Zusammenfassung
- Bei einem Fest am Sikh-Tempel in Moers kam es zu einer Auseinandersetzung mit mehreren verletzten Personen.
- Die Polizei war mit einem Großaufgebot, Hubschrauber und Spezialkräften im Einsatz, nachdem Zeugen von Schussgeräuschen berichtet hatten.
- Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an, Festnahmen wurden bereits vorgenommen.
Bei einem Fest am Sikh-Tempel in Moers ist es am Sonntag zu einer größeren Auseinandersetzung zwischen Gemeindemitgliedern gekommen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an Kräften in die Siegfriedstraße im Stadtteil Scherpenberg aus. Ort des Geschehens ist der Tempel der Gurdwara-Gemeinde, der in einem Wohngebiet liegt. Alarmiert worden war die Polizei um 14.20 Uhr, berichtete am Sonntagabend ein Sprecher auf Nachfrage. Auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz, sagte der Sprecher.
Streit eskaliert an Sikh-Tempel in Moers: Straßensperren der Polizei
Es sei zu einer Schlägerei zweier Gruppen gekommen. Was genau passiert ist, muss noch ermittelt werden, teilte der Sprecher mit. Details gab es am Abend von der Polizei noch keine, nicht zu möglichen Verletzten und nicht zur Anzahl der Beteiligten. Straßen um den Tempel waren auch am Abend von der Polizei abgesperrt worden. Von der Polizei gab es am Abend keine weiteren Informationen. „Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen“, so der Sprecher.
Ein Nachbar berichtete gegenüber dieser Redaktion, dass es wohl innerhalb des Tempels zu einer Auseinandersetzung gekommen sein soll. Gegen 14 Uhr seien mehrere Polizeiwagen, ein Krankenwagen und Polizisten mit Hunden angerückt. Ein bewaffnetes Einsatzkommando soll in das Gebäude eingedrungen sein. „Dann rannten mehrere Leute aus dem Gebäude, die sind teilweise barfuß geflüchtet“, so der Anwohner.

Nach Angaben eines Mitglieds der Sikhs sei innerhalb des Tempels mit einer Pistole geschossen worden. Zudem seien einige Mitglieder mit einem Messer und Pfefferspray attackiert worden. „Schüsse haben wir hier nicht gehört“, erzählte der Anwohner. Aber auf der Straße habe sich die Information verbreitet, dass es offenbar mehrere Verletzte mit Stichwunden gibt, so der Anwohner.
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„Vor dem Gebäude stehen zwei Polizisten in voller Montur, beide mit Gewehr in der Armbeuge“, erzählte der Anwohner am Sonntagabend. „Die Straße ist abgesperrt, hier kommt von beiden Seiten kein Auto rein.“ Gegen 19 Uhr seien die Einsatzkräfte dann nach und nach abgezogen.
Um 20.27 Uhr veröffentlichte die Kreispolizei am Sonntag ein erstes Statement. Darin ist von vier leicht verletzten Personen die Rede. „Eine dieser Personen erlitt hierbei eine Schnittverletzung“, so die Polizei. „Da Zeugen von Schussgeräuschen berichteten, wurden Spezialkräfte hinzugezogen.“ Inzwischen seien laut Polizei Festnahmen erfolgt. Die Ermittlungen von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Seitens der Kreispolizei gab es am Montag auf Anfrage dieser Redaktion keine neuen Informationen zum Großeinsatz.
Zeugen aus den Reihen der Sikh-Gemeinde berichten übereinstimmend von einem großen Fest mit etwa 300 bis 400, das innerhalb des Tempels stattgefunden habe. Auf einem Handyvideo, das dieser Redaktion vorliegt, ist zu sehen, wie Dutzende Männer und Frauen friedlich auf dem Boden knien und beten. Unmittelbar nach dem gemeinsamen Gebet sei es dann zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Darstellungen der Beobachter gehen teils weit auseinander.
Eine Zeugin berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung, dass Mitglieder des Vorstands ohne Vorwarnung Gläubige attackiert hätten. Ein Mann aus den Reihen des Vorstands habe – angeblich mit einer Schreckschusswaffe bewaffnet – insgesamt dreimal auf einen Gläubigen geschossen. Die Vorstandsmitglieder hätten Gläubige zudem mit Messern und Pfefferspray angegriffen, woraufhin sich 30 bis 40 Gläubige aus Selbstschutz zur Wehr gesetzt hätten. Die Zeugin spricht von einem koordinierten Angriff, der wohl im Vorfeld genau vorbereitet worden sei.
Ein Angehöriger eines ehemaligen Vorstandsmitglieds stellt die Situation komplett gegensätzlich dar: Mehrere Frauen hätten demnach versucht, Spendengelder zu stehlen. Unserer Redaktion liegen Fotos vor, die zeigen, wie mehrere Frauen Bargeld in eine durchsichtige Plastiktasche packen. Als der Vorstand dazwischengehen wollte, „hat sich eine ganze Horde von Männern vor die Frauen gestellt“, so der Angehörige. Die Männer hätten angefangen, die Vorstandsmitglieder zu schubsen, woraufhin die Situation eskaliert sei. Ob dabei auch eine Schreckschusspistole abgefeuert wurde, wisse der Angehörige nicht. „In dem Tumult ist einiges passiert.“ Der Vorstand sei deutlich in der Unterzahl gewesen und hätte lediglich versucht, sich zu verteidigen.


