Eigentlich war die Debatte um das „ARD“-Format „Klar“ abgeflaut. Nach der Kritik an früheren Ausgaben blieb die neue Folge mit Julia Ruhs zunächst ohne größere Resonanz, wirkte die Rolle der Moderatorin deutlich zurückgenommen – die Aufregung aus dem Vorjahr vorüber.
Doch nun gibt es erneut Streit um die Sendung. Die Reportage „Wo Islamisten Deutschland unterwandern“ ist nach ihrer Ausstrahlung nachträglich verändert worden. In der ARD-Mediathek ist sie inzwischen nur noch in bearbeiteter Form abrufbar, Szenen wurden entfernt oder unkenntlich gemacht.
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BR bestätigt Änderungen an „Klar“-Beitrag mit Julia Ruhs
Auf Anfrage dieser Redaktion konkretisierte ein BR-Sprecher den Vorgang. Die Eltern hätten den Dreharbeiten mit ihren Kindern zuvor schriftlich zugestimmt. Nachdem einzelne Eltern ihre Zustimmung im Nachgang widerrufen hätten, habe man „umgehend reagiert“ und entsprechende Szenen entfernt oder unkenntlich gemacht. Der BR nehme „den Schutz von Minderjährigen sehr ernst“ und respektiere „die elterliche Fürsorge“.
Die Änderungen betreffen eine Sequenz aus der Elbe-Schule in Berlin-Neukölln. Dort schilderten mehrere Schüler vor der Kamera, dass es während des Ramadan im Schulalltag zu Spannungen komme. „Es fasten ganz schön viele aus unserer Klasse“, sagt eine von ihnen. Andere berichten, dass Mitschülerinnen und Mitschüler ihnen das Essen verbieten oder sie dafür kritisieren würden, wenn sie nicht mitfasten.
Zudem war ein kurzer Beitrag zweier Jungen zu sehen, die ein selbst geschriebenes „Friedenslied“ sangen. Während die Gesangseinlage in der Mediathek-Fassung noch verpixelt zu sehen ist, fehlt das Interview mit den Kindern inzwischen komplett.
„Der Freitag“ berichtet über Elternkritik an ARD-Beitrag
Nach Angaben des BR wurde konkret „eine kurze Sequenz“ entfernt, „in der Schülerinnen über das Thema Fasten sprechen“. Zudem sei eine kurze Szene mit Schülern, „die für Zusammenhalt und Toleranz singen“, gepixelt worden. Die Videos seien nun sowohl in der ARD-Mediathek als auch auf den YouTube-Kanälen „BR24“ und „NDR Doku“ nur noch in der bearbeiteten Form abrufbar. Die Bearbeitung wurde dem BR zufolge am 30. April umgesetzt, nachdem sich am Abend zuvor Eltern gemeldet hatten.
Zuvor waren Vorwürfe zur Darstellung der Schule laut geworden. Wie die Wochenzeitung „Der Freitag“ berichtete, werfen Eltern der Elbe-Schule dem Beitrag eine verzerrte Darstellung vor. Demnach gefährde die Sendung die Arbeit, die an der Schule seit Jahren geleistet werde. Mehrere Eltern schilderten der Zeitung, sie hätten den Beitrag in einem anderen Kontext verstanden. Eine Mutter sagte, von der Schule sei ihr gesagt worden, der Beitrag handle von Diversität an Neuköllner Schulen. Sie habe die Einwilligung „im Vertrauen“ gegeben, weil es sich um den BR gehandelt habe.
Eine weitere Mutter bezeichnete den Beitrag dem Bericht zufolge als „hetzerisch und reißerisch“ und sprach von „Neukölln-Bashing“. Ein Elternteil, das anonym bleiben wollte, sagte dem „Freitag“, dem Kind sei nicht klar gewesen, dass der sogenannte Pausenbrot-Konflikt im Ramadan am Ende der zentrale Punkt der gezeigten Aussagen sein würde. Auch Schulleiterin Deniz Taner habe der Zeitung gesagt, sie habe nicht gewusst, in welchem Zusammenhang die Aufnahmen später stehen würden.
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BR weist Vorwurf zurück: Schule über Fokus informiert
Der BR weist diesen Eindruck und die Vorwürfe aus der Elternschaft zurück. Die Redaktion habe die Schule „von Beginn an klar über den Fokus der Dreharbeiten“ informiert: „Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz.“ Die früheren Konflikte seien durch einen Elternbrief der Schulleitung dokumentiert, aus dem in der Sendung auch zitiert werde.
Zugleich betont der BR, der Beitrag zeige, „wie sich die Schule seither erfolgreich für Toleranz einsetzt“, und würdige sie ausdrücklich als „Vorzeigeschule“. Zahlreiche Reaktionen aus dem Netz zeigten dem Sender zufolge, dass bei vielen im Publikum ein positives Bild der Elbe-Schule entstehe. Auch die Rolle der Schulleitung werde positiv hervorgehoben.
Schutz von Minderjährigen: BR spricht von freiwilliger Bearbeitung
Der BR stellt die nachträgliche Bearbeitung nicht als rechtliches Eingeständnis dar. Unter dem Beitrag heißt es, die Änderungen seien freiwillig und „ohne Anerkennung jeder Rechtspflicht“ erfolgt. Die Bearbeitung sei aus Sicht des Senders journalistisch vertretbar, weil die Kerninformationen über das Geschehen an der Schule erhalten blieben.
Offen bleibt damit weniger, ob die Schule über den grundsätzlichen Fokus der Dreharbeiten informiert war – das bejaht der BR ausdrücklich. Offen bleibt vielmehr, ob die Eltern die spätere Einbettung der Aussagen ihrer Kinder in die Gesamtdramaturgie der Sendung ebenfalls so einordnen konnten.



