Wie lässt sich das Bildungssystem in Nordrhein-Westfahlen grundlegend verbessern? Mit dieser Frage hat sich eine sogenannte Enquetekommission im Landtag zwei Jahre lang beschäftigt. Vertreter aller Fraktionen sowie externe Fachleute waren beteiligt. Eingesetzt wurde das Gremium auf Initiative der SPD – mit dem Ziel, parteiübergreifend an einer zukunftsfesten Bildungsstrategie zu arbeiten. Nun liegt der Abschlussbericht vor – und er enthält weitreichende Empfehlungen.

Das Papier solle Leitlinie für die Bildungspolitik im kommenden Jahrzehnt sein, „wir werden alles daran setzen, dass diese Empfehlungen auch umgesetzt werden“, sagte Frank Müller, bildungspolitischer Sprecher der SPD im Landtag und Mitglied der Enquetekommission I „Chancengleichheit in der Bildung“, kürzlich bei der Vorstellung des Berichts. Die Vorschläge greifen tief – insbesondere mit Blick auf die Schulen. Eine Übersicht über die zentralen Punkte.

Frühe Förderung: Entwicklungschecks und ein verbindliches Chancenjahr

Bereits ab dem vierten Lebensjahr sollen Kinder in NRW verbindlich auf Sprachfähigkeit, Motorik, Sozialverhalten und sozial- emotionale Entwicklung überprüft werden – mit dem Ziel, frühzeitig Förderbedarf zu erkennen. Durch ein standardisiertes Verfahren lege man das Fundament für ein zielführendes Bildungsmonitoring, erklärt Müller.

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Wenn nötig, folgt vor dem Schuleintritt ein verpflichtendes „Chancenjahr“: spielerisch, alltagsnah und digital gestützt. Sozialpädagoginnen und -pädagogen sollen dabei helfen, Entwicklungsrückstände auszugleichen und den Kindern den Übergang in die Grundschule zu erleichtern - dann, wenn bei den Kindern in verbindlichen Tests ein Förderbedarf festgestellt worden ist.

Digitalisierung: Bildungs-ID, KI und individuelle Förderung

Kernstück der Digitalstrategie ist der Aufbau einer landesweiten Bildungs-ID, über die Bildungsbiografien nachvollziehbar dokumentiert und weitergegeben werden sollen – datenschutzkonform, aber verbindlich.

Alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse sollen zudem künftig mit eigenen digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Dabei sollen Künstliche Intelligenz und adaptive Lernsysteme flächendeckend eingesetzt werden, um die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und Lehrkräfte sowie Schulverwaltungen zu entlasten.

Ganztag an Brennpunktschulen: Mehr Zeit, mehr Unterstützung

Gerade in sozial herausfordernden Lagen soll der gebundene Ganztag an Grundschulen gestärkt werden – zunächst an Schulen mit hohem Sozialindex (Stufe 5). Das Ziel: mehr Zeit für Förderung, mehr Chancengleichheit.

Dazu kommt ein sozialindexbasiertes Schulbudget, mit dem Schulen flexibel über Personal, Ausstattung und Fördermaßnahmen entscheiden können. Bestehende Mittel sollen dafür umgewidmet, der Gestaltungsspielraum für die Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort deutlich erweitert werden. „Die Schulleitungen wissen selbst am besten, was ihre Schulen brauchen“, so Müller. Die Wirkung der Maßnahmen soll künftig durch ein kommunales Bildungsmonitoring überprüft werden.

Zweigliedriges Schulsystem für „mehr Einheit und Übersicht“

Einen der weitreichendsten Vorschläge macht die Kommission mit Blick auf die Struktur der weiterführenden Schulen: Künftig soll es neben dem Gymnasium nur noch eine zweite, integrierte Schulform geben – etwa nach dem Modell der Gesamtschule. Dort sollen alle Abschlüsse bis zum Abitur möglich sein. Ziel sei es, das System klarer, verlässlicher und gerechter zu machen.

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„Wir wollen so auch dafür sorgen, dass mehr Kinder als bisher einen Platz an einer integrierten Schule wie einer Gesamtschule finden können“, sagt Müller. Doch leider habe es über diesen Punkt trotz Empfehlung aller Experten keine Einigkeit mit den anderen Fraktionen gegeben. „Wir machen uns dennoch für diesen Vorschlag stark.“