Markus Lanz kämpft an diesem Donnerstagabend um Haltung – gegen Vorwürfe, gegen Propaganda und gegen die eigene Rührung. Als Sahra Wagenknecht ihm vorwirft, das BSW gezielt auszuschließen, geht das Gespräch auf Konfrontation. Später bringt eine russische Aktivistin den Moderator zum Schweigen.
„Wir haben uns länger nicht gesehen“, sagt Lanz nach der Vorstellung an Wagenknecht gewandt. „Wo waren Sie?“ – „Herr Lanz, wenn Sie mich nicht einladen, sehen Sie mich nicht“, antwortet die BSW-Chefin direkt. Schon in diesem Moment ist klar: Sie ist nicht gekommen, um zu diskutieren, sondern um abzurechnen.
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Wagenknecht wirft den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, ihre Partei aus den Talkshows herauszuhalten. „Seit der Bundestagswahl werden wir massiv ausgegrenzt“, sagt sie – und leitet damit einen Abend ein, der zur Grundsatzdebatte über Meinungsfreiheit wird.
Lanz kontert Wagenknecht – und die Stimmung kippt
Lanz hält dagegen und rechnet vor, dass Wagenknecht vor der Wahl „viermal häufiger da war, als es anteilig ihren Sitzen im Bundestag entsprochen hätte“. Doch die Politikerin bleibt bei ihrer Erzählung: „Das Problem in Deutschland ist doch, dass viele Menschen den Eindruck haben, dass Meinungsvielfalt eingeschränkt wird.“
Spätestens jetzt wird klar, dass Lanz vorbereitet ist – aber nicht unberührt. „Boah, jetzt sind wir ja richtig hart im Kulturkampf drin. Haben Sie noch einen?“, kommentiert er spitz. Die Atmosphäre kippt. Zwischen rhetorischer Schärfe und persönlicher Gereiztheit verläuft eine Grenze, die der Moderator an diesem Abend mehrfach streift.
Unterstützung bekommt Lanz aus der Runde. Kerstin Münstermann, Leiterin der Parlamentsredaktion der Rheinischen Post, nennt Wagenknechts Klage „Quatsch“. Sie widerspricht entschieden: „Sie kommen so oft vor. Jeder wird wahrgenommen.“ Und sie ergänzt, fast genervt: „Ich finde diese Schmollecke so schwierig.“
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Militär-Experte Carlo Masala reagiert auf Russland-Aussagen empört
Als Wagenknecht die Herkunft russischer Drohnen in Zweifel zieht und vor „Hysterie“ warnt, reagiert Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, fassungslos. „Es gab nie Nato-Raketen in der Ukraine!“, stellt er klar. Putin brauche den Krieg, „um die eigenen wirtschaftlichen und menschlichen Kosten zu rechtfertigen“.
Wagenknecht widerspricht – und bringt Argumente, die Maria Aljochina, so sagt sie später, an russische Narrative erinnern. „Das deutsche Fernsehen ist wirklich der einzige Ort der Welt, wo man den Leuten immer noch erzählt, der Ukrainekrieg hätte nichts mit der Nato-Osterweiterung zu tun“, sagt Wagenknecht. Masala schüttelt den Kopf, Münstermann atmet hörbar aus.
Lanz, Miosga & Co.: Diese Politiker sind am häufigsten zu Gast
Pussy-Riot-Aktivistin Maria Aljochina bewegt Lanz zu Tränen
Dann spricht Maria Aljochina, Mitgründerin der Protestgruppe Pussy Riot. Sie erzählt von ihrer Zeit im Straflager, von Festnahmen, Hausarrest, Prügeln, Verboten. Ihre Stimme bleibt ruhig, ihre Worte sind präzise. „Es gibt über eine Million von uns in Europa. Wir alle sind ausgereist, um die Wahrheit zu sprechen.“
Lanz hört zu – und bricht den Gesprächsfluss. „Mich berührt das gerade sehr, was Sie sagen“, sagt er leise. „Ich habe junge Frauen wie Sie in St. Petersburg getroffen … Ich frage mich oft, was aus Ihnen geworden ist.“ Sekundenlang herrscht Stille. Kein Satz, kein Lächeln. Nur der Moment, in dem die Talkshow für einmal keine Bühne ist, sondern Raum für Mitgefühl.

Zwischen Schlagabtausch und Stille
Kurz darauf kehrt Lanz zum Thema zurück. „Ist der Kulturkampf am Ende genauso gefährlich?“, fragt er Masala. Der antwortet: „Brandgefährlich. Bestimmte Propaganda-Profile fruchten einfach.“
Zum Schluss sagt Lanz den Satz, der diesen Abend rahmt: „Wir sehen uns wieder – im Sinne der Meinungsfreiheit.“ Und auf Aljochina deutend: „Der Satz des Jahres: Ich habe nie Sicherheit gesucht.“ Es ist ein Abend, der zeigt, wie fragil Gesprächskultur geworden ist – und dass Empathie inmitten der Härte manchmal lauter wirkt als jedes Argument.

















