Gefährliche Körperverletzung, Vergewaltigung, Nötigung und Freiheitsberaubung: Gegen vier Beschuldigte beginnt nach dem monatelangen Martyrium einer Frau in Soest nun der Strafprozess. Sie sollen ihr Opfer 2025 in einem Wohnhaus in unterschiedlicher Tatbeteiligung gequält, erniedrigt, misshandelt und vergewaltigt haben.
Die Beschuldigten sind laut Landgericht Arnsberg 29 und 25 Jahre alt, zwei Personen mit 16 und 17 Jahren noch minderjährig. Der Prozess werde von der Großen Strafkammer als Jugendkammer geführt, sagte eine Gerichtssprecherin auf Anfrage. Auch wenn es sich bei zwei Angeklagten um Jugendliche handele, werde das Verfahren öffentlich geführt.
Fall machte als „Soester Horrorhaus” Schlagzeilen
Die beiden erwachsenen Beschuldigten befinden sich weiter in Untersuchungshaft, schilderte die Sprecherin weiter. Am Landgericht startet die Verhandlung am 12. Oktober, danach sind 13 Fortsetzungstermine eingeplant.
Der Fall war Ende Juli als „Soester Horrorhaus” bekanntgeworden und schockierte bundesweit. Einsatzkräfte hatten die Frau am 3. November befreit. Ein Anwohner hatte das Opfer an dem Tag spätabends halb nackt und gefesselt auf der Terrasse des Nachbar-Reihenhauses gesehen und die Polizei alarmiert. Die Frau soll zu dem Zeitpunkt nicht mehr bei Bewusstsein gewesen und dann monatelang im Krankenhaus behandelt worden sein.

Laut Landgericht handelt es sich um eine 1993 geborene Frau aus Soest. Weitere Angaben wurden unter Verweis auf ihre Persönlichkeitsrechte nicht gemacht.
Geschlagen, gedemütigt und an ein Heizungsrohr gefesselt
Die Angeklagten sollen ihr Opfer von Juli bis November 2025 misshandelt haben. Einigen werden körperliche Übergriffe, Schläge, Demütigung und Erniedrigung der Frau vorgeworfen, wie das Gericht berichtete. Zwei Beschuldigte sind auch wegen Vergewaltigung angeklagt.
Einer soll die Frau zudem zweimal für etwa eine Stunde an ein Heizungsrohr gefesselt haben. Im November sei sie dann „an den Händen gefesselt und teilweise entkleidet an einen Balken gehangen worden”, bis sie nach mehreren Stunden von der Polizei befreit wurde. Einem Beschuldigten wird vorgeworfen, zwei weitere Frauen durch Gummigeschosse verletzt zu haben. Details nannte das Landgericht nicht.
Der Hauptverdächtige soll nach Angaben aus Justizkreisen der 29-Jährige sein. Er habe mit seiner damaligen Lebensgefährtin und drei Kindern in dem Haus in einer ruhigen Wohnsiedlung im Grünen gewohnt, in dem es zu den Taten gekommen sein soll. Seine Lebensgefährtin und das spätere Opfer kannten sich Medienberichten zufolge, bevor es zu den mutmaßlichen Gewaltfällen kam.
Erinnerungen an das „Horrorhaus von Höxter” werden wach
Der schockierende Fall weist einige Parallelen zum „Horrorhaus von Höxter” auf. Auf dem Hof in Ostwestfalen waren Frauen brutal gequält worden, zwei starben an ihren Misshandlungen. Als Täter war Wilfried W. 2018 wegen Mordes durch Unterlassen zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Ende 2023 ordnete das Landgericht Paderborn zusätzlich an, dass er nach Verbüßen der Haftstrafe in Sicherungsverwahrung muss. Seine Frau war zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Das Paar hatte Frauen mit Kontaktanzeigen auf ihren Hof gelockt.
In dem Soester Fall war das Opfer nach Informationen aus Justizkreisen aber nicht dauerhaft eingesperrt. Dennoch sei es immer wieder zu den angeklagten Gewalttaten gekommen. In dem Fall sind noch viele Fragen ungeklärt. Prozesstermine sind in Arnsberg bis zum 17. Dezember anberaumt.
dpa


