Drei Millionen Seiten an Epstein-Akten sind weiterhin unter Verschluss. Das sorgt bei Maybrit Illner im ZDF für jede Menge Geraune und Spekulation. Kommt wohl bald der erste große deutsche Name ans Licht? Die Theologin Margot Käßmann bringt es auf den Punkt: „Man hat ja schon Angst, wenn man das Radio einschaltet: Wer ist jetzt wieder dabei?“ 

Die Politikerinnen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) und Franziska Brantner (Grüne) rechnen fest damit, dass auch Deutsche sich im Epstein-Skandal schuldig gemacht haben. „Ich warte darauf, dass auch in Deutschland etwas aufploppt. Das ist nur eine Frage der Zeit“, meint Strack-Zimmermann. Einige müssten aktuell „viel Schweiß auf der Stirn haben“, weil sie Angst haben, dass ihr Name bei den nächsten Enthüllungen auftaucht. 

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Grünen-Chefin warnt vor Erpressungspotenzial 

Die Gäste am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“ (von links): Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Franziska Brantner, Maybrit Illner, Margot Käßmann, Daniel Laufer, Annett Meiritz.
Die Gäste am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“ (von links): Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Franziska Brantner, Maybrit Illner, Margot Käßmann, Daniel Laufer, Annett Meiritz. © ZDF/Jule Roehr

Genau darin sieht die Grünen-Chefin Franziska Brantner eine Gefahr: „Es ist wichtig zu wissen, wer noch erpressbar ist“, sagt sie eindringlich. Denn viele Akten hält das US-Justizministerium weiterhin zurück. Stehen mächtige Männer in Deutschland aktuell vor der Angst, aufzufliegen, und werden sie von den USA erpresst? Das glaubt offenbar Brantner: „Wir müssen fragen: Wer vertritt in Deutschland Positionen, die de facto nicht seine eigenen sind, sondern weil er erpresst wird, mit dem, was er vielleicht vor acht Jahren gemacht hat?“ 

Diese Personen könnten laut Brantner auch bei Maybrit Illner in der Talkshow sitzen, und dort die erpressten Positionen verbreiten. Brantner nimmt die Bundesregierung in die Pflicht, Ermittlungen anzustoßen: „Es gibt noch keine einzige strafrechtliche Ermittlung in Deutschland wegen Epstein“, kritisiert die Grüne. 

Mit ihrer Kollegin Strack-Zimmermann ist Brantner sich an diesem Abend fast immer einig. So betonen beide einhellig, dass man die Perspektive der Opfer nicht vergessen und nicht immer nur über die Täter sprechen dürfe. 

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Käßmann: „Täter sind medial attraktiver“ 

Doch tatsächlich wird in der Sendung deutlich mehr über die Täter gesprochen. Käßmann weiß auch warum: „Die Täter sind offenbar medial attraktiver“, überlegt die Theologin. Sie erinnert auch an die Missbrauchsfälle in der katholischen und der evangelischen Kirche: „Da wurde viel Vertrauen zerstört. Die Kirche wurde von vielen damals mehr geschützt als die Opfer.“ 

Auch wenn die Aufarbeitung „holprig“ laufe, sehe sie durch den Skandal einen Fortschritt: „Es ist gut, dass wir in Deutschland heute offen über Kindesmissbrauch sprechen“, erklärt Käßmann.  

In den USA hat Käßmann andere Erfahrungen gemacht. Dort unterstützen die Evangelikalen weiterhin Donald Trump, obwohl dieser ein verurteilter Straftäter ist, Epstein nahestand und nachweislich mit ihm über seine Vorliebe für sehr junge Frauen gesprochen hat. „Als ich sie darauf ansprach, sagten sie: König David habe ja auch Batseba vergewaltigt und sei von Gott als König anerkannt gewesen, und Jesus sei auch als Verbrecher gestorben.“ 

News aus den USA

Epstein-Skandal: Wie tief steckt Trump drin? 

In den veröffentlichten Akten wird Donald Trump zwar keines Verbrechens beschuldigt. Doch das muss nichts heißen, schließlich konnte er über Justizministerin Pam Bondi großen Einfluss auf den Veröffentlichungsprozess nehmen.  

Die Journalistin Annett Meiritz vom „Handelsblatt“ beobachtet, wie der Epstein-Skandal immer mehr zum Problem für Trump wird: „Seine Anhänger werden immer wieder daran erinnert, dass er Teil dieses Establishments war, das dieses Epstein-Netzwerk gestützt hat.“ 

Das liegt auch daran, dass die US-Regierung sich bei der Vertuschung offenbar nicht besonders geschickt anstellt: „Sie kriegen es nicht hin“, sagt der Enthüllungsjournalist Daniel Laufer, der die Epstein-Akten durchforstet. Er spricht von einer „Smoking Gun“, die Trump belaste: Vernehmungsprotokolle über mutmaßlichen Missbrauch durch Trump, die in den Akten auf einmal fehlten.