„Friedrich Merz hat, man kann es, glaube ich, so sagen, die Nerven verloren“, sagt Helene Bubrowski bei „Markus Lanz“. Die Journalistin, Co-Chefredakteurin von Table.Briefings und designierte „FAZ“-Herausgeberin, spricht über die Reaktion des Kanzlers auf Spekulationen, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst könne ihn ersetzen. Merz habe Wüsts Umfeld vorgeworfen, „mit den Mitteln der AfD zu arbeiten“. Lanz fragt nach: „Friedrich Merz wirft Hendrik Wüst AfD-Methoden vor?“ Bubrowski bestätigt: zumindest in der Methodik.
Es geht also nicht nur um eine Personalie, sondern um die Autorität eines Kanzlers, der auf Gerüchte reagiert, als seien sie ein Angriff auf sein Amt. Bubrowski ordnet den Konflikt als Teil einer längeren Vorgeschichte ein. Schon vor zwei Jahren habe Merz empfindlich auf einen „FAZ“-Gastbeitrag Wüsts reagiert. Nun gebe es „einen inner-CDU-Konflikt“, zwei CDU-Männer seien „miteinander im Clinch“. Ihre Zuspitzung ist schlicht: „Da findet jetzt ein Gerangel statt, ein Machtkampf.“ Oder noch kürzer: „Es sind Männer, die um Macht streiten.“

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Van Aken nennt Merz’ Reaktion unprofessionell
Jan van Aken, Co-Vorsitzender der Linken, kommentiert die Situation trocken: „Meine Kontakte in die CDU sind nicht besonders ausgeprägt“, sagt er. „Dass Merz überhaupt reagiert, ist so unprofessionell.“ Früher habe er dem Kanzler noch eine Chance geben wollen, sagt van Aken. Inzwischen denke er: „Er lernt es nicht.“ Sein Resümee: „Da wird mir Angst und Bange.“
Auch Bubrowski klingt einigermaßen besorgt, erkennt sie in dessen jüngstem Statement „eine persönliche Angegriffenheit“. Lanz lässt das nicht als Entschuldigung stehen: „Sorry, wir sind keine Therapiestunde, das muss man aushalten. Angela Merkel hat sich 16 Jahre ich weiß nicht was alles angehört.“ Bubrowski formuliert es weniger scharf, aber nicht milder: „Ständig zu sagen: Ich hab’s am allerschwersten, ist sicher keine Erfolgsgarantie.“
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Bubrowski spricht auch über weitere mögliche Nachfolger und Konkurrenten. „Jens Spahn hat ein Problem: Er ist nicht sonderlich beliebt“, sagt sie über den Unionsfraktionschef. Er komme „kühl rüber“, ihm fehle das Landesväterliche. „Es ist ein langer und schwieriger Weg für Jens Spahn.“ Als weiteren Kandidaten nennt sie Markus Söder. Interessant ist, „dass Markus Söder nicht mehr dieser strotzende Machtklotz ist“. Der CSU-Chef sei mit sich selbst beschäftigt.
Jan van Aken: „Wir haben die Kriegskasse Russlands gefüllt“
Der zweite große Konflikt des Abends führt von der CDU-Machtfrage zur Ukraine. Kritisch befragt wird vor allem die außenpolitische Linie der Linken. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte Deutschland die Ukraine nicht mit Waffen unterstützt. Van Aken verteidigt diese Position. Er sagt, seine entscheidende Frage sei: „Wie kann ich den Menschen in der Ukraine am besten helfen? Und wie kann ich den Kreml am meisten unter Druck setzen?“ Seine Antwort lautet nicht: mehr Waffen. Seine Antwort lautet: frühere, härtere Sanktionen.
Seine These: Hätte der Westen am 23. Februar 2022 gesagt, „es gibt sofort ein Öl-Embargo“, hätte sich die „Kosten-Nutzen-Rechnung“ im Kreml verändert. „Die Öleinnahmen gehen direkt in die Kriegskasse“, sagt van Aken. Damit trifft er einen wunden Punkt. Europa verurteilte den Angriff, lieferte später Waffen, verhängte Sanktionen – zahlte aber zunächst weiter Milliarden für russische Energie.
Van Aken macht aus dieser Abhängigkeit eine Gegenstrategie: weniger Waffen, dafür früherer wirtschaftlicher Druck. „Wir haben die Kriegskasse Russlands gefüllt“, sagt er. Lanz lässt den Satz nicht einfach stehen. „Ich finde, da kann die Kamera mal sechs zweifelnde Augen einfangen.“ Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob russische Energieeinnahmen Putins Staat stabilisierten. Das taten sie. Die Frage ist, ob ein sofortiges Ölembargo den Kreml im Frühjahr 2022 wirklich zum Einlenken gebracht hätte – oder ob es vor allem Europa in eine noch härtere Energiekrise gestürzt hätte, während Russland seinen Angriff trotzdem fortsetzt.
Ölembargo statt Waffen: Militärexperten kritisieren linke Position
„Das Ölembargo wäre in Deutschland nicht durchzusetzen“ gewesen, stellt Sönke Neitzel, Militärhistoriker an der Universität Potsdam, klar. Vor allem aber hält er van Akens Gegenentwurf für politisch und militärisch zu schlicht. Wenn der Westen keine Waffen geliefert hätte, wäre der Krieg aus seiner Sicht längst vorbei – und die Ukraine hätte verloren. Neitzels Einwand trifft den wunden Punkt der linken Argumentation: Sanktionen können Druck erzeugen. Aber sie ersetzen in einem laufenden Angriffskrieg nicht automatisch Verteidigungsfähigkeit.
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Auch Andrey Gurkov, in Moskau geborener Publizist, widerspricht van Aken. Die Vorstellung, man hätte Wladimir Putin im März 2022 von seinem Plan abbringen können, Kiew einzunehmen und die Ukraine zu unterwerfen, sei „illusorisch“. Gurkov stellt außerdem die praktische Frage: Welche Länder hätten bei einem sofortigen Ölembargo mitgemacht? Und wo wäre der Ölpreis gelandet?
„Das Einzige, worüber Sie reden, ist Geld“
Van Aken reagiert: „Das Einzige, worüber Sie reden, ist Geld.“ Neitzel und Gurkov halten dagegen: Ohne Waffen hätte die Ukraine womöglich keinen Staat mehr zu verteidigen. Der Konflikt ist also nicht Sanktionen oder Nichtstun. Er lautet: Reicht ökonomischer Druck gegen einen Gegner, der militärisch Fakten schaffen will?
Klar wird: Van Aken will zeigen, dass auch seine Partei den Kreml unter Druck setzen will, nur eben anders als Union, SPD oder Grüne. Doch bei Lanz zeigt sich, wie schwer diese Position zu halten ist, sobald sie konkret wird. Ein frühes Ölembargo klingt entschieden. Die Frage, ob es Putin wirklich gestoppt hätte, kann van Aken nicht belastbar beantworten.
So hängen die beiden Debatten dieses Abends enger zusammen, als es zunächst wirkt. Bei Merz geht es um die Frage, ob ein Kanzler Kritik und Machtgerüchte aushält. Bei van Aken geht es um die Frage, ob eine Oppositionspartei ihren Gegenentwurf auch dann trägt, wenn er an Wirklichkeit und Mehrheiten stößt. „Markus Lanz“ liefert dafür keinen großen Showdown, aber einen Stresstest, mit klarem Ergebnis: Persönliche Kränkung ist keine Strategie. Moralische Empörung auch nicht.


![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)





