber
Die Baumart Echte Mehlbeere (Foto) gehört zur Gattung der Vogelbeeren und gilt als eine Sorte, die gut mit den Klimaveränderungen klarkommt.© IMAGO/Zoonar | imago stock

Zukünftige Stadtbäume sollten nicht nur mit Hitze und Trockenheit gut klarkommen, sondern auch mit den zusätzlichen Anforderungen durch Bodenverdichtung, kleinem Wurzelraum und Ähnliches. Da bieten sich von unseren heimischen Baumarten beispielsweise Feld-Ahorn, verschiedene Arten aus der Gattung der Vogelbeeren wie etwa Echte Mehlbeere, Elsbeere oder Trauben-Eiche oder Hainbuche an. Die letzten beiden Arten aber eher für Parkanlagen als für den Straßenraum. Als gute Stadtbäume werden aber auch viele nichtheimische Arten diskutiert und sind sicherlich je nach Standort gute Alternativen, so zum Beispiel die Baumhasel: Kommt mit trockenem Boden und Hitze hervorragend zurecht, der nicht selten auch jetzt schon als Straßenbaum zu findende Ginkgo: Extrem unempfindlich gegen Abgase, Krankheiten und Hitze sowie der Japanische Schnurbaum: Wächst gut auf harten, trockenen Stadtplätzen. Auch der Trompetenbaum und die Robinie sind sehr hitzeverträglich. 

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Was muss sich bei Stadtbäumen ändern, damit Städte weniger hitzeanfällig sind, wie sie es bislang sind?

In vielen Städten rufen Politiker*innen die Bürger*innen dazu auf, sich um die Bäume in den Straßen zu kümmern, Initiativen werden gegründet, die Baumpatenschaften vermitteln. Doch ist das nur ein Aspekt, wie den Bäumen der Stadt geholfen werden kann. Denn das Wohlergehen der Bäume beginnt schon bei der Planung der Stadt. Nachhaltig muss sie sein und an die Anforderungen, die uns der Klimawandel stellt, angepasst. Regenwasser sollte aufgefangen werden, anstatt es kostenaufwendig über die Kanalisation zu entsorgen – dazu gibt es ja das Konzept der „Schwammstadt“. Und in vielen Fällen sollte komplett auf Versiegelung der Flächen verzichtet werden, um der Natur ihren nötigen Raum zu geben.