Ist Südwestfalen sexy? Ansichtssache. Jedenfalls haben sich einige schlaue Menschen jüngst auf die Suche nach dem Markenkern einer Region gemacht, die sich vor Jahren zu Südwestfalen zusammengeschlossen hat, um sichtbarer zu werden in Düsseldorf, Berlin und Brüssel, um Stärken zu bündeln, um gemeinsam mehr zu erreichen. „Industrieregion im Grünen“ lautet seitdem der Slogan. Ist das noch zeitgemäß? Steckt „Sexiness“ in diesem Begriff?, fragte Jörg Hesse von der federführenden Agentur Fette Beute jetzt beim Regionalmarketing-Summit in Iserlohn.

Wohl kaum. Die Zeiten sind turbulent, unruhig, unsicher. Erst Corona, dann Krisen, dann Ukraine-Krieg, nun Wirtschaftsflaute. Jetzt, so Hesse, suchen die Leute Balance, Ruhe, Ausgeglichenheit. Und die finden sie in Südwestfalen, einer Region, die sichere Arbeitsplätze zu bieten hat, aber auch die Gelassenheit des ländlichen Raums. „Wer hier lebt, der findet Ruhe und Energie“, sagte Hesse vor gut 300 Zuhörern und betonte das „und“.

Wirtschafts-Vereinigung immer stärker

Noch klingt das alles sehr theoretisch, aber schon bald wollen die fünf Kreise ihr gemeinsames Regionalmarketing in diese Richtung ändern. Und mehr Sexiness wagen.

Unterstützt wird die Strategie vom Verein Wirtschaft für Südwestfalen, in dem sich mittlerweile 430 Mitglieds-Unternehmen engagieren, die zusammen mit den fünf Kreisen mehr als eine Million Euro pro Jahr für das Regionalmarketing zur Verfügung stellen. „Wir werden die Zusammenarbeit mit den Kammern, Verbänden, der Politik und den Bildungseinrichtungen in Südwestfalen weiter ausbauen“, sagte Johannes Huxol, der als Vorsitzender des Vereins wiedergewählt wurde.

Ein ganz besonderer Kooperationspartner ist die Organisation „Do It Südwestfalen“, die es sich auf die Fahne geschrieben hat, die digitale Transformation in der Region voranzutreiben. Geschäftsführer Christoph Neumann stellte die beiden ersten Projekte von „Do It“ vor: In der KI-Sandbox Südwestfalen wird eine geschützte Testumgebung entstehen, in der Unternehmen gemeinsam mit Hochschulen und Technologiepartnern praxisnahe KI-Lösungen entwickeln und erproben können. Die Methodenwerkstatt Digitale Geschäftsmodelle soll vor allem mittelständischen Industrieunternehmen in einem Reallabor helfen, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, zu testen und eigenständig umzusetzen.

Mit welcher Innovationskraft Unternehmen in Südwestfalen schon jetzt zu Werke gehen, bewies erneut der Wettbewerb „Kracher des Jahres“, bei dem Firmen zum dritten Mal aufgerufen waren, in kurzen Videos besondere Produkte oder Dienstleistungen auf amüsante Art und Weise zu präsentieren. Sieger der öffentlichen Abstimmung: das „elektrische Schieb-mich-runter“ von Sorpetaler Festerbau aus dem Hochsauerlandkreis. „Wir wollten uns in dem Video selbst nicht zu ernst nehmen“, sagte Luisa Hillebrand (30), bei dem Familienunternehmen für das Marketing zuständig. Das ist gelungen - mit typisch sauerländischem Understatement.

Ist ein Schiebefenster sexy? Ansichtssache. Aber „Kracher des Jahres“ und neue Strategie im Regionalmarketing zeigen zumindest, dass Südwestfalen sich nicht auf dem Erreichten ausruht.

Alle Kracher-Beiträge gibt es unter: https://regionalmarketing-swf.com/mitmachen/kracher2025/