Sie ist aus Hagen kaum wegzudenken. Wer hier aufgewachsen ist, kennt kein Leben ohne sie. Die Hochbrücke „Ebene 2“ ragt seit den 1960er Jahren über Hagen – ein massives Monument aus Beton und Stahl, geboren aus dem Geist der autogerechten Stadt. Aus dem Glauben, dass Fortschritt vor allem eine Frage der Geschwindigkeit ist. Damals war sie Zukunft. Heute ist die „Brösel-Brücke“, wie sie in Hagen genannt wird, ein trauriges Relikt der Vergangenheit.

Denn seit rund zwei Jahren ist kein Auto mehr über ihr Deck gefahren. Zu groß sind die Schäden, zu marode ist die Substanz. Was einmal als Lebensader des Hagener Verkehrs gedacht war, ist zum Sinnbild des Verfalls geworden – zumindest in den Augen derer, die von ihr genug haben. Seit Anfang des Jahres steht nun der Entschluss: Die Hochbrücke „Ebene 2“ soll Anfang 2027 abgerissen werden.
Auch interessant
Der Verkehr soll dort künftig über eine große Kreuzung fließen, auf der es nach Möglichkeit keine Linksabbiegespuren gibt, die den Durchfluss ausbremsen. Um genau das gewährleisten zu können, ist zudem eine neue Rampe hinter dem ehemaligen Turm der Agentur für Arbeit erforderlich. Künftig sollen Autofahrer den Märkischen Ring in Richtung Innenstadt zweispurig in beide Richtungen befahren können. Insgesamt sprechen die Planer von einer Bauzeit von zehn Jahren, bis der neue Verkehrsknoten komplett fertig ist.
Auch interessant

Zehn Jahre. Für die Menschen, die hier leben und arbeiten, ist das eine abstrakte Zahl. Es ist ein Urteil. Zehn Jahre Baustellenlärm, zehn Jahre Bauschmutz, zehn Jahre ein drohendes Verkehrschaos direkt vor der Tür. Zehn Jahre, in denen Kunden ausbleiben könnten, Mieter wegziehen, Träume auf Eis gelegt werden. Ein Friseur hat bereits die Konsequenzen gezogen und seinen Laden verlegt. Andere überlegen noch. Und wieder andere haben keine andere Wahl, als zu bleiben.
Über die Brücke selbst ist in Hagen viel geschrieben und diskutiert worden. Über ihre Bausubstanz, ihre Zukunft, ihre Kosten. Aber über die Menschen, die in ihrem Schatten leben? Die Händler, die Restaurantbetreiber, die Mieter, die Hauseigentümer – jene, für die die Hochbrücke nicht Stadtplanung, sondern schlicht Alltag ist? Die kamen bisher kaum zu Wort. Das wollen wir ändern. Die Hochbrücke „Ebene 2“ ist ein Wahrzeichen. Bald wird sie Geschichte sein. Aber die Geschichte der Menschen, die mit ihr gelebt haben, fängt jetzt erst an.





