Fast die Hälfte der Haus- und Fachärzte im Märkischen Kreis ist mindestens 60 Jahre alt. Zahlreiche Praxen brauchen deshalb in den kommenden Jahren einen Nachfolger – auch in Balve. Wie sich junge Medizinerinnen und Mediziner für den ländlichen Raum gewinnen lassen, haben Vertreter des Kreises und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) im Lüdenscheider Kreishaus beraten. Das teilt der Märkische Kreis mit.
„Wir können nicht warten, bis die Türen geschlossen bleiben“
An dem Gespräch nahmen Landrat Ralf Schwarzkopf, der Leiter der KVWL-Bezirksstelle Lüdenscheid, Michael Achenbach, und die Fachbereichsleiterin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz, Leslie Kamphuis, teil. Besonders angespannt ist die Lage in der hausärztlichen Versorgung. Gleichzeitig wächst der Bedarf.
Wenn fast die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte bereits 60 Jahre oder älter ist, können wir nicht warten, bis die ersten Türen tatsächlich geschlossen bleiben.
Ralf Schwarzkopf, Landrat
„Wir reden bei der ärztlichen Versorgung gerne über die Zahl der Praxen. Entscheidend ist aber, wer diese Praxen morgen betreibt und unter welchen Bedingungen“, sagt Schwarzkopf. „Wenn fast die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte bereits 60 Jahre oder älter ist, können wir nicht warten, bis die ersten Türen tatsächlich geschlossen bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass junge Medizinerinnen und Mediziner den Märkischen Kreis als Ort zum Leben und Arbeiten kennenlernen. Und dass sie sich auch vorstellen können, hier langfristig zu bleiben.“
Ein weiteres Thema war der Wandel des Arztberufs. Für viele Berufseinsteiger ist die eigene Praxis nicht mehr selbstverständlich, Anstellungen und Teilzeitmodelle gewinnen an Bedeutung. Die Gesprächsteilnehmer sehen deshalb Bedarf, medizinische Arbeit auf dem Land neu zu organisieren. „Wir müssen jungen Ärztinnen und Ärzten nicht erklären, warum der ländliche Raum Probleme hat. Wir müssen ihnen zeigen, welche Chancen er bietet“, sagt Achenbach. „Wer heute Medizin studiert, möchte vielleicht nicht mehr 60 Stunden in der eigenen Praxis arbeiten, sondern Verantwortung übernehmen und trotzdem planbare Arbeitszeiten haben. Wenn wir darauf keine Antworten geben, verlieren wir Nachwuchs.“
Studenten sollen früher aufs Land kommen
Auch die Ausbildung spielte eine Rolle. Studierende sollen möglichst früh die Arbeit im ländlichen Raum kennenlernen und eine Perspektive als Landarzt erhalten. Als Bausteine nannten die Beteiligten eine stärkere hausärztliche Weiterbildung und eine klare Ausrichtung des Studiums auf die Allgemeinmedizin. Achenbach berichtete zudem von zwei Modellprojekten im Hochsauerlandkreis und in Herford, die die KVWL unterstützt. Erörtert wurden außerdem Erfahrungen mit Weiterbildungsverbünden. Sie organisieren die ärztliche Weiterbildung über mehrere Stationen und können dazu beitragen, Nachwuchs in der Region zu halten. Achenbach ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und leitet die Bezirksstelle Lüdenscheid seit dem 21. April. Er folgte auf Martin Junker. Ansprechpartner ist er für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten in den Kreisen Olpe, Siegen-Wittgenstein und im Märkischen Kreis.


